Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Gründung des Instituts PDF Drucken E-Mail

Idee und Gründung des Ökumenischen Instituts und Wohnheims

 

I. Persönliche Einleitung

Ich weiß nicht, ob es Ihnen ähnlich geht, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich erst nach einem zeitlichen Abstand, gleichsam im Nachhinein, oftmals Jahre später, die wahre Bedeutung, die geistig-moralische Qualität und menschliche und fachliche Kompetenz einer mir nahestehenden oder gut bekannten Person erst richtig erkannt habe. Erst post festum, nachher, im Rückblick wurde mir bewusst: das war oder das ist ja in der Tat doch eine besondere Person, ein außergewöhnlicher Mensch. Mir ist diese Erkenntnis im Nachhinein deutlich geworden am Beispiel von Professor Edmund Schlink und seinem ökumenischen Institut und Studentenwohnheim.  Als Student, Doktorand und Assistent Schlinks befand ich mich in einer Situation respektvoller Abhängigkeit, aus der heraus eine Beurteilung des verehrten und auch ein wenig gefürchteten Lehrers nicht möglich war. Zugleich war ich so sehr innerer Bestandteil des Instituts und Studentenwohnheims, dass mir eine Beurteilung von deren Einzigartigkeit in der damaligen deutschen Universitätslandschaft versperrt war.

Erst im zeitlichen und räumlichen Abstand von zehn oder zwanzig Jahren nach meinem Abschied von Heidelberg wurde mir deutlich, dass von der Person und dem Werk Schlinks und seinen Geschöpfen, dem Institut und Studentenwohnheim, ganz wichtige Wirkungen und Impulse ausgegangen sind. Dies erkannte ich besonders nach meiner Berufung zum Direktor der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung des Ökumenischen Rates der Kirchen, in der Schlink wichtige Positionen innehatte und zu deren Arbeit und zur theologischen Orientierung des Ökumenisches Rates und darüber hinaus er bedeutsame Beiträge geleistet hat. Nun lebte und arbeitete ich in Genf in einer Tradition, deren Grundlagen und Umrisse Schlink wesentlich mitgeprägt hatte, und mein Respekt für seine weitreichenden ökumenischen Konzeptionen und seine an die Kirchen gerichteten kritischen Herausforderungen wuchs beträchtlich.

Aus einer solchen Distanz der Rückschau spreche ich heute zu Ihnen und will bei den Anfängen, wie es sich gehört, anfangen.

 

2. Geschichte

„In der Woche zwischen dem 1. und 2. Advent 1957 konnte in einem festlichen Akt im Beisein zahlreicher ausländischer Gelehrter ein Universitätsgebäude eingeweiht werden, das in seiner Art als erstmalig im Bereich der deutschen Universitäten bezeichnet werden kann. Es liegt unmittelbar am Fuße des Schlossberges inmitten der Heidelberger Altstadt neben dem Buhl´schen Haus, der festlichen Empfangsstätte der Universität. Es war für den Architekten keine leichte Aufgabe, an dieser Stelle einen Bau zu errichten, der sowohl der traulichen Atmosphäre der Altstadt als auch den Bedürfnissen moderner wissenschaftlicher Arbeit entspricht.“ Es wurde ein Haus geschaffen, „das zugleich behaglich und sachlich, zugleich in den Rahmen der Altstadt sich einfügend und modernen Ansprüchen angemessen ist.“1 So beschreibt Edmund Schlink das vollbrachte Werk, sein Werk. Finanziert wurde das neue Gebäude mit Mitteln des Bundesjugendplans und des Landes Baden-Württemberg. Der größte Teil der Einrichtung des Heims und die Glasfenster in der Kapelle wurden von Louis Marhoefer aus Pittsburgh in de USA gestiftet. Bei einem Heimabend, ich erinnere mich noch, erzählte Marhoefer, Ehrensenator der Universität, seine Lebens-und Erfolgsgeschichte. Letztere begann mit dem Jonglieren von unterschiedlichen Währungen während seiner Studentenzeit, was ihm die ersten Hunderttausende einbrachte.

Der Gedanke, angesichts der bedrängenden Wohnverhältnisse im unzerstörten Heidelberg zusätzlichen Wohnraum für die neu herbeiströmenden Studentenmassen nach dem Ende des 2. Weltkriegs zu schaffen, kam bereits in der ersten Zeit nach 1945 auf. Die amerikanische Sektion des Lutherischen Weltbundes schenkte der Heidelberger Theologischen Fakultät 30 000 DM für die Aufstellung einer Wohnbaracke für Studenten. Doch Architekten rieten von einer kurzlebigen Holzbaracke ab und Schlink, unterstützt von den damaligen Rektoren, begann den Gedanken eines Studentenwohnheims zu entwickeln. Unter den Zielsetzungen für dieses neue Haus nennt Schlink, erstens, dessen internationalen Charakter. In „diesem Haus sollten Studenten aus allen Ländern und Völkern mit deutschen Studenten zusammenleben, so dass die Jugend der Nationen, die noch vor kurzem im Krieg miteinander gelegen hatten, die Gelegenheit bekomme, sich freundschaftlich näherzutreten“ (3). Auch sollten Studenten aus den jungen, unabhängig gewordenen Nationen eine positivere Aufnahme finden, als dies früher. vor dem Krieg der Fall war. Manche der damals von der westlichen Zivilisation enttäuscht z. B. nach Asien zurückkehrenden Studenten sind dann kommunistische Revolutionäre geworden (Schlink nennt Zhou Enlai). Der ursprüngliche Plan, einen Beitrag zur Linderung der studentischen Wohnungsnot zu leisten wurde also sogleich mit dem Gedanken internationaler Verständigung und Versöhnung nach dem schrecklichen Krieg verbunden.

Hinzu kam ein zweites Element: Das Haus sollte eine überkonfessionelle christliche Grundlage haben mit der Möglichkeit, morgens and abends, wie in amerikanischen und englischen Colleges, in einer Hauskapelle zu Andachten zusammenzukommen. Hier verband sich der Gedanke der Versöhnung, der persönlichen Förderung von Verständigung und Frieden mit dem für Schlink zentralen christlichen, gottesdienstlichen und ökumenischen Engagement. Ein weiteres, drittes Element sollte den Charakter des Studentenheims mit bestimmen: Bei diesem Haus, so schreibt Schlink, „war keineswegs nur an Theologiestudenten gedacht, sondern an Studenten aus allen Fakultäten“. Schlinks starkes Interesse an interdisziplinären Gesprächen kam hier zum Ausdruck. Dieser Austausch sollte nicht nur gelegentlich wie in der gepflegten Atmosphäre der Professorengespräche in der Ziegelhäuser Stiftsmühle stattfinden, wie ich sie erlebt habe, sondern schon von unten her im Zusammenleben von Studenten beginnen. Damit verband sich für Schlink ein viertes Anliegen, die Beobachtung, dass „ausländische Studenten sich zum Teil sehr einsam fühlten, zu keinem näheren Kontakt mit deutschen Studenten gelangten und von manchen  Zimmerwirtinnen schamlos ausgenutzt wurden“.

Ganz offenkundig ist schließlich das fünfte Element, das zur Entstehungsgeschichte und Zielsetzung des Wohnheims gehört: Das Heim ist ja die Schwester des Ökumenischen Instituts und wurde mit diesem zusammen sowohl baulich als auch inhaltlich konzipiert. Das Ökumenische Institut wurde als erstes Universitätsinstitut dieser Art in Deutschland geschaffen. Es wurde 1946 gegründet und der neuberufene Heidelberger Professor Edmund Schlink war sein Vater. Zusammen mit einigen andere Theologen war Schlink nach den schrecklichen Jahren der Naziherrschaft und der Kriegszeit und angesichts eines in steinernen und geistigen Trümmern liegenden und hungernden Mittel- und Osteuropas zutiefst davon umgetrieben, nach neuen Wegen für Kirche und Gesellschaft zu suchen. Es war wohl ein wesentliches Motiv für die Schaffung dieses Instituts, dass es half, Grenzen zu überschreiten – konfessionelle wie nationale. In den ersten zehn Jahren seines Bestehens befand sich das Institut in einem einzigen Raum in der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Der musste reichen für Bibliothek, Studenten, Assistent, Sekretärin und Direktor. Nun kam 1957 die Erlösung mit dem damals neuesten Bau im Bereich der Universität.

Das räumlich gut ausgestattete und wunderschön gelegene neue Ökumenische Institut war im Vergleich zu anderen theologischen Instituten privilegiert. Vor dem Zimmer des Direktors plätscherte und plätschert unablässig weiter ein Brunnen, der sich gelegentlich auch als Bierkühler nützlich macht. Doch ein besonderer Wesenszug des neuen Instituts war, dass es eben mit dem Ökumenischen Studentenwohnheim baulich und konzeptionell verbunden ist. Durch eine Verbindungstür gelangt man von einem Reich ins andere. Das Ökumenische Institut dient der theologischen Forschung, Reflexion und Ausbildung auf dem Gebiet der Geschichte, Probleme und Zukunftsperspektiven der ökumenischen Bewegung, die seit der Gründung des Instituts enorme Entwicklungen und Fortschritte durchgemacht hat. Das Studentenheim ist hierzu das lebendige, erfahrungsbezogene Pendant ökumenischer Praxis an der Basis. Beides entsprach der kreativen Intention Schlinks: Einmal die Durchdringung und Ergänzung theologischer Studien durch die historisch vorgegebene und zum Neudenken und Handeln drängende ökumenische Dimension neuzeitlicher Christentumsgeschichte, und zum andern die „Erdung“ dieser ökumenischen Dimension in ökumenischer Praxis, in wechselseitiger ökumenischer Aufklärung und Bewusstmachung im Zusammenleben von Studierenden. „Schlink´s work was never simply intellectual“, schreibt Eugene Skibbe in seiner schönen Schlink-Biographie (A Quiet Reformer. An Introduction to Edmund Schlink´s Life and Ecumenical Theology, Minneapolis: Kirk House Publishers, 1999), die jetzt übersetzt wird und bei Vandenhoeck & Ruprecht in Göttingen erscheinen wird.

 

3. Was ist daraus geworden? Der Weg seit 1957

Fast fünf Jahrzehnte sind seit der Einweihung des Studentenwohnheims und der neuen Räumlichkeiten des Ökumenischen Instituts vergangen. Wir blicken zurück und fragen, was aus den Intentionen Schlinks geworden ist. So gehe ich noch einmal zu den von Schlink intendierten fünf Merkmalen des Heims zurück und gehe von ihnen aus. Erstens, der internationale Charakter des Heims. Dieser hat das Haus in besonderer Weise und kontinuierlich geprägt. Er kommt in vielfältigen Formen des persönlichen und gemeinschaftlichen Austauschs, der Information, der Anteilnahme, neuer Freundschaften und auch der Küchendüfte zum Ausdruck. So ist ein Haus mit offenen Horizonten entstanden, eine kleine Zelle internationaler Verständigung und Freundschaft, die dann auch im weiteren Lebensweg ehemaliger Heimbewohner und Heimbewohnerinnen Früchte trägt, Wirkungen zeitigt. Ein Ehemaliger ist gerade evangelischer Propst in Jerusalem geworden. So geht das …

Zweitens, der interkonfessionelle, christliche, gottesdienstliche Charakter des Hauses ist ebenfalls von Anfang an prägend geblieben, natürlich mit Modifikationen. Eine davon war, dass in den letzten Jahren auch einige Studierende aufgenommen wurden, die anderen Religionen angehören. Angesichts der heutigen politischen und geistigen Dringlichkeit interreligiöser Verständigung scheint mir dies eine sinnvolle Erweiterung des ursprünglichen Mandats zu sein. Die christliche Basis des Zusammenlebens im Heim sollte nach Schlink besonders durch die Andachten gefördert werden und damit unmittelbar verbunden auch die Erfahrung ökumenischer Zusammengehörigkeit. Ich vermute, dass hier Schlinks ökumenische Erfahrungen, die er auch reflektiert hat, eine Rolle gespielt haben, wonach Christen verschiedener Konfessionen gerade im Gottesdienst einander näherkommen, auch wenn sie in der Glaubenslehre noch getrennt sind. Für die Andachten hatte Schlink eine eigene Kapelle vorgesehen, im Unterschied zu vielen protestantischen Einrichtungen in Deutschland, wo man im Speise-, oder Tagungs-, oder Klubraum zu Andachten zusammenkommt.

Schlink hatte sich auch eine originelle Gestaltung der Kapelle ausgedacht. Die Teilnehmenden sollten nicht wie üblich in Reihen hintereinander sitzen und den Nacken ihres Vordermanns oder ihrer Vorderfrau meditierend betrachten, sondern sie sollten sich ansehen (oder auch anlächeln) können. Zu diesem Zweck wurde auf beiden Seiten der Kapelle ein aufsteigendes Chorgestühl eingebaut, das den einzelnen dort Sitzenden ein eigenes kleines Sitzreich, nicht zu nahe neben den anderen und doch bei ihnen, schenkte. Gemeinschaft und Individualität waren so gewahrt. Das Chorgestühl sollte dem liturgischen Wechselgesang und dem Einander-Zusprechen bei den Andachten dienen, und so haben wir es auch in den zehn Jahren gehalten, in denen wir im Heim lebten, und so war es auch in den zwei Jahren zuvor und sicher oft nach uns. Bis in einem Akt bornierter Unsensibilität, so sehen wir Alten es jedenfalls, das Chorgestühl herausgerissen wurde weil man mehr Platz für eine Studentenküche brauchte. Man hätte eine andere Lösung finden können.

Das – drittens – interdisziplinäre Gespräch zwischen Studierenden verschiedener Fakultäten wurde in der Vergangenheit auch durch die relativ vielen Doppelzimmer gefördert, wo auf engstem Raum z.B. ein griechischer Mediziner und ein deutscher Theologe zusammenlebten – aber eben doch auf engstem Raum. Aus den Berichten der letzten Jahre ersehe ich, dass die Begegnung zwischen den Fakultäten und die Diskussion über aktuelle politische, soziale und andere Fragen bei Hausabenden eine wichtige Rolle spielt. Edmund Schlinks Absicht, viertens, dass ausländische Studenten im Studentenheim eine gewisse Beheimatung und engere Kontakte zu deutschen Studenten finden mögen, hat sich während der vergangenen Jahre auf vielfältige Weise bewährt. In einer Massenuniversität kann so ein relativ kleines Heim das Gefühl einer vorübergehenden Beheimatung und Zugehörigkeit vermitteln. Eine solche Bewährung  gilt sicher auch, fünftens, für die programmatische Komplementarität von Ökumenischem Institut und Studentenheim. Das Heim hat auf ganz natürlich-menschliche Weise im persönlichen Miteinander der Heimbewohner und Heimbewohnerinnen ökumenisch gewirkt im Sinne eines besseren Kennenlernens anderer Kirchen und anderer kirchlicher Situationen und Lebensformen. Aber auch durch Heimabende, Heimfahrten, Veranstaltungen im Institut, etc. wurde die Kenntnis der Anderen vertieft und das Wissen um Gemeinsamkeiten und Unterschiede erweitert.

Die immer wieder neu erlebte Gemeinschaft im Studentenheim und die bleibende Erinnerung an eine gute Zeit, die man hier erlebt hat, hat vor 25 Jahren zur Gründung des Freundeskreises des Ökumenischen Studentenwohnheims geführt. Hier ist eine Verbindung unter den Ehemaligen, aber auch zwischen ihnen und dem gegenwärtigen Leben des Heims geschaffen worden. Darüber in anderen Beiträgen mehr.

Schlinks Hoffnungen haben sich erfüllt, mit manchen Veränderungen gegenüber seinen ursprünglichen Vorstellungen, da Kontinuität und Erfüllung immer auch Wandel und Neuinterpretation einschließen. Da ökumenische Pioniere, zu denen Schlink zweifellos gehört, nicht unsterblich sind, bleiben er und seine Vorstellungen weiterhin lebendig durch das Haus in der Plankengasse 1 und 3. Doch einen neuen Schritt in der Geschichte des Studentenheims hatte er nicht vorgesehen. Schlink hat das Studentenheim als Behausung männlicher Studenten geplant, fraglos und ohne nähere Erläuterung, und das blieb es auch für längere Zeit. Ich vermute, dass in seinen Vorstellungen ein nur von Männern bewohntes Haus

aus praktischen und psychologischen Gründen näherlag als ein Heim mit „gemischter“ Bewohnerschaft. Es gab ja andererseits auch drei Studentinnenwohnheime in unmittelbarer Nähe des Ökumenischen Studentenwohnheims. In England und Amerika ist in den letzten Jahren viel über die Vor- und Nachteile von reinen Frauen- oder Männercolleges diskutiert worden. Die etwas rauhe, nicht immer sehr feinsinnige, zugleich aber hilfsbereite und kameradschaftliche Männergesellschaft in unserer Zeit hatte ihre eigenen Reize. Gleichzeitig haben wir Alten bei Besuchen im Heim erlebt, bes. bei Festen und Veranstaltungen, wie Studentinnen das Leben in dieser Gemeinschaft in einer Weise musisch, ästhetisch, atmosphärisch und kulinarisch bereichern können, wie dies früher nicht der Fall war.

Eine weitere Entwicklung, die Edmund Schlink nicht direkt angesprochen hat und die man damals auch aus ideologischen Gründen nicht ansprach, besteht wohl darin, dass das Heim zur Heranbildung und Weiterbildung einer Elite beigetragen hat. Mit „Elite“, ein wieder hoffähiger Begriff angesichts der Bemühungen in unserem Land, amerikanischen Eliteuniversitäten nachzueifern, also mit Elite meine ich nicht eine herausgehobene Schicht von Menschen auf der Grundlage von Herkunft und gesellschaftlicher Position. Zu einer Elite gehören vielmehr Menschen, die an ihrem jeweiligen gesellschaftlichen Ort sich durch Kompetenz und Engagement, durch moralisch-soziale Verantwortung und kritische Haltung gegenüber den negativen Elementen einer manipulierten Massengesellschaft sowie durch ein Bewusstsein globaler Zusammenhänge auszeichnen. Ich habe erlebt, dass das Studentenheim dazu beigetragen hat, dass Menschen, vor allem wenn sie etwas länger im Heim wohnen konnten und durften, in Richtung hin auf eine solche Elite geprägt worden sind.

 

4. Abschließende Bemerkungen

So blicken wir zurück, aus einem noch nicht so großen zeitlichen Abstand, und erkennen deutlicher als zu unserer eigenen Zeit im Studentenwohnheim, was die Vision und Energie eines Menschen bewirken und welche bleibenden Wirkungen sie inmitten aller Veränderungen haben kann. Dies alles hat seine Wurzeln im ökumenischen Denken und Wollen Edmund Schlinks. Er war ja nicht von einer rein akademisch inspirierten Faszination für das neue Phänomen, ökumenische Bewegung genannt, angezogen. Seine ökumenischen Reflexionen und Intentionen waren ganz und gar existentiell und kontextuell bestimmt. Sie waren angetrieben und geprägt von seiner theologisch reflektierten Erfahrung des deutschen Kirchenkampfes in der Nazizeit, von der Tragödie des Zweiten Weltkrieges, vom Ost-West-Konflikt in der Nachkriegszeit und mit diesem verbunden von der Diskriminierung und Verfolgung von Christen in Osteuropa und in anderen Teilen der Welt und, schließlich, von der Unabhängigkeit der „Jungen Kirchen“ in Afrika und Asien samt den Hoffnungen und Problemen ihrer Völker. Schlinks theologisches und ökumenisches Denken war bestimmt von diesem historischen Kontext und getrieben von der Frage nach dem Weg, den Gott seine Kirche in diesem Augenblick der Weltgeschichte führen will. Dies bildete den breiten historischen Hintergrund und Rahmen, von dem her Schlink visionär und kreativ die Samenkörner des Ökumenischen Instituts und Studentenwohnheims in Gottes Erde und Welt legte und deren Wachsen und Gedeihen er bis an sein Lebensende engagiert verfolgte. Wir sind seine dankbaren Erben.

 

Günther Gaßmann

 
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