1. Heidelberger Ökumenisches Forum Ein systematisches Dreieck. Hegel, Kierkegaard, Barth und die Frage der Ethik(deutsche Zusammenfassung) 1. Noch einmal Systematische Theologie. Ein altes Thema in einem neuen KontextSystematische Theologie wird häufig argwöhnisch betrachtet als Systematisierung von etwas, das nicht systematisiert werden kann.Diese Kritik nimmt zwei Formen an. Die negative, mit ihrem Ursprung in bestimmten Formen der negativen Theologie, behauptet, dass über Gott nur gesagt werden kann, was er nicht ist.Die zweite Form des Widerspruchs findet ihre Basis in der Behauptung, dass die positiv gegebene, biblische Offenbarung sich widerständig gegen ihre Systematisierung verhält.Das Problem lässt sich genauer explizieren durch einen Blick auf den ersten, sich selbst als systematisch verstehenden Theologen der Tradition, Origenes von Alexandrien. Origenes versuchte ein einheitliches Gebäude der Theologie basierend auf ersten Prinzipien zu entwickeln. Diese Vorgehen wurde mit dem Argument gerechtfertigt, dass die Einheit Gottes die Einheit der menschlichen gedanklichen Konstruktion begründet. Die Hauptgefahr dieses Vorgehens liegt nicht im Umgehen der Offenbarung, sondern auf der zu vertrauensvollen Behauptung, das ein System ihre Basis bilden müsse.Dies ist die Gefahr des sogenannten Scholastizismus in seiner mittelalterlichen und protestantischen Form. Die Gefahr beider Formen liegt darin in ihrem zu großen Vertrauen auf die intellektuelle Ausformulierung des Glaubensgegenstand, die so dasjenige auf welches die "credenda" verweisen, verstellen kann.Insofern die Schwächen des mittelalterlichen und protestantischen Scholastizismus in einem zu großen Vertrauen auf den Besitz der Wahrheit durch Lehre besteht, repräsentiert sie doch eine kennzeichnenden Differenz zu modernen Formen der Systematisierung, die zum Gegenteil tendiert, zum Projektionismus. Kant ist Agnostizist bezüglich der objektiven Welt, die durch das Vertrauen auf das menschliche Bewusstsein kompensiert wird. Für Hegel ist dieses ontologische Misstrauen ein Ausweichen vor der zweifachen intellektuellen Herausforderung der Tradition. Für Hegel ist das Christentum eine von Gott geoffenbarte Religion, der selbst vernünftiger Geist ist. Dieses Verständnis entwickelt er in seiner "Vorlesung über die Philosophie der Religion".Hegel ist sich bewusst, dass die Äußerung der theologischen Lehre notwendigerweise historisch vermittelt sein muss. Zweitens ist die theologische Interpretation der Schrift ein Gegenstand der Pneumatologie, indem der menschliche Geist auf das göttliche Handeln antwortet. Drittens ist das Wesen des Geistes seine völlige Aktivität.Durch seine Sicht des Geistes erzeugt Hegel aber eine promotheische Himmelstürmerei, die seitdem immer wieder in der modernen Theologie reproduziert wurde. Dem intrinsischen Vermögen des menschlichen Geistes wird bei Hegel zuviel zugemutet.Kierkegaard protestierte gegen Hegel und der junge Barth schloss sich diesem Protest an.Wenn Hegel vorgeworfen werden kann, das er zu schnell die Eschatologie realisiert, so kann Kierkegaard, mit seiner Angst den unendlichen, qualitativen Unterschied zu überschreiten, vorgeworfen werden, dass er jegliche Realisierung verhindert. Es fragt sich: Wieviel Wissen gewährt uns der Heilige Geist in dieser Welt, und inwieweit ist dieses organisierbar? 2. Zwei Darstellungen der Theologischen EthikEthik fokussiert Probleme deutlich anders als eine dogmatische Diskussion. Ethik thematisiert die Relation zwischen göttlichem und menschlichem Handeln.Die dogmatische Tradition des Mittelalters und die Altprotestantische Orthodoxie hat die Dinge, die über Christus geglaubt und gelehrt werden, in eine saubere systematische Organisation gebracht. Ethik ist mit der Relation von Gott zu menschlichen Handlungen beschäftigt, dies ist ein weniger gut systematisch handhabbarer Kontext als die Christologie. In der Ethik gab und gibt es auch elaborierte Konzepte, aber Ethik hat eine Offenheit und Unbestimmtheit, die sie von dem ein für allemal der Christologie unterscheidet.Gegenstand der Ethik ist die Antwort des Menschen auf das Evangelium in der Vielfalt aller sozialen Formen, in denen sich das Christentum herausgebildet hat. Erschwert der Übergang von der Christologie zum Handeln des Geistes generelle Theorien? Jedes Handeln des Geistes, welches die Welt in die Lage versetzt ihre Vollendung zu antizipieren, ist partikular. Folglich ist die Anwendung genereller Konzepte problematisch.Der Heilige Geist ist aber auch der Geist der Wahrheit, dies bedeutet, dass ethische Wahrheit äußerungsfähig ist und verstehbare Wahrheit ist. Kiekegaards Werk Furcht und Zittern ist keine Abhandlung über Moraltheologie, sondern die Erforschung von Grenzen. Glaube ist ein Modus des menschlichen Seins vor Gott, und involviert ein Vertrauen in ei n Haben als hätte man nicht. Darin liegt eine Zuversicht in die verborgen handelnde, göttliche Providenz.In Genesis 22 wird Gott vorgestellt als jemand, der seine Glaubenden bis an ihre Grenzen prüft. Jesus ist die definitive Instantiation dieser Prüfung.Kierkegaard protestiert mit der Unterscheidung zwischen Schöpfer und Geschöpf gegen die ethische Selbstgewissheit Hegels. Aus dem Schöpfersein Gottes folgt, das sich menschliche Wesen nur als Kreaturen verwirklichen Können. Zweitens kann der ethisch Handelnde nicht abgesehen von der Erlösung gerechtfertigt werden.Kierkegaard bietet aber keine ausgearbeitete Theorie der Mensch - Gott Beziehung und keine Theorie der Ethik.Sollten Theologen aber nicht mehr erwarten können?Leitet der Heilige Geist nicht in alle Wahrheit, also auch in die ethische? Hegels Vorschlag ist eine möglicher Erklärungsversuch als Antwort auf diese Frage. Aber er macht die Welt zur Kirche.Er hat aber erkannt, dass sich Freiheit nur in Beziehung realisieren lässt. 3. Und so zu BarthDie große Schwäche der hegelschen Pneumatologie ist sein prometheischer pneumatologischer Immanentismus, die überrealisierte Eschatologie. Gottes Lebendigkeit als Geist ist der lebende Mensch. Barths Thema ist von Anfang an Gott und Menschheit als Handelnde in Beziehung.  Dies erfordert eine "moralische Ontologie", die über Furcht und Zittern hinausgeht. Barths Theologie ist wesentlich eine Theologie der Gnade, spezifisch eine der Bundesgnade, die in der innertrinitarischen, erwählenden Liebe zwischen Vater und Sohn begründet ist. Aber die Erwählung, die historische Gestalt gewinnt in Jesus Christus, ist Erwählung zu etwas, zu einer Form des Gehorsams. Gnade hat imperativischen Charakter als Befehl.Barths Modell der ethischen Beziehung ist christologisch. Die innertrinitarische Beziehung von Vater und Sohn ist eine Beziehung von Befehl und Gehorsam. Die Relation zwischen Gott Vater und Sohn wird zur Analogie zu unserer Beziehung zu Gott, eine Analogie der Gnade.Gnade ist ein problematisches Konzept in der westlichen Theologie, da es als kausales Handeln auf dem halben Wege zwischen Gott und der Kreatur verstanden wurde. Barths große Leistung war es, diese halb- kausale  Wahrnehmung der Gnade in eine personale zu verwandeln. Nämlich in der Person Jesu Christi. Gnade ist ein Ereignis von Gottes Handeln zu und im menschlichen Handelnden. Aber Barth hat die Differenz zwischen dem christologischen und pneumatologischen Gnadenhandeln missachtet. Was ermöglicht die größere Beachtung der dritten Person der Trinität an Aussagenmöglichkeiten über die Gott – Mensch Beziehung. Der Heilige Geist bringt die Verschiedenheit und die Partikularität hervor, er realisiert die Beziehung von Vater und Sohn in ihrer Verschiedenheit in Ewigkeit und in der Zeit.Aber seine spezifische Aufgabe ist es, auch eine Gemeinde zu schaffen in Beziehung auf den Vater und den erhöhten Sohn.  Er erwählt zu einer Gemeinschaft der Verschiedenheit als koinonia.Für Hegel ist die Freiheit des Geistes die Überwindung von Verschiedenheit, in der christlichen Theologie besteht die Freiheit im Hervorbringen von Verschiedenheit. 4. Zum SchlussKierkegaard ist eine Inspiration für ein offeneres System der Dogmatik.Dies lässt sich systematisch so fassen:Durch das erlösende und befähigende Handeln der beiden Hände Gottes erreichen wir ein offeneres Konzept der Dogmatik, das jedoch zugleich fest strukturiert ist durch trinitarische Erwägungen.