Die theologischen Fächer

Altes Testament
Neues Testament
Kirchengeschichte
Systematische Theologie
Religionswissenschaft
Praktische Theologie

Altes Testament

Gegenstand der alttestamentlichen Wissenschaft sind die zum Alten Testament, dem ersten und älteren Teil des christlichen Kanons, gehörenden Schriften und ihre kulturelle Welt und Umwelt. Bei den Schriften des Alten Testaments handelt es sich um Traditionsgut unterschiedlicher Herkunft, das über lange Zeiträume hin mündlich und (vor allem) schriftlich überliefert wurde. Die Aufgabe der alttestamentlichen Forschung ist es, die Schriften im Kontext der altorientalischen Literatur- und Religionsgeschichte zu verstehen. Innerhalb der Theologie nimmt die alttestamentliche Wissenschaft zugleich eine kritische Aufgabe wahr, insofern sie die historische Eigenart der alttestamentlichen Schriften gegenüber der christlichen wie der außerchristlichen Tradition und gegenüber einer unreflektierten Vereinnahmung zur Geltung bringt. Darüber hinaus erschließt sie der Wissenschaft und Kultur der Gegenwart ein Literaturwerk, das wie kein anderes Buch die Religion und Kultur der westlichen Welt beeinflusst hat.

Die alttestamentliche Wissenschaft kommt ihrer Aufgabe in einer Reihe von Teildisziplinen nach, die sich im Zuge einer zunehmenden Spezialisierung herausgebildet haben und die in Heidelberg in Forschung und Lehre vertreten sind:

  • Semitische Philologie
  • Biblische Archäologie, die aus der materiellen Hinterlassenschaft im Verbund mit den altorientalischen Quellen die (Sozial-)Geschichte Israels und Judas rekonstruiert
  • Literaturgeschichte, welche die schriftlichen Dokumente Israels – auch im Kontext der altorientalischen Literatur – untersucht
  • Theologie (mit Religionsgeschichte) und Ethik des Alten Testaments
  • Hermeneutik, welche die Bedeutung des alttestamentlich-jüdischen Erbes für Kirche und Gesellschaft bis in die Gegenwart hinein erforscht

Das Studium des Alten Testaments in Heidelberg wird durch die Nähe zu den Nachbardisziplinen in der Philosophischen Fakultät (Assyriologie, Ägyptologie, Semitistik etc.) und zur Hochschule für jüdische Studien bereichert.

Lehrende im Fach Altes Testament

 

Neues Testament

Die Auslegung des Neuen Testaments ist traditionell im Protestantismus das Zentrum der Theologie. Das NT enthält die entscheidenden Zeugnisse, die einen Zugang zu Jesus ermöglichen - sowohl zum historischen Jesus als auch zur urchristlichen Verkündigung von ihm. Das Neue Testament wird in Heidelberg bewusst mit einer Fülle verschiedener methodischer und hermeneutischer Ansätze ausgelegt:

  • eingebettet in die Religions- und Zeitgeschichte der Antike einschließlich ihrer Real- und Sozialgeschichte;
  • als Zeugnis von Gruppen, die aus dem Judentum stammen und ohne Kenntnis des antiken Judentums nicht verstanden werden können;
  • als Quellen für die Geschichte des Urchristentums und des Anfangs der Kirchengeschichte, wobei neben die kanonischen auch die außerkanonischen Schriften des Urchristentums treten;
  • vor allem aber als Grundlage christlicher Theologie, christlichen Glaubens und Lebens. Der Theologie des Neuen Testaments und ihrer hermeneutischen Vermittlung für die Gegenwart kommt daher eine besondere Bedeutung zu.

Der Kanon der Methoden wird als offen verstanden. Er muss immer wieder durch neue Methoden ergänzt werden, z.B. durch narrative criticism, rhetorical criticism, Intertextualitätsforschung, psychologische Exegese usw., ohne dass solche neuen Methoden gegen die bewährten Methoden ausgespielt werden.

Lehrende im Fach Neues Testament

 

Kirchengeschichte

Als eigene Disziplin bildete sich die Kirchengeschichte nach der Auflösung des biblischen Raum- und Zeithorizonts im 17. Jahrhundert heraus. Die traditionelle Unterscheidung von Kirchen-, Dogmen- und Theologiegeschichte ist in der Lehre weithin - so auch in Heidelberg - zugunsten einer Integration unterschiedlichster Fragestellungen und deren Verknüpfung untereinander aufgegeben worden.

Gegenstand des Studiums der Kirchengeschichte sind die Grundzüge und Hauptprobleme der Kirchen- und Theologiegeschichte, bes. der Alten Kirche, der Reformationszeit und der Neuzeit unter Einbezug aktueller Entwicklungen. Ziel des Studiums ist es zu lernen, kirchengeschichtliche Quellen in ihrem historischen Kontext zu interpretieren, ein Verständnis christlicher Lehr- und Institutionenbildung zu entwickeln und aktuelle Debatten über kirchengeschichtliche Themen kritisch bewerten zu können.

Angesichts des großen Umfangs und der ganz unterschiedlichen Quellen- und Forschungslage wird die Kirchengeschichte üblicherweise in mindestens zwei Professuren vertreten, von denen die eine ihren Schwerpunkt in der Alten und mittelalterlichen Kirche hat und derzeit mit Prof. Dr. Löhr besetzt ist. Die zweite Professur umfasst die Reformationszeit und Neuzeit. Besondere Aufmerksamkeit kommt traditionell der Reformation zu, aber auch die kirchliche wird berücksichtigt. Inhaber dieser Professur ist derzeit  Prof. Dr. Strohm.

Von den im Vorlesungsverzeichnis und im kommentierten Vorlesungsverzeichnis aufgeführten Lehrveranstaltungen widmen sich die drei- oder vierstündigen Hauptvorlesungen im allgemeinen einer oder mehreren Epochen der Kirchengeschichte im Überblick. Die diese Vorlesungen begleitenden Tutorien unter studentischer Leitung sollen die Möglichkeit zu Nachfrage und Austausch über das Gehörte bieten, aber auch an dieser oder jener Stelle vertiefend wirken. Daneben stehen thematisch engere, meist zweistündige Spezialvorlesungen.

Lehrende im Fach Kirchengeschichte

 

Systematische Theologie

Das Studium der systematischen Theologie umfaßt die Disziplinen Dogmatik, Ethik, Ökumenische Theologie und Philosophie.

In der Dogmatik werden Kenntnisse zu biblischen, historischen und gegenwartsbezogenen Themen vermittelt und Möglichkeiten zur Integration dieser Themen zu theologischen Lehren aufgezeigt; ferner wird die Fähigkeit zur argumentativen Darlegung der Inhalte des christlichen Glaubens eingeübt.

In der Ethik sollen die Studierenden Kenntnis und Einsicht in Probleme christlich motivierten Handelns in Geschichte und Gegenwart gewinnen und zu eigenem ethischen Urteilen befähigt werden.

In der Ökumenischen Theologie werden Kenntnisse über die Beziehungen der christlichen Kirchen untereinander, deren theologische Grundlegung in ihren unterschiedlichen Traditionen und ihre Bedeutung für das gesellschaftliche und politische Zusammenleben vermittelt.

Ziel der Religionsphilosophie ist es, den selbständigen Umgang mit Fragestellungen und zentralen Texten der Philosophie zu lehren.

Lehrende im Fach Systematische Theologie

 

Religionswissenschaft und Interkulturelle Theologie/Missionswissenschaft

In der Religionswissenschaft werden theoretische Ansätze und Kenntnisse zum Islam, Hinduismus und Buddhismus sowie zu neuen religiöse Bewegungen und zur Esoterik vermittelt.

In der Interkulturellen Theologie stehen die Theologie- und Christentumsgeschichte Asiens, Afrikas und Lateinamerikas sowie Grundfragen der interkulturellen Theologie (Interreligiöser Dialog,Theologie der Religionen, Mission, kontextuelle Theologien etc.) im Mittelpunkt.

Weitere Informationen zum Fach

Lehrende im Fach Religions- und Missionswissenschaft

 

Praktische Theologie

Das Studium der Praktischen Theologie umfaßt die Disziplinen Homiletik und Liturgik (Predigt- und Gottesdiensttheorie), Religionspädagogik, Poimenik (Seelsorgetheorie), Kirchentheorie und Pastorallehre und Diakonik.

Die Homiletik beschäftigt sich mit dem Ursprung und der Geschichte biblischer und kirchlicher Predigt und Predigtlehre, möglichst in ihrem Zusammenhang mit der Liturgik und deren Werdegang; sie zeigt Möglichkeiten zu einer argumentativ verantworteten Integration von relevanten homiletischen Entwürfen in ein eigenes homiletisches Konzept auf und hilft, die Fähigkeit zum rechenschaftsfähigen Erarbeiten, Halten und Reflektieren eigener Predigt zu entwickeln. Die Liturgik vermittelt neben den historischen Entwicklungslinien christlicher Gottesdienste die Grundlagen von Gottesdiensttheorie und -gestaltung.

Die Religionspädagogik geht von der religiösen Gegenwartslage von Schülerinnen und Schülern aus und entwickelt ein angemessenes Profil des Religionsunterrichts, das Erwartungen an christliche Religion ernst nimmt, Anfragen und Enttäuschungen im kritischen Diskurs aufnimmt, und die religiöse Bildungsaufgabe neu und zeitgemäß mit einem eigenen theologischen Profil und unter Bezug auf empirisch-qualitative Überlegungen konzipiert. Sie erarbeitet Strukturen der Unterrichtsvorbereitung, reflektiert die Geschichte religöser Bildungsbemühungen und Formen kirchlich religiöser Bildung (Kindergottesdienst, Konfirmandenarbeit, Erwachsenenbildung) außerhalb des schulischen Kontexts. Dabei bleibt die Differenz von Unterricht und Verkündigung christlicher Religion immer im Blick.

Die Poimenik stellt die Frage nach der Seelsorge im Blick auf die Grundlagen der Theoriebildung (insbesondere im 20. Jahrhundert) und die Grundlagen ihrer Praxis in der Gegenwart. Unter Einbeziehen theologischer und humanwissenschaftlicher Perspektiven (Pastoralpsychologie) gilt das Interesse einem Verständnis des seelsorglichen Beziehungsgeschehens in der Vielfalt seiner personalen, kommunikativen und glaubensbezogenen Möglichkeiten. In der Vermittlung und Reflexion von poimenischer Theorie, eigener Person und konkreter Praxis kann dann eine eigene theologisch verantwortete und den Kommunikationsbedingungen angemessene eigene Seelsogekonzeption entwickelt werden.

Diakonik ist in Heidelberg als Teil der Praktischen Theologie ein besonderer Schwerpunkt, in dem die vielfältigen Bezüge und Dimensionen der diakonischen Verantwortung der Kirchen in Forschung und Lehre interdisziplinär behandelt werden. Das Studienfach Diakoniewissenschaft kann entweder als Schwerpunktstudium von zwei bis vier Semestern Dauer im Theologiestudium (oder einem anderen nichttheologischen Studium) oder als Diplomaufbaustudiengang nach einem abgeschlossenen Hochschulstudium in vier Semestern, bzw. als Teilzeitstudium bis zu acht Semestern (Abschluss »Diplom-Diakoniewissenschaftler/in«) absolviert werden. Neuerdings bietet das Diakoniewissenschaftliche Institut auch zwei weiterbildende Masterstudiengänge an, einen für „Unternehmensführung im Wohlfahrtsbereich" und einen für „Diakoniewissenschaft" (Anmeldung jeweils bis Juli).

In Kirchentheorie und Pastorallehre sollen im Sinne einer praktischen Ekklesiologie neuere Konzeptionen der Kirchenentwicklung und -organisation sowie verschiedene Sichtweisen vom Pfarramt, von Charismen, Ämtern und Diensten in Kirchen und Gemeinden sowie Konzeptionen von Gemeindearbeit kritisch mit praktischen Konkretionen in Geschichte und Gegenwart konfrontiert werden, um daraus Kriterien für adäquate Praxis-Analysen und für die Entwicklung eigener theologisch fundierter Handlungstheorien zu entwickeln. Ein besonderer Schwerpunkt liegt bei einer Theorie kirchlichen Handelns, die Diakonie als zentrale Dimension von Kirche verständlich macht.

Lehrende im Fach Praktische Theologie

 

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Letzte Änderung: 05.03.2015
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