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Aktuelles
Exkursion Tel Azekah
Wir verweisen auf die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Solange diese besteht, kann und darf keine universitäre Veranstaltung in dem betreffenden Land – hier Israel – stattfinden. Wir empfehlen dringend, diese Warnung zu beachten. Nähere Informationen zur Lage vor Ort erhalten Sie auch bei der diplomatischen Vertretung der BRD in Tel Aviv. gez. Dekan
Heidelberger Colloquium - Aram and Israel during the Early Iron Age
Vom 1. bis 4. September 2014 findet im IWH das Heidelberger Colloquium zum Thema: Aram and Israel statt.
Die Archäologie des Biblischen Jerusalem - Öffentlicher Vortrag von Israel Finkelstein
Prof. Israel Finkelstein hält am 4.9.14 um 18.00 Uhr in der Aula der Alten Universität einen öffentlichen Vortrag zu den neuesten archäologischen Ergebnissen von den Ausgrabungen in Jerusalem.
Zum Tod von Prof. Dieter Zeller
Die Theologische Fakultät gibt mit Bedauern den Tod von Prof. Dieter Zeller (24.06.1939-16.02.2014) bekannt.
Traueranzeige und Nachruf Prof. Rendtorff
Die Theologische Fakultät der Universität Heidelberg gibt mit großem Bedauern bekannt, dass Prof. em. Rolf Rendtorff in der Nacht zum 01.04.2014 verstorben ist.

24.05.2009: Predigt Prof Dr. Dr. Welker über Joh 15,26 - 16,4

DER PARAKLET UND DER RELIGIÖSE FANATISMUS: Predigt über Johannes 15,26 – 16,4 im Universitätsgottesdienst am Sonntag vor Pfingsten (Exaudi), 24. Mai 2009, in der Peterskirche Heidelberg 

Prediger: Prof. Dr. Dr. Michael Welker

 

Predigttext

26:  Wenn der Paraklet (der Beistand, der Tröster, der Helfer) kommt, den ich euch von meinem Vater schicken werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, so wird er für mich Zeugnis ablegen.

27: Aber auch ihr legt Zeugnis ab, weil ihr von Anfang an bei mir seid.

16,1: Dies habe ich euch gesagt, damit ihr nicht Anstoß nehmt. 

2: Sie werden euch aus der Synagoge ausschließen. Ja, es kommt sogar die Stunde, wo jeder, der euch tötet, meint, Gott einen Dienst zu erbringen.

3: Und dies werden sie tun, weil sie den Vater nicht erkannt haben und auch mich nicht.

4: Aber dies habe ich zu euch gesagt, damit ihr, wenn ihre Stunde kommt, euch an sie erinnert, weil ich es euch gesagt habe.

   

Der Geist der Wahrheit, liebe Gemeinde, welches Thema passte besser in einen Universitätsgottesdienst? Zwar sind heute viele unserer Studierenden auf dem landesweiten Kirchentag in Bremen. Aber dafür haben wir heute Preisträgerinnen und Preisträger des dritten John Templeton Award for Theological Promise zu Gast. Auch Gutachter aus aller Welt feiern heute mit uns den Gottesdienst. Der Geist der Wahrheit nach einer internationalen akademischen Preisverleihung wäre wohl ein würdiger Inhalt des gemeinsamen Nachdenkens. Aber leider lenkt unser Text unsere Aufmerksamkeit vom Geist der Wahrheit zu einem überhaupt nicht in unsere Feststimmung passenden Thema: es kommt die Stunde, wo jeder, der euch tötet, meint, Gott einen Dienst zu erbringen. Es geht um fanatische religiöse Killer, lieber Gemeinde. Damit drohen sich vor die Festfreude und die Freude am tiefen Nachdenken schlechte Gefühle zu schieben, Abscheu und Hass.

Fanatische religiöse Killer, wer hasst sie nicht?! Aber wer sich diesem Hass so richtig hingibt und auch andere dazu kräftig aufstachelt, der ist selbst auf dem besten Weg, ein Killer oder Killershelfer zu werden. Wenn sich die Rufe „Wegsperren!“, „Unschädlich machen!“ lange und laut genug wechselseitig öffentlich aufschaukeln, wird daraus leicht der Schrei „Ausmerzen!“, „Aufhängen!“ Und nur zu oft wurde dieser laute Schrei in der Geschichte politisch und religiös verstärkt und in blutige Gewalt umgesetzt.  

Wie kommen Menschen dazu, zu meinen, mit Mord und Totschlag Gott zu dienen? Wie kommen Menschen Jesus und seinen Jüngern gegenüber auf solche Gedanken? Um dies zu verstehen, müssen wir sehen, dass Jesus in Galiläa, Judäa und in Jerusalem unter dem Druck der römischen Weltmacht wirkt. Stellen Sie sich Ihr Land, Ihr Leben, Ihre Zukunft einmal unter der Besatzung durch eine Weltmacht vor. Und zwar durch eine Weltmacht, die Sie schrecklich finden, die Sie sich vom Halse wünschen, ja, die Sie vielleicht – zumindest im Stillen – verfluchen und von Herzen hassen. Und nun suchen Sie in Ihrer Vorstellung nach Kräften und Institutionen in Ihrer Umgebung, die dieser Weltmacht noch am ehesten widerstehen können. Nicht kleine radikale Minderheiten, nein, gediegene Normen und Institutionen, mit langer Tradition und großer Bindekraft. Zu Jesu Zeit waren dies in erster Linie die Tora, das Gesetz, und der Tempel mit dem Kult und den Opfern. Tradition und Institution, Religion, Recht und Moral als Bollwerke der Identität und des Widerstands gegen die überlegene Weltmacht. Diese Bollwerke sind gefährdet. Die Weltmacht stützt sich auf andere Traditionen, Institutionen, ein anderes Recht, eine andere Religion und Moral. Die Deiche werden brüchig. Und nun kommt dieser Galiläer mit seinen Gefolgsleuten und untergräbt diese Deiche. Vaterlandsverräter, Religionsverräter, Traditionsverräter, Moralverräter – nein es gibt viele gute Gründe zu meinen, wer sie endgültig zum Schweigen bringt, der handelt im Auftrag Gottes.  

Wer aber entscheidet, wenn Macht gegen Macht, Tradition gegen Tradition, Religion gegen Religion, Moral gegen Moral steht? Hier kommt der Geist der Wahrheit ins Spiel, der Paraklet, Helfer, Beistand, Tröster genannt wird. Er geht vom schöpferischen Gott selbst aus und gibt Zeugnis. Was heißt das? Der Geist der Wahrheit kann ganz ohnmächtig erscheinen, weil er sich in Zeugnissen äußert. Er äußert sich in konkreten, authentischen, perspektivischen und meist fragmentarischen Erfahrungen und Überzeugungen. So werden die Jünger, die von Anfang an bei Jesus sind, von ihm seine Zeugen genannt. Sie sind von ihm überzeugt, halten zu ihm, auch wenn sich ihnen das ganze Ausmaß seiner Sendung erst nach und nach erschließt. Jesus stärkt sie mit seinem Wort, auch gegen die politisch und physisch überlegenen Mächte, die sie verfolgen und vielleicht sogar töten werden. Sie haben Anteil an der Kraft des Geistes der Wahrheit, der Jesus nach seinem Tod vertritt. Ein machtvoller Geist, der in den einzelnen Zeugnissen unscheinbar und ohnmächtig erscheinen kann, der aber nicht weniger ist als die vom schöpferischen Gott ausgehende Kraft der Erleuchtung dieser Welt. Er gibt den einzelnen Zeuginnen und Zeugen Trost, Festigkeit. Er lässt sie in der Gemeinschaft mit Jesus bleiben, auch über seinen Tod und ihren eigenen Tod hinaus. Er schenkt ihnen nicht nur Erkenntnis und Erleuchtung, sondern gibt ihnen Anteil an Gottes Kraft und Gottes Leben, am ewigen Leben. 

Aus dieser Kraft heraus können sie sich mit der Kraft des Zeugnisses, der Wahrheitssuche und der Wahrheitserkenntnis auch mit den Menschen auseinandersetzen, die sie hassen und verfolgen, die sogar nach physischer Gewaltanwendung, nach Mord und Totschlag trachten. Gewaltloses Zeugnis, Wahrheit suchende Aufklärung, Überzeugungsarbeit im Gespräch, geistliche Bildung – das sind die Waffen, die letztlich auch den religiösen Fanatismus und Terror besiegen werden. Wer den schöpferischen Gott und seine Offenbarung kennt, der kann geistige und geistliche Auseinandersetzungen nicht in Mord und Totschlag münden lassen. Wer aber Gott und seinen Geist der Wahrheit kennt, sieht selbst in einem Scheitern des gewaltlosen Kampfes gegen fanatische religiöse Killer nicht den Triumph des Bösen und des Todes. Erhobenen Hauptes können die Zeuginnen und Zeugen der Wahrheit mit dem sterbenden Jesus am Kreuz für ihre Verfolger bitten: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Luk 23, 34)

Amen.  

 

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Letzte Änderung: 01.11.2012
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