29.07.2012: Hochschulpfarrer Dr. Hans-Georg Ulrichs über Schreiterfenster

 

Auftrag und Freiheit der Kirche

Das Doppel-Fenster „Wort“ und „Sakrament“ (2012)

29. Juli 2012, Peterskirche Heidelberg

 

Prediger: Hochschulpfarrer Dr. Hans-Georg Ulrichs

 

 

Liebe Gemeinde,

als Sie vorhin die Peterskirche betreten haben, konnten Sie erfahren, wofür eine Kirche gut ist: In diesem Gebäude versammelt sich die christliche Gemeinde. Ihr wird das Wort gesagt, liegt doch die Bibel zentral auf dem Altar, wird sie vom Ambo aus gelesen und auf der Kanzel ausgelegt. Die Gemeinde feiert im Abendmahl ihre Gemeinschaft mit Christus und untereinander. Sie freut sich, wenn Menschen durch die Taufe sichtbar an Jesus teilhaben und Mitglied der Kirche werden – auch wenn das Taufbecken in der Nordostecke ein wenig versteckt platziert ist. Wenn auch nicht immer auf den ersten Blick sichtbar: Das im Chorraum aufgestellte Kreuz gibt für alles gottesdienstliche Handeln den Hintergrund ab.

Dafür steht die Kirche: in Gottes Gegenwart das Leben zu führen, es mit seinem Wort zu bedenken und Gemeinschaft mit ihm zu feiern. In einem Gotteshaus werden Gottesdienste gefeiert – und manches andere auch getan, aber der Ausgangspunkt aller Aktivität bleibt die Feier des Gottesdienstes.

Was nun ist die Kirche? Luther war wohl etwas zu optimistisch in der einzigen Bekenntnisschrift, die er selbst schrieb, wenn er in den Schmalkaldischen Artikeln (1538) behauptete: „Es weiß gottlob ein Kind von sieben Jahren, was die Kirche ist, nämlich die heiligen Gläubigen“. Gewiss konnten unterwiesene Kinder das Glaubensbekenntnis aufsagen und damit auch wesentliche Attribute der Kirche benennen (heilig, allgemein und apostolisch, christlich), aber sie hätten wohl genauso wenig tatsächlich Auskunft geben können wie heutige Kinder – und auch die älteren „Kinder Gottes“ tun sich nicht leicht mit einer Antwort auf die Frage nach der Kirche. Johannes Schreiter thematisiert nun am Ende seines Fenster-Zyklus für unsere Kirche, was „Kirche“ gut protestantisch bedeutet, wofür die Kirche da ist.

 

1. Die Kirche, der Ort des Wortes und des Sakraments

Klassisch formuliert ist dies im Augsburger Bekenntnis (1530): „Die Kirche ist die Versammlung der Heiligen, in der das Evangelium rein gelehrt wird und die Sakramente richtig verwaltet werden.“ Das zu berücksichtigen genügt, um von der wahren Einheit der Kirche reden zu können. So ist es zu verstehen, dass Johannes Schreiter eben kein „Kirche“-Fenster schuf, wohl aber das Doppelfenster „Wort“ und „Sakrament“ – beides unterschieden, aber doch nicht getrennt, sondern gemeinsam und mit einigen gemeinsamen Besonderheiten.

Mindestens viererlei ist gemeinsam:

Zum einen liegt bei beiden Fenstern eine Farbe zu Grunde, die Schreiter mit guten Gründen sehr sparsam benutzt – gute Gründe nicht der Optik allein, sondern auch der Theologie: Schreiter scheut das Weiß, das ihm die Farbe der Präsenz Gottes ist. Vieles können wir wissen, über vieles können wir sprechen, vieles kann in der Kunst dargestellt werden, aber Gott selbst entzieht sich unserer Handhabe. Er ist nicht unser Eigentum, sondern wir sind seins. Er allein ist die „Farbe“, in der alle Farben enthalten sind. Alles, was dargestellt werden kann, hat seinen Grund in und ist abgeleitet von ihm. Mutig ist es, dass Schreiter sich nun am Ende seines Zyklus die Farbe weiß als Untergrund zu nehmen traut, freilich auf Grund des Mutes, der sich aus dem Glauben speist: Wo „Wort“ und „Sakrament“ sich ereignen, da ist Gott der Grund, da ist Gott nicht fern, da ist Gott selbst so am Werk, dass man an ihm Teil hat.

Zum anderen fällt auf, dass beide Fenster nicht nur durch die Streben des Fensters, sondern auch in der Formgebung das Kreuz aufnehmen. Das „Wort“ – das ist das Wort vom Kreuz, das in der Kirche und von den Christen und Christinnen laut wird, selbst wenn es als „Torheit“ empfunden wird. Aber es ist Gottes Torheit, die die Weisheit dieser Welt konturiert (vgl. 1. Korinther 1,18). Auch beide Sakramente sind auf das Kreuz bezogen und erhalten von dort ihre Bedeutung. Wie die Taufe vom Kreuz Christi bestimmt ist und uns vom Tode Jesu her mit hinein ins Leben nimmt (Römer 6), wie auch das Tauffenster über dem Taufstein zeigt, so das Abendmahl, das Gemeinschaft mit dem gibt, der sich selbst hingibt (1. Korinther 10,16). „Sollen denn beide, Wort und Sakrament, unseren Glauben auf das … Kreuz hinweisen?“, fragt der Heidelberger Katechismus in Frage 67 – und bejaht.

Zum dritten ist es zunächst irritierend, dass die Fenster nicht „eindeutiger“ sind. Einer klaren Trennung von Gott und Welt verweigert sich Johannes Schreiter. Selbst wenn im Kirchenkern von Wort und Sakrament Gottes lebendig machende Liebe und auf Christus hinweisendes Rot zu sehen ist, auch andernorts, auch dort, wo wir es nicht erwarteten, kann Rot wahrgenommen werden. Gott und sein Wirken sind nicht zu begrenzen auf die Kirchenmauern, er wirkt dort zum Heil, wo er will. Das relativiert nicht die Bedeutung der Kirche und unserer gottesdienstlichen Bemühungen, erinnert uns aber daran, dass Gott größer ist, größer als unsere Erkenntnis seiner selbst allemal („Gott ist größer als unser Herz und erkennt alle Dinge.“ 1. Johannes 3,20), dass er auf die ganze Welt und die ganze Schöpfung bezogen ist in seinem Schöpfungswerk, in dem, was er für das Heilwerden der Welt tut und was als Zukunftshoffnung gelten soll. Nicht wir bestimmen, wo Gott wirkt – und auch die Kirche ist nicht der alleinige und abgegrenzte Raum des göttlichen Wirkens. Das muss gerade dann gesagt werden, wenn die Kirche thematisiert wird.

Und schließlich verbinden die für Schreiter charakteristischen Bleiruten die verschiedenen Teile der Fenster. Auch hierdurch wird ein banaler Dualismus abgewehrt. Es gibt menschliche Existenz in allen Bereichen, im Hellen wie im Dunklen, Schwungvolles im Dunklen, aber auch Gebrochenes im Hellen. Sogar das Leben im Zeichen des Kreuzes und in der alles begründenden Präsenz Gottes, sogar das Leben, das an den roten Lebensmarken teil hat, ist noch nicht vollendet. Christliche Existenz ist mit allen Gaben und Aufgaben ein Leben „in der noch nicht erlösten Welt“ (Barmer Theologische Erklärung [1934], V). Das himmlische Jerusalem, das Schreiter so kräftig dargestellt hat, ist motivierende Hoffnung, aber noch nicht erfahrbare Gegenwart.

 

2. Das Wort wirkt – in der Kirche und über ihre Begrenzungen hinaus

Schauen wir nun einzeln auf die beiden Fenster. Nur Bruchteile einer Interpretation sind jetzt möglich. Das ist gut so, schließlich wollen wir noch Jahrzehnte lang staunend davor stehen und hochschauen. Beim Wort-Fenster ist Johannes Schreiter ganz besonders auf seine künstlerische Intuition angewiesen, hat doch die theologische Tradition zwar die Bedeutung und die Wirkung der Sakramente detailliert zu beschreiben gewusst, aber Probleme gehabt, wie das Wort genau zu fassen sei.

Nichts ist eintönig oder monokausal. Einem Bereich des grauen Vergänglichen steht ein Bereich gegenüber, der – wie die anderen Fenster – farblich Bezug auf das Innere der Peterskirche nimmt. Aber diese Bereiche sind nicht etwa durch das Kreuz getrennt, es entsteht kein von Gott abgeschiedener Raum, ein gutes Oben und ein schlechtes Unten. Vielmehr sind beide Bereiche von Gottes Gegenwart der Farbe Weiß umgeben und durchs Kreuz miteinander in Form gebracht. In beiden Bereichen herrscht keine Tristesse, sondern beides lebt, beides kennt Unterscheide, beides enthält Bewegung. Wo das Wort verkündigt wird, ist längst noch nicht alles gut, und wo es derzeit nicht von Menschen verkündigt wird, ist Gottes Wirken dennoch nicht ausgeschlossen. Wie haben sich Kirchen in der Geschichte schon beschämen lassen müssen, dass ihr Fernstehende offenbar im Stande waren, Gottes Wort zu sagen, während man selbst mit allerlei zu Gange war, Gottes Wort aber nicht auszudrücken verstand. Wie viele mögen auch heute und auch bei uns abgestoßen werden von unseren Formen und Inhalten der Gottesdienste und gleichzeitig Wahres, Lebensorientierendes, möglicherweise auch Göttliches an anderen Orten finden, etwa in der Kunst oder gar in der Popkultur?!

Auch im Wirkbereich des Wortes ist nicht alles gleich, so wie die beiden ockerfarbenen Flächen in der unteren Hälfte unterschiedlich sind und in sich auch dynamisch bleiben. Selbst der Gotteseinfall in Rot kann, ja hat de facto unterschiedliche Formen und Auswirkungen – und damit haben diese Formen und Auswirkungen auch je ihre eigene Würde. Die Konfessionsvielfalt ist, solange nicht erbittert gestritten, sondern miteinander und einander bereichernd gelebt wird, kein Mangel, sondern ein Zeichen der bunten Gnade Gottes. Es ist ein Geschenk gerade für uns, dass bei anderen, bei Katholiken, Orthodoxen, Freikirchen, Pfingstlern das Verständnis des Glaubens anders formatiert ist, anders zum Leuchten kommt und andere Auswirkungen hat. Auch im Bereich des Wortes gibt es nicht nur eine Seite, sondern mindestens zwei, wie bei einem Stück Papier oder wie in einem Buch, das hier im Fenster von Schreiter angedeutet sein mag. Zwei Seiten mit unterschiedlicher Gottesröte, unterschiedlich aber auch darin, wie man tangiert oder bedroht wird vom real existierenden Grau. Manchmal gelingt es, das Grau zu überdecken, manchmal jedoch scheint auch das Grau sich über den Wirkungsbereich des Wortes auszubreiten – ja sogar bis hin zum Roten selbst (auf der rechten Seite).

Glauben sollte Demut lehren nicht zuletzt im Blick auf diejenigen, die nicht im Bereich des verkündigten Wortes leben. Abgesehen vom selben Grund der weißen Gottespräsenz und demselben Formatierungszeichen des Kreuzes gehen Ruten des Lebens hin und her und berühren auch den anderen Bereich. Auch das Grau der oberen Hälfte ist nicht wie die Nacht, in der alle Katzen grau erscheinen. Auch im Grau ist zu differenzieren, auch im Grau steckt Leben, auch das Grau ist nicht klar umrissen, sondern hat überraschende Ecken und Ausbuchtungen, ist offen und gebrochen, um anderes in sich aufzunehmen. Die von der Kirche angeblich zu unterscheidende „Welt“ ist nicht ein für alle Mal verloren und von Gott getrennt, niemand ist endgültig begrenzt in seinem Gottesverhältnis. Vielmehr – und das sind die provozierenden Pointen in Schreiters Darstellung des „Wortes“ – wird Gott durch seinen Sohn und durch seine Liebe auch bei den „anderen“ wirksam und sorgt für Verlebendigung. Gott selbst will das so, auch wenn wir ihn gerne allein für uns und unseren Bereich hätten. Wenn das Gelb als Gottes aktuelle Wirksamkeit zu deuten ist, dann wirkt Gott nicht zuletzt, ja gerade dort, wo sein Wort noch nicht ganz strahlt, dort, wo noch viel zu tun ist – außerhalb der kirchlichen Mauern. Sie sehen dieses Gelb inmitten der beiden grauen Flächen, dieses Gelb ins Rötliche changierend auch zwischen den oberen grauen und den unteren ockerfarbenen Flächen . Wie viele Gedanken macht sich die Kirche nicht um die richtige, um die angemessene Verkündigung durch das Wort innerhalb der eigenen Milieus? Müssten wir nicht aber vielmehr dem aktuellen Wirken Gottes folgen und deshalb daran arbeiten, wie das Wort, wie das Evangelium gerade bei den anderen gut zu lehren und passend zu adressieren wäre? Und auch dort, wo menschliche Vergänglichkeit besonders stark zu spüren ist? Um diese Frage wird eine Kirche der Zukunft nicht herumkommen. Gewiss sind Schreiters Fenster ein Genuss, die Nähe des Gelb zum Grau im „Wort“-Fenster ist freilich auch eine Mahnung für alle, die sich innerhalb der Kirche bewegen.

 

3. Die Sakramente geben Teilhabe – an Gott selbst

Wie die Predigt in der Gegenwart Gottes geschieht und als tragenden Grund das Kreuz (be-)kennt, so sind die Sakramente von Gottes Präsenz getragen und verweisen auf Christus und auf das, was er für uns tat. Nach evangelischer Auffassung gibt es zwei ‚Zeichen’, die biblisch belegt von Christus eingesetzt worden sind: Taufe und Abendmahl. Beide vermitteln das Geheimnis des Glaubens. Und das Geheimnis ist, dass wir an dem, was im Wort und in der Predigt mit-geteilt worden ist, teil-haben. Man könnte die Predigt auch die kognitive Seite der Botschaft, die Sakramente dann die performative Seite der Botschaft nennen.

Wort und Sakrament sind miteinander verbunden, dabei steht das Wort-Fenster nicht absichtslos an erster Stelle. Klassisch bringt dies Luther auf den Nenner, wenn er im Kleinen Katechismus beide Sakramente mit dem Wort verbindet. Das Sakrament entscheidet sich als Sakrament nicht an den sichtbaren Elementen, sondern am Wort und dem daraus resultierenden Glauben. Deshalb ist es so trefflich, dass Schreiter im Sakramentsfenster nicht doch irgendwie versucht war, abstrakt oder gar gegenständlich Wasser für die Taufe und Brot und Wein für das Abendmahl darzustellen. Es geht hier vielmehr mit dem Wort um die Wirksamkeit Gottes. Und diese ist – wie bei den  Fenstern „Heiliger Geist“ und „Himmlisches Jerusalem“ – symbolisiert durch Pfeile. Zwei Pfeile kommen von oben und kommen vom „Wort“-Fenster her und wirken Christusrot ins menschliche Leben hinein: Menschliches Leben, das zwar weiß grundiert, mit dem Kreuz signiert sich im Wirkbereich des Göttlichen befindet, allerdings auch dem vergänglichen Grau noch eingeschrieben ist.

Zwei Sakramente kennt die protestantische Tradition, zwei Seiten hat das Fenster:

Die linke Seite mag für das Sakrament der Taufe stehen: Hier beginnt die Wirksamkeit Gottes, holt den Menschen ab. Jede Taufe ist ein Anfang, ob nun als Kindertaufe oder als Erwachsenentaufe. Gott hat – auch im Glauben – das erste Wort (sic!). Diagonal von links oben kommt eine Bewegung, schneidet Flächen und schafft neue Farben und tangiert sogar den Pfeil von Gottes Wirken. Taufe auf dem als gerade gedachten Lebensweg, aber es gibt auch die krummen Linien, die Gott finden und von denen Gott sich finden lässt. Ein Anfang ist gemacht, der zum Glauben gekommene Mensch ist von Jesu Wirksamkeit erfasst – oder besser noch: Weil der Mensch von dieser Wirksamkeit erfasst wurde, kann er glauben.

Die rechte Seite mag für das Sakrament des Abendmahls stehen. Auf der von links nach rechts weitergedachten Lebenslinie bleiben die Christen in der Wirksamkeit Christi, aber Christi Wirken changiert ins göttlich-gelbe Wirken, das sein Ziel dann bereits im Weiß der göttlichen Präsenz hat. Was für eine Abendmahlsverheißung! In dem, wofür Christus steht, wirkt Gott selbst, und indem Gott selbst wirkt, lässt er sich in seiner Gegenwart erfahren – auch im realen Grau gegenwärtiger menschlicher Vergänglichkeit.

Und wie auf der Taufseite lässt Schreiter auch beim Abendmahl eine Irritation aufblitzen: Eine Bleirute touchiert von links unten Richtung rechts oben den Pfeil, und zwar bis zur Spitze von Gottes eingefärbter Gegenwart. Am Anfang steht ein lilafarbener Akzent. Ist das nicht ein Hinweis auf die Buße, die in neutestamentlicher Zeit und lange auch in der kirchlichen Tradition zum Abendmahl hinzugehört hat? Und könnte ein Mensch, der wahrhaftig Buße tut, nicht auch – für uns mainstream-Christen vielleicht überraschend oder gar erschütternd – zur Gottespräsenz, die im Abendmahl aufscheint, gelangen? Jedenfalls kann es nicht wundern, dass der rote Balken sich nun auf der rechten Seite fortsetzt, nein, vielmehr neu anhebt,  geradezu unterbrochen vom göttlichen Weiß, breiter als der Balken links begann. Wenn Gott ins Leben eingreift, bereichert er es. Und die so von Gott reich Gemachten sind mehr, als die Einzelnen vorher alleine waren.

Alles, die ganze Bewegung dieses Fensters gibt allem Leben von links nach rechts, allem Leben zwischen Geburt und Tod, so umfasst es auch sein mag vom göttlichen Weiß, noch eine andere Bewegung: Die Bewegung von oben nach unten nimmt alles mit auf den Weg in Gottes Präsenz, in das Weiß, das sich unten am Bildrand geradezu ergießt. Alles, alle Farben werden verwandelt ins Weiß, das alle Farben enthält. Wenn Gott wird sein alles in allem (1. Korinther 15,28), dann wird die Wirksamkeit Christi an ihr Ziel gekommen sein, dann sind sogar gelb und rot aufgehoben. Gottes Allgegenwart des Weiß, in dem alle Farben des Lebens enthalten sind, wird alles umfassen und wird nochmals Neues, Ungeahntes möglich machen. Eine zweite Linie, schon fast im weißen Bereich des unteren Fensterrandes, geht von links nach rechts. Nie zuvor hat Schreiter es in unseren Kirchenfenstern gewagt, die Farbe Magenta zu verwenden. Magenta, eine erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgefundene Farbe, gehört nicht zu den Spektralfarben, sondern setzt sich aus einer Mischung von Rot und Blau zusammen. Das plötzlich neu auftretende Magenta verbindet Christi Wirken für uns im Rot mit dem Leben schaffenden Blau des Taufwassers. Ganz aufregend Neues, selbst unmittelbar vor der Vollendung. Gott und der christliche Glaube mögen keine Langeweile.

 

4. Gottes Licht der Freiheit

„Der Auftrag der Kirche, in welchem ihre Freiheit gründet, besteht darin, an Christi Statt und also im Dienst seines eigenen Wortes und Werkes durch Predigt und Sakrament die Botschaft von der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk.“ (Barmer Theologische Erklärung VI) Johannes Schreiter zeigt sich nicht zuletzt auch mit diesen beiden Fenstern als ein Künstler der Freiheit, der visualisiert, wovon eine „Kirche der Freiheit“ wirklich lebt – nicht von klugen Kanzlei-Konzepten, sondern vom Vertrauen auf Gottes Souveränität.

Die beiden Fenster „Wort“ und „Sakrament“ werden auch diese Kanzel und damit das verkündigte Wort in neues Licht setzen, so wie das Tauffenster auf der gegenüberliegenden Seite bereits im Jahr zuvor den Taufstein verlebendigt hat. Wort und Sakrament sind genug für die Einheit der Kirche. Und: sie hüllen die Gemeinde und unser Leben in ein neues Licht, in Gottes Licht. Amen.

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Letzte Änderung: 08.08.2012
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