Predigten im Sommersemester 2013

Predigtplan Sommersemester 2013

21.07.2013: Dekan Prof. Dr. Johannes Eurich über Gal 6,11-18

Liebe Gemeinde, vielleicht haben Sie auch schon einmal von einem Seminar gehört, auf dem man folgende Übung machen soll: „Was würdest Du auf deinen eigenen Grabstein als Auskunft über dein Leben schreiben? Formuliere einen Satz, der angibt, wofür du gelebt hast.“ Eine solche Übung kann einen ganz schön ins Schwitzen bringen. Nicht nur, weil darin die Frage nach dem Sinn des Lebens mitschwingt, die bekanntlich gar nicht so einfach zu beantworten ist. Es ist auch deshalb fast unmöglich, weil eine unverwechselbare Individualität, sich durch viele unterschiedliche Facetten auszeichnet. Diese auf nur einen Satz reduzieren zu wollen, erscheint mehr als schwierig. Zudem stehen wir alle in ganz unterschiedlichen Rollen , ob in der Familie, im Beruf, im Freundeskreis, beim ehrenamtlichen Engagement usw. Nicht umsonst spricht man von der Herausforderung der Patchwork-Identität, der wir uns heute gegenübersehen. Trotzdem ist die Übung mit dem Grabstein reizvoll, denn sie fragt danach, ob es so etwas wie ein übergreifendes Motto unseres Lebens gibt.
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Predigtplan Sommersemester-Ferien 2013


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14.07.2013: Prof. Dr. Klaus Tanner über Gal 6

Liebe Gemeinde Wir saßen zusammen in einer Runde von Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Fächern. Jeder brachte aus seiner Disziplin seinen Zugang mit, seine eigenen Perspektiven auf die Thematik, die wir gemeinsam bearbeiten wollten. Die Ideen, Argumente und Fragen gingen eine Zeit lang hin und her. Es stellte sich das ein, was schnell passiert wenn Menschen engagiert über etwas diskutieren: Die bald erkennbaren Interessen der einen provozierten den Widerspruch der anderen. Der eine Teilnehmer an der Runde fühlte sich missverstanden, die andere Teilnehmerin sah ihre viele Vorarbeit nicht richtig gewürdigt, wieder ein anderer kam bald auf seine Lieblingsthemen und Lieblingsgegner, die wenig mit der Sache zu tun hatten um die es ging.
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07.07.2013: Prof. Dr. Jörg Neijenhuis über Gal 5, 16-26

Liebe Gemeinde! Aus dem Galaterbrief, über den in diesem Semester gepredigt wird, ist heute ein Abschnitt aus dem fünften Kapitel vorgesehen, der von dem Leben im Geist Gottes handelt. Paulus schreibt: 16 Führt euer Leben im Geist, und ihr werdet der menschlichen Selbstsucht nicht nachgeben! 17 Denn die menschliche Selbstsucht richtet sich gegen den Geist, das Begehren des Geistes aber gegen die menschliche Selbstsucht. Die beiden liegen ja miteinander im Streit, so dass ihr nicht tut, was ihr tun wollt. 18 Wenn ihr euch aber vom Geist leiten lasst, untersteht ihr nicht dem Gesetz. 19 Es ist ja offensichtlich, was die Werke der menschlichen Selbstsucht sind: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, 20 Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Streit, Eifersucht, Zorn, Eigennutz, Zwietracht, Parteiung, 21 Missgunst, Trunkenheit, Übermut und dergleichen mehr – ich sage es euch voraus, wie ich es schon einmal gesagt habe: Die solches tun, werden das Reich Gottes nicht erben. Wir hören den Predigttext zunächst einmal bis hierhin, die zweite Hälfte wird noch folgen. Die menschliche Selbstsucht und der Geist Gottes stehen sich gegenüber, was ja nicht wundert, wenn man sich die Auswüchse der menschlichen Selbstsucht, wie Paulus sie aufzählt, vor Augen führt. Man mag eigentlich nicht noch einmal hören, was Selbstsucht alles an Elend und Verbrechen zuwege bringen kann.
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30.06.2013: Prof. Dr. Helmut Schwier über Ps 130 und Kantate "Aus der Tiefen..."

Liebe Gemeinde, als ich diese Kantate zum ersten Mal hörte – auf einer alten Schallplatte, ich war Theologiestudent hier in Heidelberg – machte sie keinen nachhaltigen Eindruck auf mich. Ganz anders als heute! Ich weiß nicht genau, woran das lag. Vermutlich hatte ich damals vor allem Interesse an biblischen Texten, wissenschaftlicher Auslegung und historischen Kontexten, auch beim Zugang zu Musik.
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23.06.2013: Prälat Prof. Dr. Traugott Schächtele über Gal 5,1-15

Liebe Gemeinde! „Werden wir frei sein oder in Ketten leben? Unter Regierungen, die unsere allgemeinen Rechte achten oder unter Regimen, die sie unterdrücken? In offenen Gesellschaften, die die Unverletzlichkeit des Individuums und unseren freien Willen achten, oder in geschlossenen Gesellschaften, die die Seele ersticken? ... Als freie Bürger haben wir unsere Überzeugungen vor langer Zeit deutlich gemacht. Wir glauben, dass „alle Menschen gleich geschaffen worden sind“ mit dem Recht auf Leben und Freiheit sowie dem Streben nach Glück.“
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16.06.2013: Prof. Dr. Martin Hailer über Gal 4,8-20

Liebe Gemeinde, Ich bin der Esel, auf dem der Herr Jesus durch die Lande reitet. Diesen Satz hörte ich als Jugendlicher aus dem Mund eines älteren Pfarrers. Der ältere Pfarrer lebte in einer Kleinstadt in Oberfranken, nahe der damals noch existenten innerdeutschen Grenze. Und er konnte deswegen am so genannten kleinen Grenzverkehr teilnehmen. Das war eine Reiseerleichterung für Menschen die nahe an der deutsch-deutschen Grenze lebten, und die dadurch einfacher an Visa kamen, etwa für Verandtenbesuche. Der Pfarrer nutzte das für Kontakte, für Seelsorge und auch dafür, West-Lebensmittel nach Ost zu bringen. Und der Satz, mit dem ich begann, war seine Antwort auf die Frage, warum er sich denn nun diese Mühe machen würde und sich den täglich neuen Schikanen an der inndeutschen Grenze aussetzte.
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09.06.2013: Prof. Dr. Christoph Strohm über Gal 4,1-7

Liebe Gemeinde, „Ich sage aber: Solange der Erbe unmündig ist, so ist zwischen ihm und einem Knecht kein Unterschied, ob er wohl ein Herr ist aller Güter.“ Der vielleicht berühmteste Widerhall dieses Satzes – und zwar in der Übersetzung Martin Luthers – entstand vor fast genau 69 Jahren, am 8. Juni 1944, in einer Zelle der Haftanstalt Tegel. Nach zehn Jahren Kirchenkampf war der Theologe Dietrich Bonhoeffer im April 1943 verhaftet worden und wartete nun auf seinen Prozess. Angesichts des Ungeheuerlichen, was er erlebt hatte und was noch im Gang war, gerät er nun ins ganz grundsätzliche Nachdenken über die Zukunft des Christentums. Und hier fallen die berühmt gewordenen Worte über das zukünftige Christsein als mündiges Christsein: „Die Attacke der christlichen Apologetik auf die Mündigkeit der Welt halte ich erstens für sinnlos, zweitens für unvornehm, drittens für unchristlich.
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02.06.2013: Prof. Dr. Michael Welker über Gal 3,15-29

Hattest Du schon einmal ein Offenbarungserlebnis? Wurde Ihnen eine Offenbarung zuteil? Eine solche Fragen, liebe Gemeinde, berührt viele von uns heute eher peinlich. Was genau will diese Frage von uns erfahren, was will sie wissen? Natürlich erinnern wir uns alle an überraschende, völlig überwältigende Erlebnisse. Ein sternenklarer Nachthimmel, ein tief beglückendes Frühlingserwachen, erhebende Landschaftserlebnisse, spektakuläre Reiseerfahrungen kommen vielleicht in uns auf. Aber auch eine große Liebe unseres Lebens, den Beginn einer wunderbaren Freundschaft, die Geburt eines Kindes und viele andere Erfahrungen von Überraschung, Durchbruch, Wende und Glück können wir durchaus mit dem großen Namen Offenbarung verbinden. Bisher Verborgenes wurde uns erschlossen.
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26.05.2013: Prof. Dr. Gerd Theißen über Gal 3,6-14

Liebe Gemeinde, Abraham glaubte der Verheißung – und das wurde ihm zur Gerechtigkeit angerechnet. Verheißen wurde die Geburt eines Kindes. Glauben an die Verheißung bedeutet: Abraham vertraute darauf, dass das Kind, dass seine ganze Familie, dass alle Menschen eine Zukunft haben. Wir haben drei Kinder getauft. Über ihnen liegt eine Verheißung. Mit jedem Kind beginnt das Leben noch einmal, auch für die Erwachsenen. Ein Kind aufziehen und erziehen bedeutet: Alles noch einmal von vorne zu durchdenken. Was ist im Leben wirklich wichtig? Was ist unwichtig? Worauf ist Verlass? Je mehr wir Klarheit darüber haben, umso mehr können wir den Kindern helfen, Wichtiges vom Unwichtigen zu unterscheiden.
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19.05.2013: Prof. Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh über Gal 3,1-5

Pfingsten, liebe Gemeinde, öffnen sich die Kirchentüren. Gottes Geist breitet sich aus. Wie ein kräftiger Wind bläst er herein und rüttelt und schüttelt uns in unserer trauten Runde. Auf geht’s, kommt, geht hinaus, ihr seid frei! Seid mutig und bewegt euch: Pfingsten ist ein Straßenfest! Der Geist der Freiheit führt uns ins Freie. Alle sollen es wissen: Die Kraft des Geistes Gottes erneuert die Welt! I Die Galater haben ihren Schwung verloren. Irgendetwas fasziniert und bezaubert sie so, dass sie sich anders orientieren, als Paulus das erhofft hat. Sie feiern Pfingsten lieber in der guten Stube als Geburtstagsfest ‚ihrer‘ Kirche, statt an diesem Tag gemeinsam mit Gottes Sohn und der Kraft des Heiligen Geistes in die Welt aufzubrechen. Die Gliederung des Galaterbriefes und der Rhythmus der Sonntage des Sommersemesters haben diesen Abschnitt aus dem 3. Kapitel des Galaterbriefs zum Predigttext für den heutigen Pfingstsonntag gemacht. Ein Bibeltext, selten gepredigt, gibt der Festpredigt einen ungewöhnlich kritischen Ton vor.
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12.05.2013: Hanna Reichel über Gal 2,11-21

Liebe Gemeinde, Christen habens in sich! So oder so ähnlich könnte es heißen, wenn man einen Plakatslogan zum heutigen Predigttext formulieren sollte. Christen habens in sich - und zwar so richtig. - Was haben Sie denn in sich? Was habe ich in mir? Ich schlage mein Herz auf wie ein Buch und lese darin mit der Frage: Was lebt in mir? Was hält mich am Leben und macht mich lebendig? Was motiviert mein Leben?
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09.05.2013: Prof. Dr. Peter Lampe über Gal 2,1-10

Liebe Gemeinde, Abschaffen wollen etliche ihn, den Himmelfahrtstag. Was als staubiger Mythos seines Sinnes entleert und einen Teil der Bevölkerung mit Bierflaschen im Wald seiner Sinne beraubt, müsse nicht weiter gepflegt werden. Lukas sei eh der einzige im Neuen Testament, der den Himmelfahrtstag kenne. Es genüge doch, Ostern zu feiern: die Auferstehung, mit der Gott Christum zu seiner Rechten erhöhte, zum Herrn des Alls einsetzte. Warum ein gesondertes Ereignis vierzig Tage danach? Was dachte sich Lukas dabei? Zweimal erzählt er die Auffahrt: am Ende des Evangeliums und zu Beginn der Apostelgeschichte—als Scharnier, das beide Bücher zusammenhält, das Leben Jesu und das der Kirche.
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05.05.2013: Prof. Dr. Fritz Lienhard über Gal 1,13-24

Liebe Brüder und Schwestern, Sie kennen vielleicht die Geschichte von dem alten Pfarrer, der in den Ruhestand gehen wollte. Er war mit seinem Ältestenkreis auf der Suche nach einem Nachfolger. Damals war es nicht der Oberkirchenrat, der sich darum kümmerte, sondern das mussten die Ältesten mit dem scheidenden Pfarrer selbst machen. Und der alte Pfarrer war müde und sauer: Die Ältesten haben einen Kandidaten nach dem anderen abgeschmettert. Schließlich sagte der alte Pfarrer: »Hier habe ich noch eine Kandidatur. Der Mensch ist krank, vermutlich an den Augen, er stottert und hätte wahrscheinlich die Examenseinheit „freie Ansprache“ nicht bestanden. Dafür schreibt er nicht schlecht und hätte bei einer Übung »literarisches Schreiben« die Prüfung sicher gut bestanden. Er hat es nie geschafft, länger als drei Jahre in einer Gemeinde zu bleiben, ohne rausgeworfen zu werden. Zeitweise geschah es sogar mit Gewalt. Er ist nicht verheiratet, und die Gemeinde wird also nicht die Gunst einer Pfarrfrau genießen können. Und auch Kinder werden nicht dem heiligen Pfarramt geopfert.
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28.04.2013: Pfarrerin Dr. Heike Springhart über Gal 1,6-12

Liebe Gemeinde, Kendauchdich. Ein zusammengenuscheltes Wort, das den Himmel öffnet. Kendauchdich. „Kendauchdich“ – das war ihr Wort, das sie vergessen hatte. Jetzt sitzt sie am Bettrand ihrer Oma und singt das Abendlied. „Gott, der Herr hat sie“ – die Sternlein – „gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet. Kennt auch dich und hat dich lieb, kennt auch dich und hat dich lieb.“ In diesem Moment am Bettrand öffnet sich für Esther neu ein Fenster zum Himmel.
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21.04.2013: Hochschulpfarrer Dr. Hans-Georg Ulrichs über Gal 1,1-5

Gnade sei (mit) Euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus – diese Worte, liebe Gemeinde, sind keine konventionelle Einstimmung in die Predigt, gleichsam eine kleine liturgische Eröffnung der Verkündigung, sondern sie stellen das Zentrum des Predigttextes dar, den Anfang des Galaterbriefes. Was am Anfang zu sagen ist, das ist von einigem Belang, und was tatsächlich am Anfang gesagt und wahrgenommen wird, kann entscheidend für alles weitere sein. Am liebsten hätte ich die Uhr schnell eine Minute zurückgedreht, als mir kürzlich eine schreckliche Panne passiert ist: Statt mit dem geschriebenen Anfang anzufangen, begann ich einen Vortrag mit einer witzig gemeinten Bemerkung, die sich dann allerdings als totaler Rohrkrepierer erwies – bevor ich zur Sache kam, war schon einiges verunglückt und ich hatte größte Mühe, die Hörer zu erreichen. Es ist gar nicht schlecht, sich in der Öffentlichkeit an Konventionen zu halten.
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Letzte Änderung: 29.10.2013
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