Predigten in den Sommersemesterferien 2013

Predigtplan Sommersemesterferien 2013

13.10.2013: Carolin Stalter über Joh 5,1-16

Wie wäre es, ein ganzes Leben an einem bestimmten Platz zu sitzen? Zum Beispiel im gut eingerichteten Wohnzimmer, im lange bequem eingesessenen Lieblingssessel. Wie wäre es, die Welt immer aus einer einzigen Perspektive wahrzunehmen? Zum Beispiel vom Fenster aus, von dem man jeden Tag auf die Straße blicken kann, aber nicht selbst am Leben dort unten teilnimmt? Wie wäre es, bequem auf so einem Platz eingerichtet zu sein? Was nicht von anderen verändert wird, das wird nicht verändert. Der Blick reicht nur so weit, wie sich der Kopf drehen lässt.
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06.10.2013: Pfarrer Dr. Fabian Kliesch über Mt 6,19-23

Gnade und Friede sei mit euch von dem, der da ist, der da war und der da kommt. „Bunt sind schon die Wälder, gelb die Stoppelfelder und der Herbst beginnt“. Das Lied sang sie mit den Kindern auf dem Weg durch den Herbstwald. Eine ganze Horde von Kindern begleitete sie. Es war der Kindergeburtstag ihres Sohnes. Sie spielten Schatzsuche, und ihr Mann war mit der älteren Schwerster vorausgelaufen, um Pfeile aus Stöcken auf dem Waldboden auszulegen. An der Lichtung mit dem Spielplatz wollte er den Schatz verstecken. „Da ist der nächste Pfeil. Da lang!“ schrie eines der Kinder. Und die Horde rannte los. Während die Kinder vorausliefen wurden in ihr Erinnerungen wach, an ihren Sommerurlaub am Meer. Einen Abend hatte sie sich da mal Zeit für sich alleine genommen und war in den Gottesdienst im Ferienort gegangen. Der Pfarrer hatte eine alte, verschlossene Schatztruhe vor den Altar gestellt. Das hätte auch ihren Kindern gefallen. „Schätze im Himmel sammeln.“ Das war das Motto gewesen.
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22.09.2013: Prof. Dr. Johannes Ehmann über Joh 9,35-41

Liebe Gemeinde, es kann einem passieren, dass man zu spät kommt. Es kann passieren, aber es darf eigentlich nicht passieren, dass ich im Theater zu spät komme. Das ist peinlich, weil ein bisschen unanständig, denn die Leute müssen aufstehen, dass ich meinen Platz erreiche. Manchmal hat man aber auch Glück und kommt eben noch zum dritten Akt nach der zweiten Pause. Denn heute wird ein Dreiakter gespielt – irgendwas mit Jesus oder so. Aber nun sitze ich und betrachte meine Sitznachbarn zur Rechten und zur Linken, und diese schauen ihren neuen Sitznachbarn kurz und etwas pikiert an. Aber mit entwaffnender Naivität frage ich, ohne jemanden direkt anzuschauen: Was wird denn gespielt? Worum geht’s denn? Mein Herr, wir sind bereits im dritten Akt, tönt es ungnädig von meinem Nachbarn zur Linken. Aber etwas freundlicher flüstert die Dame zur Rechten: Jesus hat einen Blinden geheilt. Die Jünger haben gemeint, er sei blind wegen irgendetwas Bösem, was er gemacht hat, oder auch seine Eltern, aber Jesus sagt, dass es darum gar nicht geht.
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08.09.2013: Christoph Wiesinger über Lk 17,5-6

Nun, der Sommer scheint ja nochmal zurückgekehrt zu sein. Ich würde sagen, dass wir uns dieses Jahr wirklich nicht über den Sommer beschweren konnten: Ideales Wetter für den Urlaub. Ich weiß nicht, ob Sie im Urlaub waren und wie Sie dort hingekommen sind. Vielleicht ja mit dem Auto und vielleicht zusammen mit Freunden. Dabei gibt es manchmal ein merkwürdiges Phänomen. Stellen Sie sich vor, Sie fahren gemeinsam mit zwei Autos los. Kurz nach dem Start schafft es der Wagen vor ihnen, gerade noch über eine Ampel zu kommen, aber Sie müssen warten. Zwei Minuten lang. Jetzt könnten Sie erwarten, dass Ihr Auto eben zwei Minuten später am Zielort angelangt, aber stattdessen, während die Freunde schon fröhlich am Strand an der Nordsee liegen, stecken sie stundenlang im Stau fest und kommen völlig genervt Stunden später an.
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25.08.2013: Prof. Dr. Gerd Theißen über Mt 5,1-18

Die Bergpredigt ist ein Ruf zur Freiheit. Sie gibt Freiheit gegenüber der Tradition. Wenn Jesus sechs Mal sagt: „Ihr habt gehört, den Alten wurde am Sinai ein Gesetz gegeben“, und wenn er sechs Mal dagegen sein: „Ich aber sage euch“ setzt, dann ist die Botschaft: Ihr dürft euch nicht sklavisch an Traditionen binden. Ihr müsst sie interpretieren und korrigieren. Drei Mal interpretieren Jesu Antithesen das Gesetz, drei Mal korrigieren sie es. Aber diese Freiheit gegenüber dem Gesetz ist noch nicht alles. Auch ein human interpretiertes Gesetz ist nur dann ein Gesetz, wenn es gegen Widerstand durchgesetzt werden kann. Das geschieht durch Sozialkontrolle, durch Sanktionen – und sei es, wie bei moralischen Normen, durch informelle Sanktionen, durch Verachtung.
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18.08.2013: Prof. Dr. Michael Plathow über Mk 8,22-26

Liebe Gemeinde, mit offenen Augen und hörenden Ohren beteiligt war ich, als Mädchen und Buben mit fehlender Sehfähigkeit die Bibelabschnitte und Gebete aus der Braillebibel vortrugen und die Leiterin der “Blinden-Freizeit”, selbst durch Amaurose im räumlichen Orientierungsvermögen eingeschränkt zugleich ein selbstbestimmtes Leben führend, vor der Gemeinde bezeugte: Ich möchte als Blinde anerkannt und angenommen werden von Euch! 164000 Blinde gab es 2004 in Deutschland. In jedem Jahr werden etwa 110 Kinder blind geboren, die eine spezielle Förderung und Ausbildung erfahren. Tausenden Menschen mit fehlender Sehfähigkeit in 81 Ländern hat seit 1908 die “Christoffel Blinden Mission (CBM)” im nahe gelegenen Bensheim Hilfe und Heilung gebracht - als “Recht auf Augenlicht”. In diesem Sinn wird auch die elektroneurologische Forschung in der Ophthalmologie intensiviert; und das mit Recht. Mit einer entsprechenden und dann weit darüber hinausgehenden Intention erzählt Markus - übrigens in dieser Form einzig in den vier Evangelien - die Augenheilung von Bethsaida.
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11.08.2013: PD Dr. Doris Hiller über Lk 7,36-50

Plötzlich steht sie da. Ein ungebetener Gast. Deplatziert, wie ein Fehler im Bild. Eine Szene, liebe Gemeinde, wie sie sich vor 400 Jahren auf dem Heidelberger Schloss hätte abspielen können. Doch The Wedding[1] erzählt nichts davon. Der englische Adel schweigt sich aus und auch der sonst so beredte Kurpfälzer weiß nichts zu berichten von ungebetenen Gästen, seltsamen Gestalten, aufdringlichen Frauen. Ein rundum gelungenes Festgelage eben. So ganz anders als damals - die biblischen Erzählungen kommen unserem Leben irgendwie näher als barocke Hochglanzplakate und vom Dunkel der Welt ablenkendes Feuerwerk. Plötzlich also steht sie da. Ungebeten. Von hinten schleicht sie sich an. Unerwünscht.
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04.08.2013: Pfarrer Dr. Hans-Georg Ulrichs über Joh 4,19-26

Liebe Gemeinde! „Tief ist der Brunnen der Vergangenheit. Sollte man ihn nicht unergründlich nennen? Dies nämlich dann sogar und vielleicht eben dann, wenn nur und allein das Menschenwesen es ist, dessen Vergangenheit in Rede und Frage steht […]“ „Tief ist der Brunnen der Vergangenheit.“ Sie haben diese Worte vielleicht erkannt. Sie stehen nicht in der Bibel, kommen aber von ihr her. Thomas Mann lässt seinen großen Joseph-Roman mit diesen Worten beginnen. Tief ist der Brunnen der Vergangenheit. Mit der Vergangenheit lässt sich vieles erklären, und umgekehrt, wenn Verhältnisse erklärt werden müssen, dann greift man gerne auf die Vergangenheit zurück. Brunnen sind Orte des Lebens. Brunnen sind Symbolorte, auch wenn es ganz handfest zur Sache geht. Auch in der Bibel. Da wird um den Zugang zum Brunnen gestritten und gekämpft, da wird um Frauen gebuhlt, da werden Brunnen zu herausgehobenen Orten der Geschichte, mit der man sein Sein und Wesen begründet. Am Brunnen kommen Menschen zusammen. Man muss sich kennen lernen. Aus Fremde können Freunde werden.
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28.07.2013: Pfarrer Dr. Hans-Georg Ulrichs über "Unsere Namen und Gottes Name"

Liebe Gemeinde, „sag ´mal, hast Du den Namen verstanden“, so tuschelten vorhin die eine oder der andere zum Nachbarn, zur Nachbarin herüber, als unser Täufling vorgestellt wurde. Täufling Nr. 5/2013 ist eine Information, die man nicht haben will, aber den Namen will man schon gerne erfahren. Liel heißt dieses Mädchen, und auch wenn Sie den Namen noch nicht gehört haben, darf ich Ihnen versichern, dass dieser hebräische Name im modernen Israel durchaus geläufig ist. Viele Namen mit –el sind hebräischen Ursprungs: Daniel und Gabriel. Wie auch immer: diese Namen bezeichnen eine Beziehung zu Gott. Liel bedeutet: Mein Gott, Gott ist mein, Gott ist für mich, oder dann als Zusage: Gott ist mit Dir.
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Letzte Änderung: 29.02.2016
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