Gottesdienste im Wintersemester 2011/12

Predigtplan Wintersemester 2011/12

24.12.2011: Prof. Dr. Peter Lampe am Heiligen Abend

Liebe Weihnachtsgemeinde, Berlin-Tegel, Heiligabend 1944: „Es wird wohl 6 Uhr sein, und meine Gedanken, die Dich schon den ganzen Tag begleiten, suchen Dich seit einer halben Stunde beim Singen, Lesen und Bescheren. Mein Herz, von Dir kam(en), soeben geöffnet, Krippe, Strahlenkranz und Liederbüchlein. Die Krippe steht auf meinem Tisch, den Stern habe ich so gehängt, dass ich ihn stracks anschaue. (Die) große Kerze (leuchtet) mir zu diesem Brief, während die Weihnachtskerze am Zweig über der Tür brennt.“ „Die (Gefängnis-)Zelle ist für Weihnachten ein geeigneter Aufenthalt, denn dadurch wird einem klar, dass all der Zauber, der für uns Weihnachten umgibt, dass die Lieben und die Lieder, der Baum und die Geschenke alles Zutaten sind und es nur auf die eine Zeile des Lukas-Evangeliums ankommt: ‚Denn Euch ist heute der Heiland geboren.’“
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16.11.2011: Dr. Emmie Ho-Tsui zum Buß- und Bettag über Mt 5,33-37

Liebe Gemeinde, Gestatten Sie mir, Ihnen zunächst meine erste Reaktion zum heutigen Predigttext zu beschreiben. Ich habe mich gefragt: Was um alles in der Welt hat das Schwurverbot mit uns heute zu tun? Vielleicht denken Sie wie ich: Es wird zwar heute vor Gericht geschworen oder ein Amtseid beim Amtsantritt geleistet, aber das Schwören – das ist nun wirklich ein Randproblem. Außerdem, was hat das Schwurverbot mit dem heutigen Buß- und Bettag zu tun?
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08.01.2012: Prof. Dr. Matthias Konradt über 1 Kor 1,10-31

Liebe Gemeinde, die Einblicke, die uns der 1. Korintherbrief in die Verhältnisse der korinthischen Gemeinde gewährt, werfen ein nicht gerade günstiges Licht auf die Gemeinde. Von mancherlei Problemen, Konflikten und Missständen erfahren wir da. Einem besonders gravierenden Problem wendet sich Paulus gleich zu Beginn zu. In der Gemeinde haben sich verschiedene Gruppierungen herausgebildet, die sich jeweils einem Apostel besonders verbunden sahen, die anderen aber mit Geringschätzung bedachten. Paulus hatte die Gemeinde einige Jahre zuvor gegründet, blieb aber nicht ihr einziger Missionar.
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23.10.2011: Dr. Heike Springhart über Mk 10,17-27

Liebe Gemeinde, Venedig, Giardini, Biennale 2011: Drei Buchstaben machen aus dem Monument teutonischer Protzigkeit einen Ort, der alles in Frage stellt, ja, der die entscheidende Frage stellt. E-G-O über den Eingang des deutschen Pavillons gesprüht. Aus Germania wird EGOmania. Die Frage, die über allem schwebt ist: „Was bleibt?“ Hinter dem Eingang des EGO-Mania-Pavillons betritt der geneigte Kunstliebhaber oder neugierig-eilige Tourist einen Kirchenraum der anderen Art. Eine „Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“. Gestaltet schon vor ein paar Jahren von Christoph Schlingensief und ein höchst persönliches Zeugnis seiner Auseinandersetzung mit dem eigenen drohenden Tod nach der Diagnose: Lungenkrebs. Die eigentlichen Pläne Schlingensiefs für den deutschen Biennale-Pavillon konnten nicht mehr verwirklicht werden, der Tod hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Was bleibt?
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18.12.2011: Prof. Dr. Michael Welker über 2 Kor 1,18-22

Gott ist treu, Gott ist zuverlässig, er ist wahrhaftig und fest. Auf Gott können wir vertrauen, Gott schenkt uns Trost und innere Festigkeit. Wenn Gott aber nicht treu wäre, nicht zuverlässig, wahrhaftig und fest – wer wäre es dann im Himmel und auf Erden? Ein Gott, auf den wir nicht vertrauen können – das kann doch nur ein Götze oder ein Dämon sein! Das alles sagt sich leicht dahin, liebe Gemeinde. Aber entspricht dem unser Glaube an den treuen Gott, unser Vertrauen auf ihn?
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27.11.2011: Prof. Dr. Christoph Strohm über Offb 5,1-14

Liebe Gemeinde, im Petersdom in Rom steht Michelangelos schönste Pieta; wenn man hineingeht, rechts. Dargestellt ist eine junge Maria, trauernd, weinend, mit dem Körper ihres getöteten Jesus in den Armen, der wie ein geschlachtetes Lamm auf ihrem Schoß liegt. Wenn man vor der Statue steht, kann man sich der Kraft und Wirkung der Darstellung kaum entziehen. Man kann nichts anderes tun, als mit der jungen Mutter um ihren Sohn, der wie ein Geliebter in ihren Armen liegt, zu trauern. Die Präsenz der Pieta ist so kraftvoll, dass ein psychisch labiler Mann sie am 21. Mai 1972 mit einem Hammer angegriffen und zu zertrümmern versucht hat. Seither steht sie leider hinter einer dicken Glasscheibe und kann ihre Wirkung nur noch eingeschränkt entfalten.
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30.10.2011: Prof. Dr. Gerd Theißen über Mk 1,32-39

Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind, so lesen wir bei Goethe. Moderne Theologen halten es eher für sein illegitimes Kind. Es macht sie verlegen. Als Exorzist und Heiler gerät Jesus in eine dubiose Gesellschaft. In letzter Zeit kommt eine ökumenische Verlegenheit hinzu: Weltweit nehmen Formen des Christentums zu, in denen Wunderheilungen sehr wichtig sind: in der Pfingstbewegung, in charismatischen Gemeinden und in vielen jungen Kirchen. Dazu hat auch die katholische Kirche die Exorzismen neu belebt. Da sieht man als nüchtern denkender Protestant ziemlich alt aus.
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29.01.2012: Dekan Prof. Dr. Winrich Löhr über Offb 1,9-20

Liebe Universitätsgemeinde, das Christentum ist unter den Weltreligionen wohl diejenige, die im Laufe einer langen Geschichte am stärksten die Verbreitung apokalyptischer Vorstellungen, ja einer apokalyptischen Mentalität befördert hat. Die Bilder und die Sprache des biblischen Buchs der Offenbarung des Johannes sind in unser kollektives kulturelles Gedächtnis eingebrannt. Auch wer die Bibel nie besonders intensiv studiert hat, hat doch vielleicht schon einmal vom Tier aus dem Abgrund, vom tausendjährigen Reich, von den sieben Siegeln und den Schalen des Zorns, der Hure Babylon und dem neuen Jerusalem gehört. Das Buch am Ende unserer Bibel – eher spät und eher ungern in den Neutestamentlichen Kanon aufgenommen - hat eine ganz eigene Geschichte der Rezeption - in der Malerei, der Literatur und seit dem letzten Jahrhundert auch im Film. Diese Rezeption ist frei und gleichsam wild wuchernd und schert sich wenig um ästhetische oder gar theologische Autoritäten.
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20.11.2011: Prof. Dr. Helmut Schwier über Bachkantate Actus Tragicus

Liebe Gemeinde, eine stille Musik hören wir zum Ewigkeitssonntag: kein großes Orchester, sondern eine solistische Besetzung, instrumental wie vokal. Blockflöten und Gamben weisen in ihrem Klang auf Tod und Sterben, sind leise, zerbrechlich, mitunter kaum hörbar, wie ein Echo verklingend. Diese Kantate ist wahrscheinlich für einen Trauergottesdienst des Jahres 1707 oder 1708 komponiert worden; Bach war damals 22 oder 23 Jahre alt. Der Kantatentext besteht weitgehend aus Bibelworten und Chorälen. Bach hat sie einem damals bekannten Gebetbuch mit dem schönen Titel „Christliche Bet-Schule“ (Joh. Olearius, 1668) entnommen. Der Text des 1. Chorsatzes stammt höchstwahrscheinlich von ihm selbst. Der später zugefügte Titel „Actus Tragicus“ heißt übersetzt: Trauerfeier.
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13.11.2011: Prof. Dr. Friederike Nüssel - Ansprache zum Volkstrauertag

Auch in diesem Jahr versammeln wir uns wieder am Volkstrauertag zum Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt. Wir gedenken hier an dieser Stelle besonders der Mitglieder unserer Universität, die in den Weltkriegen ihr Leben lassen mussten, die verschleppt und deportiert wurden, die nach 1933 vertrieben und entrechtet wurden. 66 Jahre sind seit Kriegsende vergangen. Viele von uns haben die Schrecknisse und das Leid des Krieges und die Ungerechtigkeit dieser Zeit nicht mehr selbst erlebt. Aber die Schatten des Zweiten Weltkriegs und der vorangehenden Kriege reichen in die Gegenwart hinein.
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31.12.2011: Pfarrer Dr. Hans-Georg Ulrichs über Ex 13,17-22

Liebe Gemeinde, womit lässt sich dieses merkwürdige Gefühl am Altjahrsabend vergleichen? Wir blicken zurück und sehen so vieles und so weit, bekommen den Anfang des vergehenden Jahres aber gar nicht mehr in den Blick. So lang ist es schon her! Und was seit dem alles passiert ist! Aber wir versuchen auch schon einmal einen Blick nach vorn, können aber nicht viel erkennen, wissen zwar, dass es weitergeht, vermutlich so ähnlich wie in der zurückliegenden Zeit, aber wer kann es schon wissen?
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04.12.2011: Dekanin Dr. Marlene Schwöbel-Hug über Jes 63,15-19

Liebe Gemeinde, Auf meinem Weg hier in die Peterskirche lief ich über den Weihnachtsmarkt, die ganze Stadt ist weihnachtlich geschmückt, Lichterketten, Tannengrün, Kerzen, Watte-Dekoration, die Schnee symbolisieren soll, Weihnachts- oder Adventsmusik. Wohin man in diesen Tagen geht, es wird deutlich, wir befinden uns in der Adventszeit. In den Häusern werden die Kerzen an den Adventskränzen angezündet, es wird mehr gebacken, viel Musik gehört. Diese Wochen vor Heiligabend werden gestaltet. Sehnsucht nach heiler Welt drängt an die Oberfläche. Sehnsucht nach Geborgenheit in Familie und bei Gott, so wie es in der Kindheit war, macht sich breit wie ein Kribbeln in der Magengegend. Nähe wird gesucht.
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16.10.2011: Pfarrer Dr. Hans-Georg Ulrichs über 1 Kor. 3,11

Liebe Freunde, mir fällt es nicht leicht, aus dem Urlaub nach Hause und in den Alltag zurückzukehren. Auch in diesem Jahr war es hart. Aber dann überfiel mich geradezu eine Euphorie – nämlich beim Durchsehen der Wochenzeitungen und Zeitschriften, die während des Urlaubs eingetroffen waren. Da gab es ein Interview eines noch recht neuen evangelischen Bischofs, der unter anderem vehement vertrat, dass wir im Glauben vernünftig argumentieren müssen, er forderte geradezu eine Renaissance der ratio der Religion.
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11.12.2011: Prof. Dr. Friedrike Nüssel über Röm 15,4-13

Liebe Gemeinde, zu den vielfältigen Signaturen unserer Lebenswelt gehören Stärken-Schwächen-Analysen. Ursprünglich aus dem militärischen Bereich kommend, dienen sie der Abschätzung von Chancen und Risiken. Als solche sind sie ein elementarer Bestandteil der strategischen Planung geworden. Längst beschränkt sich der Einsatz nicht mehr auf Kampfsport und Firmenmanagement. Auch im Bildungsbereich sind Stärken-Schwächen-Analysen nicht mehr wegzudenken. Dabei haben sie eine nicht unbeträchtliche Eigendynamik entwickelt. Bei den sogenannten SWOT-Analysen geht es nicht mehr nur um den strategischen Erkenntnisgewinn. Seit sie zu einem Bestandteil in Bewerbungsprozessen um Fördermittel geworden sind, ist die Art und Weise, wie Stärken und Schwächen definiert und vor allem präsentiert werden, selbst zu einem Spiegel der Stärken und Schwächen geworden. Und damit sind Stärken-Schwächen-Analysen letztlich ein Instrument der Selbstpositionierung.
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13.11.2011: Prof. Dr. Jürgen Miethke zum Volkstrauertag 2011

Zum heutigen Volkstrauertag soll uns ein Prophetenspruch des dritten Jesaja aus dem 61. Kapitel des Jesajabuches erreichen. Wir haben ihn gerade in der alttestamentlichen Lesung gehört und wir werden auf ihn noch zu hören haben. Zunächst aber müssen wir uns fragen, was es mit dem „Volkstrauertag“ in der Gegenwart noch auf sich hat, angesichts der Schuldenkrise in der grossen Politik sowie der zahllosen Probleme in unserem eigenen Leben: Würden wir, die wir hier in der Kirche versammelt sind, etwas vermissen, wenn es den „Volkstrauertag“ in Deutschland nicht gäbe?
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16.12.2012: Prof. Dr. Manfred Oeming über Jes 40,1-11

Liebe Gemeinde, unser heutiger Predigttext versetzt uns in den Himmel. Er ist bewusst geheimnisvoll formuliert,[1] ein kunstvolles Gedicht in vier Strophen mit kraftvollen Bildern. Dieses lyrische Kunstwerk lässt uns hineinhorchen in Vorgänge, die menschlicher Wahrnehmung eigentlich entzogen sind. Er ist wie eine Stimme aus einer ganz anderen Wirklichkeit. Wir werden Zeugen einer Art von Berufungsvision. Der erste Jesaja wird in einer Vision aus dem Tempel von Jerusalem in den himmlischen Palast Gottes hinauf versetzt und dort wird er zum Zeugen der Herrlichkeit Gottes; er hört, wie Stimmen durch den Himmel schallen; sie rufen: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr“ (Jes 6,3). Dieser Jesaja wird nach Jerusalem gesandt, allerdings damit ihn niemand versteht und niemand auf ihn hört (der sogenannte „Verstockungsauftrag“).
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Letzte Änderung: 29.10.2013
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