Predigten in den Wintersemesterferien 2013

Predigtplan Wintersemesterferien 2013

14.04.2013: Pfarrerin Dr. Heike Springart über Joh 21,15-19

Liebe Gemeinde, „Hast Du noch nie eine Schafherde gesehen?“ - mit dieser ruppig gestellten Frage des Schäfers Pascal an die fast 30 Jahre jüngere Carole beginnt der im letzten Jahr preisgekrönte Dokumentarfilm „Winternomaden“. Die beiden Schäfer ziehen einen Winter lang mit 800 Schafen, vier Hunden und drei Eseln über die Dörfer der Südostschweiz. Nicht nur wegen Winterkälte und Schnee ist die winterliche Schafwanderung ein riskantes Unterfangen: die Routen sind stark reglementiert, für manche Bauern ist die Herde mit ihren beiden Schäfern überhaupt nicht willkommen. Zu groß ist die Angst davor, dass die Schafe den Boden zertrampeln oder Krankheiten übertragen. Pascal und Carole leben und arbeiten mit den Schafen in der Natur, sie zelten im Schnee und wärmen sich am Feuer.
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29.03.2013: Universitätspfarrer Dr. Hans-Georg Ulrichs über Mt 27,33-54

Liebe Gemeinde, [1.1] es wird jedes Jahr schlimmer, oder? Jahr um Jahr werden die Stimmen derer lauter und forscher, die den Karfreitag für gesamtgesellschaftlich irrelevant halten. Warum sollen die Leute Leid und Tod bedenken, man will leben – und tanzen. Kirchlicherseits scheint man gelegentlich bereits mit dem Latein am Ende zu sein, etwa wenn man sich einfach auf die nun einmal gegebene Rechtslage zurückzieht und dann nur noch zu sagen weiß: „Es besteht kein Grund, an der derzeitigen Gesetzgebung etwas zu ändern.“ Vermiest der Karfreitag die sonst mögliche Frühlingsstimmung? Macht der christliche Glaube Mensch und Welt erst schlecht, um dann von einer Erlösung reden zu können? Ist Karfreitag nicht irgendwie abständig – da müssen Fragen gestellt werden, denen man gerne aus dem Weg geht. [1.2] Wie konnte es so weit kommen? Warum tun Menschen sich gegenseitig so etwas an? Wie kann es sein, daß bei aller Zivilisation doch das Böse plötzlich so mächtig wird? Und wo warst Du? Und wo wäre ich gewesen?
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24.03.2013: Carolin Stalter über Joh 17,1-8

Liebe Gemeinde, Viele sind peinlich berührt, wenn sie Menschen begegnen, die laut mit sich ins Gespräch vertieft sind – was sie sagen interessiert meistens wenig. Es geht mich ja auch nichts an, betrifft mich nicht. Der simple Fakt, dass sie es tun, löst hingegen ein Gefühl aus, das mich peinlich berührt, mitleidig sein lässt oder im schlechtesten Fall abschätzig. Ich ertappe mich, wie ich gebannt auf diesen Wirren blicke, ohne wirklich zu hören, was er von sich gibt. Würde ich auch so reagieren, wenn ich plötzlich höre wie Gott mit sich spricht? Macht das einen Unterschied? – Dass es Gott ist, meine ich. Wahrscheinlich würde ich in der peinlich-berührten Beobachterposition bleiben. Doch trotzdem würde ich in diesem Fall auch genauer hinhören wollen, was er sagt, und mich nicht direkt abwenden. Wie klingt es, wenn Gott ein Selbstgespräch führt?
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17.03.2013: PD Dr. Jörg Neijenhuis über Gen 22,1-13 und Joh 11,47-53

Liebe Gemeinde! Die Sache mit dem Opfer ist eine unheimliche Sache. Mir ist nie ganz geheuer, wenn es um Opfer geht. Auch nicht bei den beiden Schriftlesungen, die wir gehört haben. Wenn ich höre, wie Abraham seinen Sohn Isaak opfern soll und offenbar auch willens ist, es zu tun, stockt mir der Atem: Kann man als Vater seinen Sohn, sein eigenes Kind opfern? Erleichtert hören wir, dass Gott das nicht will. Isaak wird nicht geopfert. Gott will kein Menschenopfer. Gott oder Sohn – das ist keine Alternative. Und dann Kaiphas, der Hohepriester. Die Rechnung, die er aufmacht, ist nicht nur unheimlich, sondern auch noch abscheulich: Lieber sterbe ein Mensch für das Volk, damit das Volk gerettet werde, als dass es zugrunde gehe. Das ist eine klare machtpolitische Position, die Menschen opfert.
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10.03.2013: Prof. Dr. Michael Plathow über Joh 6,47-51

1. Die Kraft des Wortes und die unterschiedliche Aufnahme von Reden ist an der Universität, dem Ort reflektierter Sprache, wohl bekannt. Auch Jesus, der bekanntlich mit Vollmacht predigte, erlebt das mit seiner Brotrede in der Synagoge in Kapernaum nach dem Evangelisten Johannes. Man tuschelt versteckt, man murrt öffentlich, man bleibt auf Distanz, man verschließt das Herz; die Saat kommt nur teilweise zur Frucht. Dabei spricht Jesus etwas Lebensnotwendiges an, das, was Leib und Seele zusammenhält: Brot, Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Als Frucht aus dem Weizenkorn, das, in die Erde gesät, keimt und wächst, ist das Brot, aus Körnern gemahlen und gebacken, Lebensgabe, von der wir leben: Brot zum Leben. Der Gabe entspricht das Danken, wie dem Leben als Geschenk die Dankbarkeit, dass ich bin, entspricht. Mit Matthias Claudius “täglich zu singen”: Ich danke Gott und freue mich...
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03.03.2013: Dr. Fabian Kliesch über Jer 20,7-13

„Riskier was, Mensch! Sieben Wochen ohne Vorsicht“. - Das ist das Motto der diesjährigen Aktion „7 Wochen ohne“. In der Passionszeit auf etwas verzichten - in diesem Jahr lautete der Vorschlag auf falsche Vorsicht zu verzichten. „Riskier was, Mensch! Sieben Wochen ohne Vorsicht“. „ ... das klingt wie der Auftrag zu Leichtsinn,“ lesen wir im Aufruf zur Aktion. Weiter heißt es: „Wir wissen uns damit aber in bester Gesellschaft. In der Bibel wimmelt es von unvorsichtigen Männern und Frauen. Menschen, die übers Wasser laufen, Hochschwangeren, die auf Reisen gehen, ohne auch nur ein Hotel zu buchen. Da sind Leute, die von jetzt auf gleich Job, Haus und Hof verlassen, (Anm. FK: so haben wir es in der Lesung gehört, nicht einmal Zeit bleibt, sich von der Familie zu verabschieden) es geht um mittellose Witwen, die mächtigen Richtern auf den Wecker gehen, und ein unstudierter Wanderprediger, der sich es mit Staat und Klerus gleichzeitig verscherzt.“
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17.02.2013 - Präsident Dr. Johannes Stockmeier über Lk 22,31-34

Liebe Gemeinde, welch ein Wortwechsel nach dem Abendmahl. Nichts von ergriffener Hochstimmung oder hoch feierlichen Gefühlen, Freude an Gemeinschaft – sondern schonungsloser Blick nach vorn. Fast unerträglich – diese Gegensätze, die in diesem Kapitel der Bibel aneinander rücken: Das Mahl – das Wort von Jesus: „Mich hat herzlich verlangt mit euch zu essen, ehe ich leide.“ Mit dem Brot in den Händen: Mein Leib für euch gegeben. Mit dem Kelch in den Händen: Mein Blut – für euch vergossen. Dann: Zerrissene Gemeinschaft. Petrus – dreimal wirst du sagen „Den kenne ich nicht.“ Liebe Schwestern und Brüder, in diesem Wortwechsel blitzt auf, worum es in der Passionszeit geht.
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10.02.2013: Prof. Dr. Gerd Theißen über Lk 18,31-43

Die Geschichte von der Heilung eines Blinden vor Jericho enthält eine einfache Botschaft. Könnten wir den Blinden zum Sprechen bringen, so würde sie in Kurzfassung lauten: Ich war blind. Jesus hat mir die Augen geöffnet. Ich sah die Welt zum ersten Mal, wie sie wirklich ist. In ihr demütigen, misshandeln und töten Menschen einander. Aber ich fand einen Weg durch diese Welt, indem ich dem Menschensohn bis in den Tod hinein nachfolgte. Mitten in dieser Welt konnte ich Gott loben. Das ist die Botschaft, die wir nur schwer begreifen können: Die Welt sehen, wie sie ist – und trotzdem Gott loben! Damit habe ich die Heilung des Blinden symbolisch gedeutet. Das ist legitim. Denn der Evangelist Lukas will mehr mit ihr sagen, als dass ein Blinder wieder sehen konnte.
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Letzte Änderung: 29.02.2016
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