Predigten Wintersemesterferien 2017

16.04.2017: Hochschulpfarrer Dr. Hans-Georg Ulrichs über Joh 20,11-18

Liebe Gemeinde, heute geht es um nichts weniger als um das lösende Wort. Lösende Worte gibt es in vielen Situationen und in vielerlei Gestalt – im Alltag, in Recht und Wissenschaft, bei besonderen Anlässen. Gewiss haben Sie alle schon die befreiende Kraft von lösenden Worten erfahren. Lösende Worte zeugen von Erlösung oder wirken gar als Erlösung weiter. Lösende Worte kommen vom Erlöser oder davon motiviert auch von den Erlösten. Hören wir heute auf eine Geschichte voller Emotionen, voller Bewegung, eine Geschichte zwischen Tod und Leben, mit Engeln und einem besonderen Engel, von einer zukunftserschließenden Umdrehung aus der Vergangenheit in die Gegenwart.
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14.04.2017: Prof. Dr. Martin-Christian Mautner über Jes 53,1-12

Liebe am Kreuz versammelte Gemeinde, wie haben wir soeben vernommen: „Fürwahr, er trug unsre Krankheit.“ Unsere Krankheit trug er? Wie kann das denn sein, dass einer meine Krankheit trägt? Der Gedanke hat ja etwas: Die lästige Grippe, die mich jetzt über zwei Wochen geplagt hat – der Kopfschmerz, der Husten, die Bindehautentzündung, die sich dazugesellte... All das übertragen auf einen andern. Eigentlich gar keine schlechte Idee! Soll er daran tragen, wenn es denn so sein soll ...! Ein merkwürdiger Gedanke! Scheint er zunächst völlig abwegig, so können wir ihm, glaube ich, bei weiterem Erwägen durchaus etwas abgewinnen. Allerdings nur, um ihn dann doch wieder beseite zu schieben.
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02.04.2017: Dr. Friederike Schücking-Jungblut über Hiob 19,21-27

Liebe Gemeinde, die Passionszeit biegt jetzt auf die Zielgerade ein. Es ist die Zeit, in der der Rhythmus des Kirchenjahres uns dazu einlädt, über das Leid und das Leiden nachzudenken. Allem voran das Leiden Christi. Aber auch das Leiden von Menschen und das Leid der Welt kommen in dieser Zeit verstärkt in den Blick. Jedenfalls könnte, ja sollte das so sein. Anlass dafür gibt es schließlich genug. – Wenn wir selbst gerade glücklicherweise verschont sind, dann vielleicht in unserem näheren oder weiteren Umfeld. Und sonst reicht spätestens ein Blick in die Krisen-, Kriegs- und Hungergebiete der Welt, um uns vor Augen zu führen, wie dramatisch, wie drängend das Leiden in der Welt ist. Und trotzdem: Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Mir fällt es jedenfalls nicht leicht, gerade zu dieser Zeit des Jahres, in diesen immer heller, länger und wärmer werdenden Frühlingstagen, in denen die Natur und die Welt um uns herum zu erwachen beginnt, in denen die Farben zurückkommen, das Jubilieren der Vögel, die Kinder auf die Spielplätze – mir fällt es nicht leicht, gerade in diesen Tagen Verstand, Herz und Geist auf das Leiden auszurichten.
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26.03.2017: Dr. Sabine Schmidtke über Joh 12,20-24

Irgendwie ist er spröde. Immer so weisheitlich. Schwer verständlich. Er wirkt fast herablassend. Ich gebe es zu: Anders als einer meiner Lieblingstheologen habe ich es nicht so mit dem johanneischen Jesus. „Ich bin von oben – ihr seid von unten.“ „Ich bin das Brot, das Licht, die Tür – und ihr versteht mich nicht.“ – Ja, wie denn auch? Wohltuend, versöhnlich klingt da der heutige Predigttext aus dem 12. Kapitel des Johannesevangeliums (Joh 12,20-24) für mich: Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen: „Herr, wir wollen Jesus sehen.“ Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen's Jesus. Jesus aber antwortete ihnen und sprach: „Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ In meinem Kopf summt schon die Melodie von „Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt...“. Na, damit kann man doch arbeiten.
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19.03.2017: PD Dr. Doris Hiller über Eph 5,1-2.8-9

Twitter-Nachricht vor drei Wochen: Die Polizei hat gerade gepostet, dass der Amokfahrer am Bismarckplatz deutscher Herkunft sei. Der Kommentar bzw. Tweed dazu: Vergiss es, ich glaub dem, was meine Freunde gesehen haben, Migrationshintergrund. ­– Eine Zeitung diagnostiziert: Neben fehlendem Respekt gegenüber der Staatsgewalt, macht sich in den sozialen Medien mehr und mehr populistischer Argwohn breit. Meine Augen sehen, meine Ohren hören… Liebe Gemeinde, heute die Bibel. Mehr Autorität geht nicht. Und das soziale Medium ist ein Brief. Aber ausgerechnet der Epheserbrief. Eingeordnet in die kleinen Paulusbriefe, doch wer genauer hinsieht, muss erkennen: Verfasser und Adressat historisch nicht mehr wirklich auszumachen.
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12.03.2017: Prof. Dr. Michael Plathow über Jes 5,1-7

Wider den Terror bloßer Betroffenheit über Nachrichten von der Schuld der Vergangenheit zwischen Kirchen und Nationen, von Korruption und Unrecht nah und fern. Wider die postfaktische Reduzierung der Komplexität gesellschaftlicher und kirchlicher Herausforderungen durch einfache Antworten. Manchen mag da der sonntagabendliche “Tatort”-Krimi Entspannung geben: enttäuschte oder verratene Liebe ist das Mordmotiv im Affekt oder in Heimtücke, mit Schusswaffe oder mit Gift. Der Kommissar deckt durch die DNA-Analyse minutiös alles auf und so löst der Richterspruch nach Recht und Gesetz als Katharsis auch die Betroffenheit über all die anderen Schreckensnachrichten. Der psychische Haushalt des Zuschauers scheint wieder in Ordnung. Alternativlos? Ja, irgendwie alternativlos. Liebe Gemeinde, diesen Eindruck erweckt beim ersten Hören der zu verkündigende Bibelabschnitt: der Richterspruch - alternativlos?
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26.02.2017: Prof. Dr. Theo Sundermeier über Röm 11,33-36

Der Strom der Flüchtlinge ist für uns eine große gesellschaftliche Herausforderung. Für die Kirchen wird dies zur religiösen Herausforderung: Wie begegnen wir den Menschen anderen Glaubens, zumal den Muslimen? Sind wir für die Begegnung in unserem Glauben gerüstet? Haben wir der bemerkenswerten Frömmigkeit der Flüchtlinge, die sie rituell sichtbar leben, etwas entgegenzusetzen, das überzeugend und gegründet ist? Wie bestehen wir den notwendigen Dialog? Der Dialog muß auf verschiedenen Ebenen geführt werden und wird er auch geführt. Es gibt den Informationsdialog. Der ist notwendig, denn man muß sich in seinem Glauben, den Riten und der Ethik kennen, so daß ein erstes Stück Vertrautheit entsteht. Es gibt den gesellschaftlichen, ethischen Dialog. Er ist für das Zusammenleben lebensnotwendig. Dabei geht es um den ethischen Konsens in unserer Kultur und unserem Rechtssystem. Der für uns Christen so brennende Dialog ist jedoch der Glaubensdialog, in dem man sich um eine Annäherung in Glaubensdingen bemüht.
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19.02.2017: Ann-Kathrin Knittel über Lk 8,4-8

Liebe Gemeinde, ist das nicht ein schönes Gleichnis? So lebensnah, so selbsterklärend. Schon riecht man die Morgenfrische, sieht den Tau auf dem Acker glitzern, den Sämann mit festen Schritten und zugleich kräftigen und geschmeidigen Armbewegung durch die Furchen frischer Erde schreiten. Schon sieht man die Sonne am Horizont untergehen, ein leichter, lauer Wind fährt durch die Ähren, die vereinzelten Steine werfen lange Schatten, die Vögel ziehen am Himmel und selbst das Gestrüpp am Wegrand rundet das Gesamtkunstwerk ab. Jesus erzählt von einem Bauer, der das tut, was ein Bauer eben tut. Erzählt von der Erfahrung, die ein Bauer eben macht: nicht alles, was er ausgesät hat, geht auf. Wenn man auch den Eindruck hat, dieser Bauer wirft seinen Samen besonders sorglos durch die Gegend.
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12.02.2017: Hochschulpfarrer Dr. Hans-Georg Ulrichs über Jer. 9,22-23

Liebe Gemeinde, vielleicht müssen wir nicht total gespannt sein, wenn in anderthalb Stunden die Bundesversammlung eröffnet wird, um einen Nachfolger für unser Staatsoberhaupt zu wählen. Wir sollten aber froh und dankbar sein, dass diese Wahl stattfindet – auch als Ausdruck dafür, dass bei aller sicher auch zu äußernden Kritik unser politisches System gut funktioniert. Die Prognose sei gestattet: Norbert Lammert wird als Bundestagspräsident gewohnt souverän und geistreich durch das Verfahren führen. Er wird das Ergebnis bekannt geben, er wird den Gewählten fragen, ob dieser denn die Wahl annähme und dann wird der neu gewählte Bundespräsident eine kurze Rede halten. Schließlich wird Lammert am Ende des Nachmittags die Versammelten bitten, sich zu erheben und unsere Nationalhymne zu singen.
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Letzte Änderung: 16.02.2017
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