Projekt 6 Virtuelles Seelsorge Training mit KI (ViSTAI)
Künstliche Intelligenz (KI) und Virtuelle Realität (VR) bieten neue Möglichkeiten der digitalen Kommunikation, die auch in seelsorglichen Kontexten genutzt werden können. Ein interdisziplinäres Team erforscht, inwiefern KI und VR innovativ, verantwortungsvoll und ethisch-theologisch reflektiert im Kontext des Seelsorgelernens eingesetzt werden kann. Das Projekt ViSTAI unterstützt das Erlernen und Reflektieren seelsorglicher Kommunikationskompetenzen durch digitale Rollenspiele.

Anknüpfend an einen Vorversuch im Jahr 2025, in welchem ein Large Language Modells (LLMs) und virtuelle Umgebungen eingesetzt wurden, wird dieses Projekt von Oktober 2026 bis September 2027 fortgeführt. Dabei wurden seelsorgliche Austausche zwischen einem KI-Avatar und Seelsorgenden simuliert und es zeigte sich, dass der Einsatz von LLMs eine nützliche Anwendungsmöglichkeit für das interaktive Seelsorgelernen in Form von fiktiven Rollenspielen ist (Bühler, Haußmann & Kammler-Sücker 2026).
ViSTAI ermöglicht Seelsorgenden, ihr Handeln in verschiedenen VR-Umgebungen im Austausch mit einer Künstlichen Intelligenz spielerisch zu erproben. Der große Vorteil liegt in der gezielten Variation von Gesprächsvoraussetzungen und -gestaltungen. So können beispielsweise verschiedene Umgebungen simuliert oder der Schwierigkeitsgrad der Kommunikation schrittweise moduliert werden. Zudem können Seelsorgende ihr verbales und nonverbales Verhalten sowie räumlich-situative Kontexte reflektieren.
Es wird ein mobiles Setup mit Gaming Notebook und angebundener VR-Brille sowie mit LLM-getriebenen Avataren entwickelt und mit unterschiedlichen Zielgruppen (Studierende, Vikar:innen, Ehrenamtliche etc.) getestet. Durch die Verbindung immersiv-interaktiver Fallvignetten mit einer theoriegeleiteten Reflexion KI-gestützter Seelsorge werden praktische Handlungskompetenzen und kritisch-reflexive Urteilsfähigkeit gleichermaßen geschult.
Zugleich besitzt das Projekt Pioniercharakter. Es erprobt exemplarisch einen kritisch-pragmatischen und zugleich innovationsorientierten Umgang der Kirche mit neuen technologischen Entwicklungen und leistet damit einen Beitrag zur Gestaltung digitaler Kirche. Dabei geht es nicht um die unreflektierte Einführung neuer Technologien, sondern um deren theologisch und ethisch verantwortete Integration in kirchliche Bildungs- und Praxisfelder.
Darüber hinaus reicht die Bedeutung des Projekts über kirchliche Kontexte hinaus. Die zu erwartenden Forschungsergebnisse und didaktischen Konzepte sind grundsätzlich auch für Ausbildungs- und Weiterbildungskontexte in den Heil-, Sozial- und Beratungsberufen relevant, in denen professionelle Gesprächsführung, Reflexionskompetenz und der Umgang mit komplexen Beratungssituationen zentrale Bestandteile der Qualifizierung darstellen.
Das Projekt ist eine Kooperation zwischen der Universität Heidelberg, der Theologischen Hochschule Reutlingen und dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim.
Gefördert ist das Projekt durch den Digitalen Innovationsfonds der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Projektmitarbeitende
- Prof. Dr. Maximilian Bühler (TH Reutlingen)
- Prof.in Dr. Annette Haußmann (Universität Heidelberg)
- Dr. Kornelius Kammler-Sücker (ZI Mannheim)
- Mag. theol. Mirijam Grab (Universität Heidelberg)
- M.Sc. Veronika Landhäußer (ZI Mannheim & Hochschule Heilbronn)
- M. Sc. Alexander Bazhanov (ZI Mannheim & Hochschule Heilbronn)
Projektförderung
Digitaler Innovationsfonds der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
Projektlaufzeit: Oktober 2026 - September 2027
Publikationen
- Bühler, Maximilian/Haußmann, Annette/Kammler-Sücker, Kornelius: KI-Avatare in der Seelsorgeausbildung? Spiegelungen eines (Selbst-)Versuchs, in: WzM 78 (2026), 210–226.