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01.04.2012: Pfarrer Dr. Martin Treiber über Jes 50,4-9

 

Predigt über Jes 50, 4-9 im Universitätsgottesdienst am Palmsonntag 2012 in der Peterskirche Heidelberg

 

Prediger: Pfarrer Dr. Martin Treiber (Petersstift)

 

 

Liebe Gemeinde,

 

„ein Mensch, der Antwort gibt,

ehe er hört,

zeigt seinen Unverstand

und wird nicht ernstgenommen.“ (Prv 18,13)

 

So steht es im Buch der Sprüche.

Ich finde, das ist eine gute Empfehlung,

ein hilfreiches Wort

für unser Miteinander.

 

Hören, in der Partnerschaft,

Hören, was die Kinder bewegt,

Hören im Beruf,

Hören in der Schule,

Hören im Hör-Saal,

Hören in der Seelsorge...

 

Von Jesus werden viele Hörgeschichten erzählt.
Oft so:
Er will von den Menschen hören, was sie beschäftigt,

was sie quält,

welche Hoffnungen sie haben,

wem sie ihr Vertrauen schenken.

Deshalb hat er sie gefragt:
Was willst du?

Er wollte hören und verstehen -

und dann reden, trösten, heilen, feiern...

 

Wie wenig selbstverständlich das Hören und Verstehen ist,

das zeigt diese Erfahrung:
Wo nicht mehr hingehört wird,

da ist das Aufhören nicht mehr weit.

 

Hören, daran kann man arbeiten, es ist nicht vorhanden oder auch nicht – es ist erlernbar.

In der Sprache der hebr. Bibel wird das sehr schön plastisch dargestellt:

Das Ohr könne man aufgraben, frei graben sozusagen.

Aber nie ein für allemal!

 

Die Bibel erzählt von einem Menschen,

den sie den Knecht Gottes nennt.

Vier Lieder berichten von diesem geheimnisvollen Knecht.

Aufgeschrieben sind sie im zweiten Teil des großen Jesajabuchs.

Im dritten Lied, das heute der Predigttext ist (Jes 50 ab 4,-9) wird er aber nicht Knecht, sondern Schüler Gottes genannt.

 

Dieser Schüler Gottes schreibt:

Text 4-5a: Gott, der Herr, gibt mir die richtigen Worte, damit ich erschöpfte Menschen zur richtigen Zeit ermutigen kann. Morgen für Morgen weckt er mich, und dann höre ich zu: Der Herr lehrt mich wie ein Lehrer seinen Schüler. Ja, Gott, der Herr, hat mich bereit gemacht, auf ihn zu hören.

 

Ich verdanke es Gott,

dass ich hören kann, sagt dieser Schüler.

Ich verdanke es ihm, dass ich täglich hören kann.

Einmal gehört und gelernt zu haben, das reicht nicht.

Ich bin froh, dass er mir aktiv mein Ohr weckt.

 

Ich möchte diesen Schüler fragen:
Wofür und wozu weckt er dir denn täglich,

Morgen für Morgen das Ohr?

 

Er weckt mir mein Ohr, damit ich sein Wort hören kann

und die Worte der Menschen.

 

Und das jeden Morgen?

 

Ja, sonst passiert es allzu leicht,

dass ich meine:

ich habe damals Gott verstanden und seither im Griff.

Weiteres Hören ist nicht nötig.

 

Und genauso bei den Menschen.

Wie leicht geschieht es, wenn ich nicht immer wieder neu hinhöre,dass ich meine Deutemuster habe,

 mein Einschätzungsraster –

und ich brauch nur noch ein Stichwort zu hören,

und schon weiß ich Bescheid und ich lege die Antwort-Platte auf.

Aber ist das Hinhören?

 

Gott weckt mir täglich das Ohr,

sagt der Schüler Gottes.

Er tut das, um uns Menschen zu zeigen:

So ist das bei mir: Täglich interessiere ich mich für euch!

All Morgen,

ganz frisch,

ganz neu..

 

So interessiert, so beziehungsorientiert ist er.

 

Der Schüler Gottes, der Gottesknecht, erzählt weiter wie es ihm mit dem Gehörten gegangen ist:

 

5b Ich aber war nicht widerspenstig, ich wich nicht zurück!

 

Warum hätte er zurückweichen sollen?

 

Hat seine Nachricht, die er gehört und dann im Namen Gottes verkündigt hat, verstört?

Seine Nachricht, die er gehört hat,

sollte doch die müden und hoffnungslosen Leute in der schon andauernden Zeit des Exils in Babylon motivieren, erfrischen, neugierig machen auf die Zukunft.

Doch offenbar war der Aufruf zu diesem Perspektivenwechsel nicht willkommen.

Perspektivenwechsel, Refraiming,

das heißt ja immer auch:
Gewohnte Denkstrukturen zu verlassen,

Korrektur,

wer tut das gern?

Es ist doch viel bequemer, einfach weiter zu fahren im alten und gewohnten Gleis...

Das kennen wir doch auch.

 

Und es gab bei den Adressaten seiner Reden

nicht nur Desinteresse,

es gab mehr als Weghören,

es gab mehr als Abstimmung mit den Füßen.

Es gab das:

 

6: Meinen Rücken habe ich hingehalten, als man mich schlug; ich habe mich nicht gewehrt, als sie mir den Bart ausrissen. Ich hielt ihren Beschimpfungen stand und verdeckte mein Gesicht nicht, als sie mich anspuckten.

 

Der hörende Schüler Gottes

wurde nicht nur verachtet und

gedemütigt mit Wort und Tat,

er wurde ausgeschlossen,

er wurde rechtlos – das war die Konsequenz der Bartlosigkeit –

wegen seiner mutigen Worte,

die sie nicht hören wollten!

 

Und er – wehrte sich nicht –

Obwohl es ganz dunkel wurde um ihn.

 

Vielleicht kamen ihm dann auch solche Gedanken und Gefühle wie Rabbi Rakower im Warschauer Ghetto:

 

„Herr in den Bitternissen meiner Seele

kann ich nicht das Böse rühmen, das du deinem Volk antust....

Aber ich höre nicht auf,

an dich zu glauben,

und ich werde dich lieben

dir selber zum Trotz,

deinem Willen zum Trotz –

Gott, der du alles getan hast,

damit ich an dir verzweifle.“

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Kein Wunder, dass die frühen Christen und Theologen

an diesem Gottesschüler

ein Verhalten sahen,

wie bei Jesus:

aktive Gewaltlosigkeit –

 

Ein Verhalten, das den Worten Jesu,

gesprochen in der Bergpredigt und heute als Lesung (Mt 5,38-42) gehört, entspricht.

 

Und auch seinem Verhalten gemäß ist,

als sie Hand an ihn legten im Garten Gethsemane

und in der Stadt

und auf Golgatha..

 

Und sie fanden in diesem Gottesschüler aus dem Jesajabuch einen, der ihnen half,

wieder ein wenig von Jesus Christus zu verstehen.

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Was macht Gott mit seinem täglich hörenden Schüler und Knecht in dieser verlassenen und rechtlosen Situation?

 

Wir wissen es nicht.

 

Nur das haben wir, was der Gottesschüler voller Vertrauen selber gesagt hat.

 

7-9 Aber Gott, der Herr, verteidigt mich. Deshalb werde ich mich ihnen nicht beugen. Darum habe ich auch die Kraft, ihnen die Stirn zu bieten. Ich weiß, ich werde nicht in Schimpf und Schande untergehen. Der Richter, der mich freisprechen wird, ist schon unterwegs. Wer will mir da noch den Prozess machen? Lasst uns nur vor Gericht gehen! Wer will mich anklagen? Soll er doch herkommen! Ja, Gott, der Herr, verteidigt mich! Wer kann mich da noch schuldig sprechen? Alle meine Ankläger werden umkommen, sie vergehen wie ein Kleid, das die Motten zerfressen.

 

Was hat dieser Schüler für ein unglaubliches Vertrauen!

 

Ist das vernünftig, solch ein Vertrauen!?

Schalom Ben Chorin, der manchen von uns unvergessliche jüdische Theologe, pflegte bei der Auslegung solcher Texte manchmal zu sagen, lächelnd zu sagen:
Ist das nicht ein bisschen verrückt, dieses Vertrauen?

Ist es nicht ein bisschen meschugge - wie die Liebe,

die – und ich füge hinzu:

gewachsen ist durch Hören, durch Hinhören.

Und begeistert ist von dem großen Aber Gottes, das die Türen öffnet, wo Mauern stehen, und alle Menschen ins Recht setzt – auch die, das hilfreich Unangenehme sagen!

 

Ist es nicht schön, dass zu den Zeichen der endzeitlichen Erlösung gehört,

dass die Ohren der Tauben aufgetan werden?

Und sie hören und rufen: Hosianna, Schalom?

 

Und der Friede, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

 

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Letzte Änderung: 23.05.2018
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