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05.02.2017: Prof. Dr. Ingrid Schoberth über Ex 3,1-15

Ex 3,1-15

Predigt am 5. Februar 2017

in der Peterskirche in Heidelberg

Prof. Dr. Ingrid Schoberth

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Lasst uns in der Stille um den Segen des Wortes Gottes bitten.

Stille

Herr erhöre uns. Amen

Liebe Gemeinde, und heute in besonderer Weise zum Semesterschluss: liebe Studierende und Lehrende in Heidelberg.

Der Predigttext für den heutigen Sonntag steht geschrieben im Buch Exodus im 3. Kapitel, Vers 1-10:  Mit dem Predigttext geht es heute um einen der zentralsten Erzählungen aus dem Alten Testament. Er stellt eine erzählende Entfaltung von Gottes Nähe und Gegenwart dar, wie sie Mose durch einen Engel an einem Dornbusch widerfährt und die Mose beauftragt, hinzugehen zum Pharao in Ägypten, um das Volk Israel aus der Gefangenschaft zu führen.

1 Mose aber hütete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe über die Steppe hinaus und kam an den Berg Gottes, den Horeb.

2 Und der Engel des Herrn erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde.

3 Da sprach er: Ich will hingehen und die wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt.

4 Als aber der Herr sah, dass er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich. 5 Gott sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land!

6 Und er sprach weiter: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verhüllte sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.

7 Und der Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört; ich habe ihre Leiden erkannt. 8 Und ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie herausführe aus diesem Lande in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt, in das Gebiet der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter.

9 Weil denn nun das Geschrei der Israeliten vor mich gekommen ist und ich dazu ihre Not gesehen habe, wie die Ägypter sie bedrängen, 10 so geh nun hin, ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst.

Liebe Gemeinde, Mose, der Hirte, verhüllt sein Angesicht und tritt nicht herzu. Er anerkennt diese Zone des Heiligen, diese Widerfahrnis erst mit einem Engel und dann mit Gott selbst, das ihm keine Angst macht,  -- das ihm aber zu einer eindrücklichen Erfahrung des Heiligen wird, die ihn schließlich beauftragt, Israel in die Befreiung zu führen.

  1.  

Ja, es scheint gefährlich, sich Gott zu nahen: es klingt sogar etwas barsch, was hier Mose widerfährt. Warum eigentlich? Ist das mit Religion/Engeln, mit Gott eine so gefährliche Angelegenheit, der man sich nur nahen kann, wenn man die Schuhe auszieht und gewahr wird, dass es hier heiliges Land ist?

Aus dem Kleinen Katechismus Luthers kennt man das auch: der erklärenden Auslegung der jeweiligen Gebote der Zehn Gebote wird eine Einleitung vorgeschaltet; „Wir sollen Gott fürchten und lieben“; dann erst erfolgt die eigentliche Auslegung. Gottes Nähe wahrnehmen, Gottes Willen folgen … offensichtlich steht das unter einer Bedingung, einer Anerkenntnis der Heiligkeit Gottes. Eine Anerkenntnis, dass das, was hier geschieht nicht einfach nur alltägliches ist, sondern mit Gottes Nähe geht es um etwas, dessen sich der Mensch nicht bemächtigen kann. Wie eine Zone, ein Schutzwall hört sich das Verbot an: Tritt nicht herzu und schließlich, das kennt Mose aus seiner religiösen Tradition, verhüllt er sein Haupt, als er Gott wieder und wieder vernimmt.

Ist das nun doch Ausdruck einer Furcht, dass es in der Beziehung Gottes und des Menschen eben dieses Übergriffige nicht gibt? Dass da ein Raum Gott vorbehalten bleibt, den Menschen nicht zu übersteigen vermögen. Ist gerade deshalb Gottes Heiligkeit und – ich nenne es einmal Distanz – die einzige Möglichkeit, dass Gott in seinen Verheißungen der treue Gott für die Menschen bleibt, gerade weil – und nur dann wenn – seine Heiligkeit unangetastet bleibt. Daher also der Dornbusch, der nicht vom Feuer verzehrt wird und Gottes Wort an Mose: Tritt nicht herzu.

Mich hat es immer schon erstaunt und ehrlich gesagt auch verwundert, dass diese Erzählung vom brennenden Dornbusch immer schon als Kindergeschichte fungiert hat; im Religionsunterricht der Grundschule darf er trotz vielfältiger inhaltlicher Reformen der Bildungspläne nach wie vor nicht fehlen.  Diese Erfahrung des Heiligen Gottes, die von Mose eine angemessene Reaktion verlangt. Die Einhaltung des Verbotes und das Verhüllen des Hauptes.  Rituale also, die es Mose möglich machen, auf diese Erfahrung zu reagieren.

Und auch heute stellt sich mir diese Frage wieder neu? Wie kann das sein, dass eine solche Verweigerung einer Nähe Gottes, die hier Mose widerfährt, anerkannt wird.

Die Wahrnehmungen von Kindern sind anders als die der Erwachsenen; Ihnen gehen erste dann Geschichten auf, wenn sie verstanden sind. Für Kinder reicht ein gemaltes Bild von einem Dornbusch, der trotz Flamme nicht verbrennt; oder aber eine Szene, die das Geschehen was Mose vor dem Dornbusch erlebt im Unterricht nachstellt. Das sind unterrichtliche Möglichkeiten, diesem Geschehen, dem man sich nicht nahen darf, doch annähernd näher zu kommen und das Gewahrwerden der Heiligkeit Gottes ermöglicht.

Ist es also die Naivität der Kinder, die dem Geschehen eine stimmige Anerkennung zollt, gerade weil sie die Kinder ins Staunen versetzt, in ein Staunen, das die Erwachsenenwelt nicht mehr hinbekommt? Kindern gelingt es sich einzufinden in den Erzählungen trotz Postmoderne und medialer Überfremdung; sie vertrauen dem Erzählten; sie lassen sich auf sie ein, geben den Geschichten eine Chance auch angesichts einer Welt, in der es entweder ein zu viel an Religion gibt und man das Heilige gerade deshalb gar nicht mehr ernst nimmt, oder aber das Heilige verloren zu gehen droht, weil man sich selbst nicht mehr darauf bezieht.

Warum diese Distanz?

Hat das Geschehen also mit einer Verweigerung zu tun, um der Heiligkeit Gottes willen? Gott, der sich entzieht um des Lebens willen. Die Erzählung fordert uns geradezu auf, diese Verweigerung zu bedenken und dabei Kind zu bleiben, einer zu bleiben, der sich nicht für einen hält, alles in den Griff zu bekommen. Es geht also nicht um eine Naivität, die vor der Rationalität der Welt nicht bestehen kann, sondern um eine kindliche Naivität, die sich weigert, Gott in den Begriffen ihrer Welt zu begreifen oder schließlich, wenn es nicht passt und einsichtig ist, ihn einfach abzulehnen. So bleibt ein Geheimnis: Das hält der Theologe und Dichter Kurt Marti in seinen Worten fest:

„Seinen Namen heiligen heißt, ihn aussondern aus allen sonstigen Namen, Wörtern, Begriffen, weil er die Nähe dessen verbürgt, der uns in freier Zuwendung näher kommt, als wir uns je selbst nahe sein können, sei’s im Leben, sei’s im Sterben.“ (Kurt Marti: Der Heilige Geist ist keine Zimmerlinde, Stuttgart 2000, 151).

  1.  

Bei dieser Distanz aber bleibt es nicht. Denn dieser Gott, den Mose als den ganz und gar heiligen und dem Menschen entzogenen erfährt, ist es, den wir immer neu anrufen, dem wir uns trotz und in seiner Heiligkeit immer neu nahen dürfen; das wird leiblich greifbar und erfahrbar wenn wir das Abendmahl feiern und damit der Gegenwart Gottes unter uns in der Feier des Abendmahles vertrauen lernen. In seiner Heiligkeit bleibt Gott nicht der ferne Gott: In allem Fragen nach Gott hat diese Heiligkeit, diese Verweigerung des Aufgehens in den Begriffen der Welt etwas Besonderes: Indem er der heilige Gott bleibt, bleibt er der nahe Gott. Und das macht er uns kund. Er sieht die Not seines Volkes, er errettet, er hat ihr Schreien gehört; der heilige Gott, der sich seines Volkes erbarmt.

Gottes Gegenwart ist diese Verheißung; eine paradiesische Verheißung, ein Land von Milch und Honig; ein Land ohne Leid und Geschrei, weil Gott die Not seines Volkes gesehen hat. Und dazu das Geschenk seines Namens: kein namenloser, unbestimmter Gott beauftragt Mose. Er sendet Mose; mit ihm will er sein, um sein Volke aus Bedrängnis zu führen. Der Gott, den Mose hier und auf diese besondere Weise kennenlernt, hat also einen bestimmten Namen: sein Name zeugt für sein Engagement für diese Welt. Er zeigt sich als der Gott des Evangeliums, der Gott, der sich kundtut als der nahe Gott, der sich in diese unsere Welt einmischt und sie nicht sich selbst überlässt.  

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Damit wird das Lesen und Predigen dieser Geschichte heute zu einem Weg, der Gott bekannt macht; so nahen auch wir uns diesem heiligen Gott; der, der ganz und gar heilig ist, er tut sich in dieser Geschichte kund. Wie für Israel in der Gefangenschaft ist er auch der Gott für meine Not heute, -- nicht nur nur ein vergangener Gott. Er ist auch der Gott, der die Bedrängnis der Abertausenden Menschen wahrnimmt, weil er der Gott ist, dem diese Welt eben nicht gleichgültig ist. Das verbürgt sein Name; er ist der: ‚ich werde sein der ich sein werde‘; so heißt es weiter in der Erzählung (Ex 3,14). Er ist der, der bleibt und sich dem Leben eben nicht entzieht.

Mit unserer story heute bleiben freilich auch Fragen, die immer auch wieder nach Antworten verlangen: „Wie ist sein Name?“ „Wie kann ich wissen, wer er ist? Greift er in die Geschicke der Welt ein? Warum kann ich ihn nicht vernehmen? Wie schön wären manchmal Engel oder Dornbüsche!

Mit den Fragen, die uns umtreiben, beginnt diese Suche nach Gott. Sie führen auf die Spur des Heiligen und es beginnt das Identifizieren, das immer genauer erfassen.  Weil Gott der heilige Gott ist, haben wir ihn nicht ein für alle Mal, aber mit der story von Mose wissen wir, dass er der sein wird – allezeit – der uns nahe bleibt, der sich in unsere Geschicke verwickeln lässt. Darum beginnt auch ein Leben im Glauben wie dort mit den Kindern im Religionsunterricht.  Das Vernehmen der Geschichte, das Suchen und Fragen und dem Verzicht, das heilige Land einfach zu betreten, um es einzunehmen. Im Schutz des Heiligen werden wir wie Mose eines Gottes gewahr, der unsere Geschichte mitgeht, die kleine Lebensgeschichte, ebenso wie die großen politischen Geschichten. Dadurch macht sich der biblische Gott bekannt, wird er begreifbar und ganz und gar verletzbar, bis hin zum Kreuz; sein Name bleibt nicht numinos, sondern deutlich durch seine Gegenwart, die bleibt.

IV.

Die beiden Jahre meines Dekanats enden im März und insofern verabschiede ich mich heute als Dekanin mit dieser Predigt. Die Bemühung um die Nähe des Heiligen Gottes, ihn zu identifizieren und immer genauer von ihm zu reden, im wissenschaftlichen Diskurs und dann auch in der Gemeinde oder Schule, das ist es, was die ureigenste Aufgabe der Theologie ausmacht; diese Aufgabe geht weiter und ich danke für das Vertrauen, dass ich diese Jahre in Verantwortung vor dieser Aufgabe spüren und erleben durfte.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, und die Heiligkeit Gottes, die uns umfasst auch wenn wir sie nicht begreifen können, und die Nähe Gottes, die in Christus Wirklichkeit wird, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Predigtlied: 625, 1-2.4-5: Wie groß ist des Allmächtgen Güte

Evangelium : Mt 17, 1-9: Verklärung Jesu /Epistel: 2. Kor. 4, 6-10

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Letzte Änderung: 23.05.2018
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