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06.01.2013: Prof. Dr. Ingrid Schoberth über Jes 60,1-6

 

Predigt am 06. Januar 2013 in der Peterskirche, Heidelberg

über Jes 60,1-6

 

von Prof. Dr. Ingrid Schoberth

 

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Lasst uns in der Stille um den Segen des Wortes Gottes bitten.

Herr erhöre uns. Amen

Der Predigttext für den heutigen Sonntag Epiphanias steht geschrieben bei dem Propheten Jesaja im 60. Kapitel, die Verse 1-6:

Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir!  2 Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR und seine Herrlichkeit erscheint über dir.  3 Und die Heiden werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht.  4 Hebe deine Augen auf und sieh umher: Diese alle sind versammelt und kommen zu dir. Deine Söhne werden von ferne kommen und deine Töchter auf dem Arme hergetragen werden.  5 Dann wirst du deine Lust sehen und vor Freude strahlen, und dein Herz wird erbeben und weit werden, wenn sich die Schätze der Völker am Meer zu dir kehren und der Reichtum der Völker zu dir kommt.  6 Denn die Menge der Kamele wird dich bedecken, die jungen Kamele aus Midian und Efa. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des HERRN Lob verkündigen.

Liebe Gemeinde,

gleichsam paradiesische Zustände scheinen auf, wenn von dieser Wallfahrt die Rede ist, zu der sich Israel aufmacht; dieser Zug ist der Zug einer Restitution, der Wiederherstellung nach dem Exil, die Wiederbringung derer, die unter anderen Mächten zu leiden hatten; allein Gottes Herrlichkeit soll über ihnen aufgehen und keine andere Macht mehr regieren, denn „die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir.“ Mehr noch, das, was hier in Bewegung gebracht wird ist überwältigend, und aus dieser Faszination heraus erhält diese Wiederbringung zu Zion gleichsam kosmologische Züge: auch die aus Saba werden kommen,  wie wir es auch heute schon im Introitus gesprochen haben, „Gold und Weihrauch bringen und des Herrn Lob verkündigen.“

Die Fülle der Kamelen wird heranziehen, wie sie einst mit der Königin von Saba zu Salomon zogen, um seiner Weisheit willen (1 Kön 10,1ff.), die Dunkelheit wird aufgehoben und ein nimmer endendes Lob wird angestimmt werden. Die Klagen werden verstummen und die Herzen werden erbeben und weit werden. Was bisher in Finsternis getaucht war, wird in Licht getaucht, so herrlich gestaltet sich der Zug derer, die zur Herrlichkeit Gottes kehren, umkehren vielleicht. Nun bewahrheitet sich: „Siehe des Herrn Arm ist nicht zu kurz, daß er nicht helfen könnte, und seine Ohren sind nicht hart geworden, so daß er nicht hören könnte.“ (Jes 59,1) Und schließlich nicht genug mit den Verheißungen: „du wirst vor Freude strahlen“.

Mitten in diese verheißungsvolle Zukunft finden sich die vielen Aufforderungen: Mache dich auf; werde licht; hebe deine Augen auf und sieh umher. Mehr ist nicht zu tun:

Die neue Wirklichkeit aus Gott, aus seiner Herrlichkeit, aus seiner Gegenwart, ist in ein neues Licht getaucht und ich darf teilnehmen, nicht allein, sondern mit allen, die hier zusammenströmen, von allen Enden der Erde.

Das ist wahrhaft keine einsame Wallfahrt, kein einsamer Aufbruch nach dem Motto, ich bin dann mal weg … alle ziehen sie - überwältigt von der Verheißung - gen Zion.

Oder haftet dem einfachen ‚ich bin dann mal weg‘ auch etwas von dem an, was in diesem überwältigenden Aufbruch steckt? Ist das, was hier geschieht, Ausdruck für die Sehnsucht, die in Menschen steckt, die einmal zumindest für eine kurze Zeit alles hinter sich lassen wollen und ausbrechen wollen? Führt uns das prophetische Wort aus dem Jesajabuch das heute vor Augen, dass dort, wo Menschen der Gegenwart Gottes immer neu vertrauen lernen, das Leben diesen Charakter des Aufbruchs erhält, die Gestalt des sich nicht einfach mit allem zufrieden geben wollen; den Charakter der Hoffnung auch angesichts tiefer Hoffnungslosigkeit? Ist das Motto ‚ich bin dann mal weg‘ Ausdruck auch einer tiefen Verweigerung, so weiter zu machen wie bisher? Genug von dem  zu haben, was tagaus und tagein das Leben so wenig froh macht und belastet.

Ist es der Versuch, die Dinge auch einmal weglegen zu können, um Neues sehen zu lernen, das wieder wahrnehmen zu lernen, was vielleicht auch schon lange keinen Raum mehr beansprucht hat?

Es gibt sie also bis heute, diese Wege zum Zion - so möchte ich das Bild heute aufnehmen – einen Aufbruch inmitten und trotz aller Erfahrungen, die nüchtern wahrgenommen, eben so sind, wie sie sind. Trotzdem - allen Erfahrungen zum Trotz, erzählt der Prophet von diesem überwältigenden Geschehen, dass unaufhaltsam in den Bann zieht;  er erzählt trotzdem und gerade weil wir selbst oft keine Kraft mehr dazu haben oder aber die Tatsachen des Leben radikal dagegen sprechen. Diese Wallfahrt zum Zion ist darum Ausdruck für einen Anfang, der Verheißung Gottes Vertrauen zu schenken: Denn das Volk, bleibt nicht im Finstern, sondern läßt sich auf den Zug ein, den hoffnungsvollen Aufbruch, hin zum Licht, dass in den Bann zieht.

Für mich ist dieser wunderbare und verheißungsvolle Text aus dem Jesajabuch ein Text der Imperative für das Leben.  Hineingenommen in das immer neue und tägliche Lernen, Gottes Verheißung für wahr zu nehmen, lädt er ein, die Augen zu heben, zu sehen und zu schauen auf die Wirklichkeit, die auf mich wartet: Und so lesen wir noch einmal nach, was da alles geschehen wird, wenn das eigene Herz weit wird für dieses zukunftsvolle Versprechen Gottes: „Dann wirst du deine Lust sehen und vor Freude strahlen, und dein Herz wird erbeben und weit werden…“.

Die Weihnachtslieder unterstreichen dieses Versprechen, jedes auf seine Weise, was es mit diesem aus Gott geschenkten Leben auf sich hat. „Seht hier bei des Lichtleins hell glänzendem Strahl … das himmlische Kind“. In und mit ihm wird diese Verheißung zur ganz gewissen Zusage. Dafür stehen die Lieder der Weihnacht, mit je ihren eigenen Versuchen, der Verheißung Vertrauen zu schenken. Sie nehmen uns hinein in den Gesang der Verheißung und stellen uns in das Licht, das von Weihnachten her auf uns strahlt.

Aber auch die Lieder übergehen nicht die Spannung, die in unserem Leben immer auch Raum greif; das nicht für wahr halten der Verheißung, das in Zweifel ziehen und das Scheitern angesichts eigener Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit. Und doch stimmen wir sie immer neu an, diese Lieder der Verheißung, wie heute in diesem Gottesdienst und machen uns auf den Weg, mehr und anderes gelten zu lassen als allein die scheinbar unabänderlichen Tatsachen.

Auch der Heidelberger Katechismus weiß um das ganz nüchterne Leben; darauf macht die heute beginnende Ausstellung zum Heidelberger Katechismus aufmerksam: wir dürfen die vielen Fragen stellen und der Heidelberger Katechismus müht sich gleichsam mit uns als seine Leser ab, dem Geheimnis des Lebens nachzugehen und auf die Spur zu kommen. Er eröffnet gleichsam in eigener Weise für seine Leser eine Wallfahrt zum Zion, wenn man so will auf ganz intellektuelle Art: auch er gibt sich mit dem nicht zufrieden, was sich an nüchternem Leben zeigt. „Unseres Herrn Jesu Christi eigen sein“ und seines Trostes gewiß sein, im Leben und im Sterben, das ist es, was den Leser mit ihm in den Bann zieht; er nimmt auf eine Entdeckungsreise mit, um immer genauer der Verheißung inne werden zu können, die sich in und mit ihm zu erschließen sucht. In dieser Hinsicht ist also auch ein intellektuelles Abenteuer mit dem Heidelberger Katechismus ein eigener Weg des Glaubens, der Spur der Verheißungen Gottes zu folgen; wenn man so will, der Spur zum Zion nachzugehen, die sich seinem Leser eröffnet.

In aller Spurensuche bleiben wir bedürftig. Trotz der vielen Dunkelheiten, der Finsternisse, richtet uns diese Wallfahrt auf Zion aus: mit dem Kind in der Krippe hat diese Welt und unser Leben nichts an Glanz verloren – es ist das Licht, das in unsere Wirklichkeit strahlt als immer neue Gabe für unser Leben, auf dass wir getrost und mit aller Zuversicht dem Leben immer neu trauen lernen.

Zum Schluss denke ich als Religionspädagogin noch an so manche Schülerinnen und Schüler: Werden sie die leisen und tastenden Versuche wagen, diesem Geschehen der Weihnacht neu nachdenken zu lernen? Werden sie es hinbekommen nach dem Leben so zu fragen, dass es mehr ist als nur eine nüchterne Bestandsaufnahme und eine bloße Einwilligung in die Tatsachen des Lebens?  Scheint mit dem verheißungsvollen Licht etwas von dem auf, was das Leben zu tragen vermag, gerade dann, wenn es sich ganz und gar nicht mehr getragen weiß? Und - Werden meine Schüler  und vielleicht auch sie, liebe Predigthörer, kleine Schritte des Lebens wagen, aus Gottes Verheißung leben zu lernen, weil sie eben wahrhaft realistischer ist als aller Realismus, als alle scheinbaren Tatsachen!

Dazu will uns auch der Chor mit seinem Lied nach der Predigt noch einmal auffordern: er ruft uns herbei zum fröhlich triumphierenden Lied, zum Zug nach Bethlehem, zum Licht der Verheißung, mit dem Lied ‚Herbei, o Ihr Gläubigen‘. 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

 

 

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Letzte Änderung: 08.01.2013
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