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Aktuelles

07.02.2021: Dr. Stefan Karcher über Lk 8,4-8

Predigt über Lk 8,4-8 am Sonntag Sexagesimae, 7.02.2021

Peterskirche, Heidelberg

 

Dr. Stefan Karcher

 

 

Mit Blick auf das heutige Evangelium, liebe Gemeinde, frage ich mich ein wenig: Bin ich eigentlich Prediger oder Landwirt? Denn das Gleichnis vom Sämann oder vom vierfachen Acker, wie es auch genannt wird, hat eine eigentümliche Note. So bekannt sein Inhalt und seine Auslegung auch sind: Wer ist eigentlich dieser Sämann?

Das Gleichnis kommt in allen drei synoptischen Evangelien vor und wird dort auch von Jesus ausgelegt. Nirgends aber erklärt er, wer der Sämann ist. Die Auslegung beginnt immer beim Samen – dem Wort Gottes –  und geht über auf die vier unterschiedlichen Ackerfelder. Und immer steht es mit dem Aufruf zusammen, den Acker, also das eigene Herz so vorzubereiten, dass der Same auf den Boden fällt, der reiche Frucht bringt.

Setzt man diesen Gedanken nun logisch fort, ist klar, dass in der Frucht natürlich wieder ein Same steckt. Das ist ein natürlicher Vorgang, der selbstverständlich dem landwirtschaftlichen Wissen zur Zeit Jesu auch entsprach. Der Same wird ausgesät, die Frucht wächst, sie wird geerntet, ein Teil dient zur Ernährung, ein anderer Teil wird wieder neu ausgesät. Auf diese Weise wird die Frucht, die auf dem fruchtbaren Boden gewachsen ist, immer weitergegeben. Die Frucht vermehrt sich und wird neu ausgesät. Immer und immer und immer wieder.

Wenn wir also im Gleichnis den Satz lesen: Wer Ohren hat zu hören, der höre; heißt das auch, dass es Menschen geben muss, die reden. Es muss Menschen geben, die gehört haben und weitererzählen, was sie gehört haben. Und genau hier an dieser Stelle beginnt eine Geschichte voller Probleme. Denn in dem, was wir heute als „Wort Gottes“ kennen, im biblischen Text, wurden durch zeitliche und persönliche Umstände immer wieder neue Schwerpunkte gesetzt. Die biblischen Texte wurden neu interpretiert und in neuen Kontexten erzählt. So ist über einen Zeitraum von 2000 Jahren aus einem kleinen Samenkorn ein Dschungel von fast undurchdringlichem Wissen, Meinungen und Überzeugungen geworden.

Dass das so ist, ist aber gar nicht so schlimm, sondern hat einen guten Bezug in der Landwirtschaft. Wenn Sie in einen Supermarkt gehen und dort Gemüse kaufen z.B. Karotten, die auf dem gleichen Acker gewachsen sind, kann es gut sein, dass die eine Frucht äußerlich perfekt aussieht, aber nach nichts schmeckt. Eine andere hingegen kann etwas kleiner und unscheinbar aussehen und süßes und fruchtiges Aroma entwickelt haben. Noch faszinierender finde ich das beim Wein. Weine, die aus derselben Rebsorte gemacht sind, schmecken abhängig vom Boden, auf dem sie wachsen, völlig unterschiedlich, selbst wenn sie aus derselben Region kommen. So viele Faktoren in fruchtbaren Böden beeinflussen den Geschmack der Frucht. Sind an der einen Stelle mehr Mineralien, kann der Boden an einer anderen Stelle mehr Wasser speichern. Nuancen in der Bodenbeschaffenheit entscheiden darüber, ob ein Wein metallischer oder fruchtiger schmeckt. Das Beste daran ist aber, dass das kein Qualitätsmangel ist. Schließlich sind Geschmäcker unterschiedlich.

Warum sollte das mit den Früchten, die aus dem Samen des Wortes Gottes entstehen, anders sein? Wir sehen doch in der Vielfalt von Christinnen und Christen, dass sich bei manchen aus dem Samen des Evangeliums die Aromen von Freiheit und Rechtfertigung stärker entwickelt haben, dass bei anderen die charismatischen Noten deutlicher hervortreten. Manche dieser Früchte reicht man vielleicht eher zu einer dünnen Scheibe Weizenoblate am Sonntagmorgen, andere passen besser in eine bunte übervolle virtuelle Obstkiste. Weil also die Böden, auf die das Wort Gottes fällt, so unterschiedlich sind, schmecken die Früchte immer anders.

Es ist aber auch kein Geheimnis, wenn ich Ihnen den alten Spruch sage: Worte haben Macht. Sie können aufbauen und sie können verletzen. Sie können Feinde zusammenbringen, aber ein falsches Wort kann auch lang gepflegte Beziehungen zerstören. Und je nach dem, auf welchen Boden der Same des Wortes Gottes fällt, hat es dieselbe Macht. Was geschieht denn, wenn der Same auf einen Boden fällt, der den Geruch von Gesetzlichkeit und allzu strengen Regeln ausbildet, wenn auf einst fruchtbarem Boden ein Beigeschmack von gutgemeintem Pflichtgefühl entsteht, der aber die zarten Noten von Freiheit und Nächstenliebe übertüncht? Es ist derselbe Same. Aber der Same bringt manchmal aus fruchtbaren Böden bittere Früchte hervor, die nicht allen schmecken.

Umso wichtiger ist es - und Aufgabe von uns allen -, die Böden zu pflegen, zu düngen und dafür zu sorgen, dass sie alles haben, was der Same des Wortes Gottes zum Wachsen braucht. Was das ist, kann jede und jeder nur für sich selbst herausfinden, denn der Same des Wortes Gottes, fällt in die persönlichen Lebensumstände. Er wächst auf den Böden voller reicher Vorlieben und auf Erfahrungen, er wächst auch auf dem sandigen Grund innerlicher Verletzung, er wächst auf Böden, die mit Ängsten und Unsicherheiten durchfurcht sind. Er wächst auf dem nährstoffreichen Mutterboden von all den Dingen, mit denen sich Menschen gerne beschäftigen. Wenn also der Same bei Ihnen auf fruchtbaren Boden gefallen ist, heißt das nicht, dass Ihre Früchte, Ihr Glaube, Ihre Art und Weise den Glauben zu leben, genauso schmecken müssen, wie die Ihres Nachbarn, Ihrer Nachbarin oder die von der Person, deren Predigt Sie am Sonntagmorgen hören.

Mit dieser kleinen bodenkundlichen Exkursion, liebe Gemeinde, dürfte nun auch klar sein, dass Christinnen und Christen irgendwie auch immer in der Landwirtschaft tätig sind. Durch unsere Gemeinschaft, durch unseren Umgang und dadurch, dass wir miteinander über unseren Glauben reden, über unterschiedliche Meinungen oder Geschmäcker diskutieren und trotz vieler Differenzen miteinander leben, bereiten wir den Boden in den Herzen anderer vor. Wir düngen und pflügen, manchmal schlagen wir auch die Furchen. --- Und aus den Früchten, die wir bringen, also aus der Art und Weise, wie wir unseren christlichen Glauben leben und in welche Worte wir ihn fassen, entstehen neue Samen, die dann hoffentlich auf fruchtbaren, vorbereiteten Boden fallen.

Letztlich heißt das: Wenn wir die Sämänner und Säfrauen aus dem Gleichnis sind, die auch den Boden vorbereiten, haben wir eine große Verantwortung, aber auch viele Möglichkeiten, dazu beizutragen, dass aus den Samen des Evangeliums auf vielen fruchtbaren Böden starke Pflanzen wachsen, die Früchte für einen bunten, wohlschmeckenden Obstkorb bringen. Dass einigen Menschen darin die ein oder andere Frucht nicht schmecken wird, das liegt in der Natur der Sache. Aber erinnern wir uns daran: Es war derselbe Same vom Wort Gottes.

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Letzte Änderung: 08.02.2021
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