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10.02.2013: Prof. Dr. Gerd Theißen über Lk 18,31-43

 

Predigt über Lk 18, 31-43 im Universitätsgottesdienst in der Peterskirche am Sonntag Estomihi, 10.2.2013

 

Prediger: Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Gerd Theißen

 

 

Die Geschichte von der Heilung eines Blinden vor Jericho enthält eine einfache Botschaft. Könnten wir den Blinden zum Sprechen bringen, so würde sie in Kurzfassung lauten: Ich war blind. Jesus hat mir die Augen geöffnet. Ich sah die Welt zum ersten Mal, wie sie wirklich ist. In ihr demütigen, misshandeln und töten Menschen einander. Aber ich fand einen Weg durch diese Welt, indem ich dem Menschensohn bis in den Tod hinein nachfolgte. Mitten in dieser Welt konnte ich Gott loben. Das ist die Botschaft, die wir nur schwer begreifen können: Die Welt sehen, wie sie ist – und trotzdem Gott loben!

 

Damit habe ich die Heilung des Blinden symbolisch gedeutet. Das ist legitim. Denn der Evangelist Lukas will mehr mit ihr sagen, als dass ein Blinder wieder sehen konnte. Zuvor hat er erzählt, wie Jesus seine Passion vorausgesagt: Der Menschensohn wird ausgeliefert werden, wird verspottet und misshandelt werden, sie werden ihn foltern und töten. Aber Gott wird dieses Leid überwinden. Die Auferstehung des Menschensohns ist ein Protest gegen diese Welt.

Nach dieser Leidensweissagung betont der Erzähler: Die Jünger verstanden nichts. Sie waren blind.

Wenn der Erzähler eine Blindenheilung folgen lässt, will er sagen: Jesus überwindet das Unverständnis der Jünger. Er öffnet ihnen die Augen – für die Grausamkeit der Welt, wie sie über Jesus selbst hereinbrechen wird, aber auch dafür, dass Folter und Tod nicht das letzte Wort sind.

Das ist das Wunder, das wir begreifen müssen:

Die Welt sehen, wie sie ist – und trotzdem Gott loben!

 

Erzählen wir die Geschichte vom Blinden noch einmal Schritt für Schritt. Auch ohne Symbolik ist sie eine beeindruckende Geschichte von einem Bettler. Er ist blind, aber kann hören und sprechen. Er hört, dass eine Menschenmenge vorbeizieht. Er erfährt, Jesus kommt vorbei. Daraus konnte er schließen: Jesus muss für diese Menschen ein bedeutender Mensch sein. Sie nennen nur ihn und ordnen sich ihm als Begleitung zu. Wahrscheinlich setzt der Erzähler voraus, dass der Blinde darüber hinaus schon mehr von Jesus weiß. Denn er schreit: „Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!“

Die Menge versucht ihn zum Schweigen bringen. Sie deutet den Ruf des Bettlers als Bitte um Geld. Das wäre eine unrealistische Bitte. Jesus war arm. Er hatte kein Geld für einen Bettler. Warum sollte man ihm da nicht die peinliche Begegnung ersparen – mit einem Bettler, der vielleicht meint, er könne hier einen reichen Königssohn anbetteln.

Doch Jesus lässt den Blinden zu sich führen. Das ist als Audienzszene dargestellt. Ein König aus dem Stamme Davids lässt einen Bittsteller zu sich, nachdem ihn sein Gefolge abweisen wollte. Jesus fragt ihn: „Was willst du, dass ich für dich tun soll?“

Der Bettler bittet nicht um Geld, er bittet um mehr. Er sagt: Ich will, dass ich sehen kann! Er sagt nicht: Ich will, dass Du mich sehend machst. Er sendet nur die Ich-Botschaft: Ich will sehen! Und die können wir ihm wirklich glauben.

Jesus antwortet: „Dein Glaube hat dir geholfen!“ Er sagt nicht: Ich heile dich, oder: ich bin die Ursache deiner Heilung, sondern er betont: In dir liegt die Kraft zu dieser Heilung. Solch ein Zuspruch des Glaubens begegnet oft in Jesu Heilungsgeschichten. Wenn in anderen antiken Heilberichten vom Glauben die Rede ist, geht es darum, dass jemand dem Bericht von einem Wunder glaubt oder nicht glaubt. Das Wunder ist schon geschehen. In den Heilungsgeschichten von Jesus aber reagiert der Glaube nicht auf Nachrichten von Wundern, er bringt das Wunder hervor. Der Glaube ist die entscheidende Wunderkraft. Darin dürfte eine Spur des historischen Jesus erhalten sein – und eine zutreffende Erkenntnis.

Wir wissen durch medizinethnologische Erforschung, dass vormoderne Heiler durch Glauben und Zuversicht heilen: Der Heiler schafft Vertrauen, aktiviert soziale Unterstützung für den Kranken, reduziert Stress und Belastung. Das heilt nicht unbedingt die Krankheit, verbessert aber das Allgemeinbefinden und fördert indirekt die Heilungschancen oder zögert den Krankheitsprozess hinaus. Die Heiler wirken durch Placeboeffekte. Die Kranken müssen daran glauben, dass der Heiler kompetent ist, sie zu heilen. Auch Jesus heilt mit diesem Placeboeffekt – und doch ganz anders. Würde in einem Placeboexperiment der Arzt jemandem Scheinmedikamente geben und dazu sagen: Dein Glaube wird dich heilen, d.h. nicht diese Medikamente, dann wären sie kein Placebo mehr. Zum Placebo gehört der illusionäre Glaube, es handle sich um wirksame Medikamente. Jesus aber sagt: Dein Glaube hat dich geheilt – er nennt direkt das, was in seinen Heilungen allein wirksam ist. Das ist alles andere als ein Aberglaube.

Die Evolution hat denen eine größere Überlebenschance bei Krankheit und Gefahr gegeben, die den Glauben nicht verlieren. Sie hatten eine etwas größere Chance, unsere Vorfahren zu werden, als die anderen. Wir sind ihre Nachfahren. Daher könnte in uns noch immer ein archaisches Erbe sein, das die einen aktivieren können, andere aber nicht. Die Wundergeschichten von Jesus reaktivieren dieses Erbe in uns. Vielleicht faszinieren sie uns deshalb bis heute.

Am Ende seiner Geschichte betont der Erzähler dann zweierlei:

Erstens erzählt er: „Und sogleich wurde der Blinde sehend und folgte ihm nach.“ Dass er Jesus nachfolgt, beweist: Er ist nun geheilt. Er kann wieder sehen und sich im Raum orientieren. Sonst werden Geheilte von Jesus immer in ihr Haus zurückgeschickt. Der Blinde von Jericho ist der einzige, der ihm nachfolgen darf. Hier setzt der symbolische Sinn ein: Diese Nachfolge ist auch übertragen zu verstehen. Es ist Nachfolge Jesu als ein Leben in seinem Sinne – bis ans Kreuz, bis zum Tod.

Zweitens betont der Erzähler am Ende: Der Blinde lobt Gott, und zusammen mit ihm die anderen. Vorher hatte das Volk den Blinden abgewehrt. Jetzt lobt es mit ihm Gott. Loben fällt leichter, wenn man zusammen lobt – erst recht, wenn sich Menschen dabei vereinen, die vorher gegeneinander gearbeitet haben.

Geschichten von solchen Glaubensheilungen werden heute oft missbraucht. In charismatischen Kreisen wird suggeriert: Wenn Du richtig glaubst, dann wirst du gesund. Das aber heißt: Wenn Du krank bleibst, stimmt etwas mit deinem Glauben nicht. Wenn die Krankheit nicht geheilt wird, ist der Kranke noch schlimmer dran als vorher. Denn er ist nun nicht nur krank, sondern hat auch einen spirituellen Mangel. Unsere Geschichte ist geeignet, davor zu warnen: Der Geheilte folgt Jesus auf seinem Weg zum Tode. Jesus wird nicht erhört, wenn er in Gethsamene darum bitten wird, der Kelch des Todes möge an ihm vorüber gehen. Das bekannteste Bittgebet im Neuen Testament bleibt unerfüllt. Der Glaube, Gebete müssten eigentlich erfüllt werden, wenn sie nur mit dem rechten Glauben gesprochen werden, kann destruktiv sein. Empirische Untersuchungen bestätigen das.

 

So viel zur Geschichte, wenn wir sie wörtlich verstehen. Wir hatten aber gesehen: Sie hat darüber hinaus eine symbolische Tiefe. Sie sagt. Wir sind alle blind. Jesus öffnet unsere Augen, damit wir die Welt sehen, wie sie ist. Das Kreuz verdichtet die Grausamkeit der Welt. Dieses Wunder müssen wir begreifen: Die Welt sehen, wie sie ist – und trotzdem Gott loben!

 

Habe ich damit die Geschichte unzulässig modernisiert? Sind symbolische Deutungen ein allzu leichter Weg, Wunder modernen Menschen zugänglich zu machen. Nein! Die symbolische Deutung der Wundergeschichten beginnt schon früh. Der Fischzug des Petrus symbolisiert die Mission, die Sturmstillung im MtEv die Krise der Kirche. Im JohEv sind alle Wunder symbolische Geschehnisse, in denen sich das wahre Leben zeigt: als Brot des Lebens und Licht der Welt. Diese symbolische Deutung von Wundern finden wir so intensiv nur in der Jesusüberlieferung, sonst nicht in der Antike. Das erklärt sich letztlich dadurch, dass die Wunder schon für Jesus eine symbolische Bedeutung hatten: Sie sind Zeichen des Gottesreiches, Zeichen dafür, dass sich in den Wundern nicht nur im Kleinen, im Leben eines einzelnen Menschen etwas ändert, sondern dafür, dass sich die Welt grundsätzlich ändern kann, dass sie nicht für immer das ist, was sie zu sein scheint. Diese symbolische Deutung der Wunder bei Jesus hat auch in den volkstümlichen und oft legendarischen Wundergeschichten Spuren hinterlassen.

 

Das sei am Vergleich unserer Blindenheilung mit einer verwandten Wundergeschichte gezeigt. Etwa zur Zeit des Lukasevangelisten berichtet Tacitus – unter Berufung auf Augenzeugen – von einer Blindenheilung des Vespasian in Alexandrien. Vespasian war von seinen Truppen zum Kaiser ausgerufen worden. Aber es fehlte ein Zeichen der Götter, dass er von ihnen zum Kaiser bestimmt worden war, um nach einer politischen Krise des römischen Reiches – mit vier Kaisern und Kaiserprätendenten in einem Jahr – wieder Ruhe und Ordnung herzustellen. In dieser Situation schickten die Priester des Gottes Sarapis einen Blinden und einen Menschen mit verrenkter Hand zu Vespasian, damit er sie heile. Der lehnte das zunächst ab, holte dann aber ein ärztliches Gutachten ein. Tacitus berichtet (Tac. hist. 4,81):

„Die Ärzte redeten etwas zweideutig hin und her: Bei dem einen, so sagten sie, sei das Augenlicht nicht eigentlich erloschen; es werde wiederkehren .... Bei dem anderen seien die Gliedmaßen verrenkt; auch das sei ... wieder herstellbar. Vielleicht liege den Göttern an der Sache, und vielleicht sei er, der Fürst, als Werkzeug der Gottheit ausersehen. Bei Erfolg falle der Ruhm dem Fürsten zu; sollte es nicht wirken, so würde der Spott die zwei unglücklichen Geschöpfe treffen.“ Es geht für alle gut aus: Vespasian heilte die beiden.

Diese Wunderheilung ist ohne die Symbolik der Heilungsgeschichten Jesu. Dem Blinden gehen nicht die Augen für eine große Erkenntnis auf. Er sagt nicht: Ich war blind für die Herrscherwürde des Vespasian. Jetzt habe ich sie erkannt. Die beiden Geheilten werden auch nicht in die Gefolgschaft des Vespasian auf seinem Weg zur Herrschaft aufgenommen. Ihr Glauben spielt keine Rolle. Was in ihnen vorgeht, interessiert nicht. Ihre Heilung dient allein dazu, die Herrschaft des Vespasian zu legitimieren. Die Kranken sind Mittel zum Zweck. Vielleicht haben die Priester des Gottes Sarapis zwei heilbare Fälle zu Vespasian geschickt, damit er umso besser die Propagandatrommel für sich rühren kann. Andere Priester haben ihn damals in Ägypten als „Sohn Gottes“ begrüßt. Josephus hatte als jüdischer Kriegsgefangener ihm schon vorher die Weltherrschaft prophezeit und ein Orakel auf dem Berg Karmel von seiner Herrscherwürde orakelt. Das alles war politische Propaganda mit religiöser Aura.

 

Und dennoch gibt es einen Vergleichspunkt: Beide, Jesus und Vespasian, werden mit Erwartungen an Herrscher konfrontiert. Jesus als jüdischer König und Sohn Davids, Vespasian als Werkzeug der Götter zur Rettung des römischen Reichs. Beide heilen in einer Audienzszene. Der eine wird nach Rom ziehen, um dort über die Welt zu herrschen, der andere nach Jerusalem, um von den Römern hingerichtet zu werden. Die eine Geschichte zielt darauf, dass die Welt ihren neuen Herrscher anerkennt. Die andere darauf, dass Menschen Gott loben, obwohl sie sehen, wie grausam die Welt ist.

 

Aber wie kann man die Welt sehen, wie sie ist – und dennoch Gott loben? Ich versuche, darauf drei Antworten zu geben. Die erste hätten frühere Generationen als erste gegeben. Die Anfechtung der Menschen vor uns bestand weniger darin, dass es Leid gibt, sondern dass nicht alle zum Glauben an Gott kommen. Mochten Menschen mit Unglück überhäuft werden – richtig verloren waren sie erst, wenn sie nicht den Glauben hatten, der ihnen die Gewissheit gab: Durch alles Leid hindurch gelangen wir zu Gott. Die Anfechtung lag also nicht nur im Leiden selbst, sie lag im Unglauben. Für uns liegt die Anfechtung sehr viel mehr im Leiden selbst – besonders im unschuldigen Leiden. Georg Büchner hat das treffend so formuliert: Er lässt einen Revolutionär sagen: „Warum leide ich? Das ist der Fels des Atheismus. Das leiseste Zucken des Schmerzes, und rege es sich nur in einem Atom, macht einen Riss in der Schöpfung von oben nach unten“ (Dantons Tod III. Akt). Aber derselbe Büchner konnte sich damit trösten, dass er durch alle Schmerzen hindurch mit Gott vereint wird. Als er mit 23 Jahren an Typhus starb, soll er mit „ruhiger, erhobener Stimme“ die Worte gesprochen haben: ‚Wir haben der Schmerzen nicht zu viel. wir haben ihrer zu wenig, denn durch den Schmerz gehen wir zu Gott ein! – ‚Wir sind Tod, Staub, Asche, wie dürften wir klagen?“ – so berichtet Caroline Schulz in ihren Tagebuchaufzeichnungen über Büchners letzte Tage (Georg Büchners Werke und Briefe, Leipzig: Insel 1952, S. 298)

 

Die Grausamkeit der Welt sehen – und dennoch Gott loben, wie ist das möglich? Die zweite Antwort bezieht sich nicht auf Gott, vor dessen Ewigkeit wir Staub und Asche sind. Sie bezieht sich auf Jesus. Die Welt sehen, wie sie ist – und dennoch Gott loben, das ist möglich, wenn wir auf das Kreuz schauen. Im Kreuz verdichtet sich alles Leid und Unrecht dieser Welt – auch das unschuldige Leiden, auch das Leiden derer, die durch die Mächtigen verfolgt wurden, wie Georg Büchner, der fliehen musste, weil er in Hessen die Parole ausgegeben hatte: „Friede den Hütten, Krieg den Palästen!“ Wenn in dem Gekreuzigten Gott ist, dann sind wir auch im Leid mit ihm vereint. Heinrich Heine sagt zu Recht: „Wer seinen Gott leiden sieht, trägt leichter die eignen Schmerzen“. (H. Heine, Die Stadt Lucca, in: Sämtliche Schriften, Darmstadt 1968–1976, Bd. 2, 493). Wenn Gott im Gekreuzigten leidet, dann leidet er auch in allen Kreaturen mit. Deshalb kann Paulus das Seufzen und Klagen der gequälten Kreatur als Seufzen und Klagen des heiligen Geistes deuten. Das führt zur letzten Antwort auf die Frage, die im Grunde niemand durch eine Theorie intellektuell befriedigend beantworten kann:

 

Die Welt sehen, wie sie ist – und dennoch Gott loben, wie ist das möglich? Es ist möglich, wenn wir die Welt mit den Augen Gottes sehen. Dann ist der Geist Gottes in uns lebendig. Was aber heißt das? Auf Gott stoßen wir immer dann, wenn uns aufgeht, alles könnte auch nicht und alles könnte auch anders sein. Alles ist nicht notwendig so, wie es ist. Glaube ist Möglichkeitssinn, der über die Wirklichkeit hinausgreift. Kleine Änderungen werden für ihn zu Zeichen großer Änderungen. Vor Gott ist auch das Mögliche Wirklichkeit: Der zerronnene Traum, das zerstörte Glück – er denkt es zu Ende. Den gedemütigten Mensch richtet er auf. Der zertretene Wurm, der abgetrieben Fötus gehört zur Fülle seiner Möglichkeiten, die er für immer bewahrt. Menschen, die so früh dahin müssen wie Georg Büchner, gehören zu Gottes Wirklichkeit. Aber auch von unserem Leben, wenn es 70 oder 80 Jahre währt und erfüllt war – bewahrt er die Möglichkeiten, die wir verbaut haben. Im Sünder sieht er den Gerechten, im Gerechten den Sünder. Im Kranken den Gesunden, im Gesunden den Kranken. Im Leben den Tod, im Tod das Leben. Gott wird immer die Ahnung sein, dass diese Wirklichkeit nicht alles ist und das Mögliche nicht unwirklicher als das Wirkliche. Dass auch der Tod nicht alles ist. Wie die Jünger hören wir zwar diese Botschaft, aber verstehen sie nicht: Der Menschensohn wird gekreuzigt werden, aber wird auferstehen. Wie immer man das deutet, es ist ein Protest gegen diese Welt, wie sie ist – es ist eine Botschaft aus der Welt, wie sie sein könnte.

 

In Jesus lebte dieser Möglichkeitssinn. In der Botschaft von Kreuz und Auferstehung bricht diese Möglichkeit in unsere Wirklichkeit hinein. Die Welt ist nicht das, was sie ist.

Sie wird verwandelt ins Reich Gottes. Kranke sind nicht nur das, was sie sind, sie werden geheilt. Sünder sind nicht das, was sie sind, ihnen wird vergeben. Mächtige sind mehr als das, was sie verüben. Sie sind Menschen wie wir. Arme sind mehr als ihre Ohnmacht. Ihnen gehört die Macht. Wenn wir in der Welt alles so sehen, wie es auch sein könnte – und nicht nur so, wie es faktisch ist, dann sehen wir die Welt mit den Augen Gottes – in seinem Geist. Dann können wir Gott loben, ohne damit in die Grausamkeit der Welt einzuwilligen. Dann haben wir den Glauben, von dem man sagen kann: Dein Glauben hat sich gerettet.

 

Vor Gott dem Schöpfer sind wir Staub und Asche.

Durch den Gekreuzigten werden wir im Leid mit Gott verbunden.

Der Geist öffnet unsere Augen.

Denn wir sind blind dafür, dass in allem Wirklichen Mögliches verborgen ist,

das über die Wirklichkeit hinaus weist.

Der Geist Gottes treibt uns an, in Jesu Nachfolge etwas davon zeichenhaft verwirklichen.

Dann können wir die Welt sehen, wie sie ist –

und dennoch Gott loben zusammen mit anderen.

Dann haben wir den Frieden gefunden,

der vom Himmel ist, der alles Leid und alle Schmerzen stillt.

 

Dieser Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft,

bewahre unsre Herzen und Sinne in Christo Jesu.

Amen

 

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Letzte Änderung: 23.05.2018
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