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10.07.2011: Prof. Dr. Helmut Schwier über Johannes Schreiters Tauffenster

 

„Taufe – im Blau des Himmels und der Erde“

(Predigt zur Einweihung von Johannes Schreiters Tauffenster im Taufgottesdienst am 10. Juli 2011 in der Peterskirche Heidelberg)

 

Universitätsprediger Prof. Dr. Helmut Schwier

 

 

 

Liebe Gemeinde,

 

„endlich ein Blau!“ – So lautete ein begeisterter Ausruf beim Anblick des neuen Fensters vor wenigen Tagen. Die warmen goldgelb-orangen Grundtönungen aller Fenster, ihr kräftiges Rot, ihr leuchtendes Gelb, ihr strahlendes Weiß erhalten nun einen farblichen Kontrast – blau. Blau wie der Himmel, blau wie das Wasser. Von oben bis unten, vom Himmel bis zur Erde, ja im wahrsten Sinn bis unter die Erde reicht dieses Blau: hell, leicht, belebend. Fast eine Sommerferienstimmung! „Endlich ein Blau“ – aber die Ausruferin fuhr kritisch fort: „Das Grab gefällt mir nicht.“ Grau und dunkel dominiert es das untere Drittel, liegt quer, legt sich quer, wirkt in der rechten Hälfte wie ein schwarzes Loch, saugt alle Energie, alles Leben ein.

Belebendes Blau – lähmendes Grau, oben strahlendes Gelb, unten ein schwarzes Loch. In diesen Gegensätzen und Spannungen entfaltet das Fenster seine Kraft. Johannes Schreiter nennt es „Taufe“; durch diesen Titel sowie durch die Taufstätte und das Gemälde vom sinkenden Petrus, der dann durch Christus emporgehoben wird, erhält das Fenster eine erste Deutungs- und Verweisungsspur: im Fest der Taufe, also heute, begegnet uns Christus, er rettet uns, hebt uns empor. Fenster und Gemälde deuten den Vollzug, und die Tauffeier verweist auf Christus.

Begegnen wir in der normalen Tauffeier meist dem Taufbefehl aus dem Matthäusevangelium in Verbindung mit der Aufforderung Jesu, die Kinder zu ihm kommen zu lassen, so feiern wir heute die Taufe eines Erwachsenen und hören andere Bibelworte (Ex 13, 17-22; 1 Kor 10, 1-4): Erinnerungen an Wolken- und Feuersäule, an den Durchzug durch das Meer. Sie verweisen auf die durch Gott gestiftete Gemeinschaft und seine Begleitung.

 

Zur Predigt gehört ein Abschnitt aus dem Römerbrief, denn er gibt den Spannungen des Fensters Vorlage und Deutung.

Paulus schreibt im 6. Kapitel:

„Wisst ihr nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft worden sind, auf seinen Tod getauft worden sind?

Mit ihm sind wir demnach begraben worden durch die Taufe auf den Tod, damit, wie Christus von den Toten auferstanden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir wandeln in der Neuheit des Lebens.“ (V.3f)

 

Taufe geschieht auf den Namen Jesu Christi, sie geschieht also auf den Namen des Gekreuzigten und Begrabenen. „Auf den Namen“ getauft zu werden, heißt: ihm übereignet zu werden. Als Getaufter gehöre ich Christus, bin mit ihm aufs Engste verbunden, gewinne von ihm meine Bestimmung.

So weit, so gut! Das lernen wir auch im Taufunterricht, im Katechismus, im Theologiestudium. Nun ist der Apostel Paulus – zum Glück! – weder ein didaktisch versierter Lehrer, der die Lehre elementarisiert vermittelt (was immer etwas zu einfach wirkt), noch ein Professor, der die Lehre argumentativ durchdringt und multisystemisch wie differenzsensibel darlegt (was häufig etwas zu kompliziert wird).

Paulus ist hier wie ein Künstler: er entwirft grundlegend Neues; er entwirft eine völlig andere Lebensdeutung, inszeniert eine radikale Weltsicht und zeigt uns dies in sprachlichen Bildern.

 

Erstes Bild:

Während unsere normale Weltsicht heißt: unsere Existenz verläuft von der Geburt zum Tod, zeigt Paulus: unsere Existenz verläuft umgekehrt: vom Tod zum Leben! Am Anfang steht das Grab, das Grab Christi. Bevor wir ins Grab kommen, lag Christus schon drin. Er starb und wurde begraben. Aber die Herrlichkeit des Vaters – im leuchtenden Gelb – erfüllt den Sohn, erweckt ihn zum absolut Neuen.

Diese Auferweckung, zeigt Paulus, ist nicht ein Mirakel, das man glauben kann oder nicht; nein, diese Auferweckung stürzt die Welt um, ist so radikal und absolut umwerfend, dass es alles und jedes Leben betrifft – auch meins und deins. Wie im Auferstehungsfenster zu sehen: der Eine wird von Gott erweckt und alle anderen Gräber springen auf – so auch hier: die Auferweckung des Sohnes begründet die Auferweckung des Menschen, er wird nicht ins schwarze Loch hineingezogen, sondern verwandelt ins Leben empor gerissen.

Das feiern wir in der Taufe: am Anfang der Tod, das Grab Christi, dann das Leben, durch den Vater geschenkt. Das Blau verbindet Himmel und Erde, das Blau reicht tiefer als das Grab, im Blau der Taufe reißt Gott uns empor – wie Christus den sinkenden Petrus.

 

Zweites Bild:

Nach der Taufe steht uns das Leben bevor; es ist radikal neues Leben, und in dieser Neuheit sollen wir wandeln, und zwar schon jetzt. Was in der Taufe beginnt und verwirklicht ist, setzen wir um, gestalten wir: in der Gemeinschaft der Getauften gelten die alten Unterschiede nicht mehr (Mann-Frau, Sklave-Herr, Gebildeter-Ungebildeter, Inländer-Ausländer), wir sind eins in Christus. In der Gemeinschaft der Getauften wirkt der Heilige Geist, er begeistert und entflammt uns, durchbricht das Alltagsgrau (Pfingstfenster). In der Gemeinschaft der Getauften und sicher auch darüber hinaus begegnen wir uns, sind einander zugewandt, neugierig aufeinander statt neidisch, solidarisch statt eifersüchtig (Begegnungsfenster).

Das feiern wir in der Taufe: die Gemeinschaft der Getauften wird größer, und uns allen gilt die Aufforderung: seid lebendig, wandelt in der Neuheit des Lebens. In früheren Zeiten erhielten daher die Neugetauften ein neues, ein weißes Gewand. Wir haben das leuchtende Weiß im Fenster: es verweist auf die Kraft des neuen Lebens, das von Gott ausgeht und in Gott gegründet ist.

 

Drittes Bild:

Auch Paulus weiß: der Tod ist eine Realität in der Welt, das reale Grab steht uns bevor, es liegt quer im Weg, es ist nicht schön. Im Tauffenster gibt es zwei kleine Hinweise im Grab, die Hoffnungsschimmer sind: die linke Seite des Grabes ist etwas heller, erleuchtet durch die Herrlichkeit des Vaters – ein strahlendes Gelb, das auch die ansonsten dunkle rechte Figur gerade noch erreicht und berührt. Der zweite Hinweis sind die roten Splitter im Grab: Gottes Liebe ist auch in der tiefsten Tiefe präsent, trägt und verwandelt uns. Auch dies ist sowohl im Auferstehungsfenster wie im Tauffenster zu entdecken.

 

Ist solche Taufbotschaft alltagstauglich? Einfach oder bequem ist es nicht, so zu leben, und zur Routine wird es auch nicht. Deshalb braucht es Tauferinnerungen. In der katholischen Kirche gibt es dazu einfache Hilfsmittel wie das Weihwasser. Es ist das Taufwasser, mit dem man sich am Eingang der Kirche bekreuzigen kann und spürt: Ich bin getauft auf den Namen des Gekreuzigten. Es ist das Taufwasser, das dann bei der Beerdigung den Sarg benetzt und zeigt: Du bist getauft auf den Namen des Gekreuzigten, Begrabenen, Auferweckten. Weihwasser ist nicht Magisches, es ist Erinnerungswasser an die Taufe, und wenn man es benutzt an die eigene Taufe.

Das Tauffenster erinnert auch, und es verknüpft die Taufbotschaft mit dem eigenen Leben. Stärker als in den anderen Fenstern fallen hier die vielen schwarzen Bleiruten auf. Sie bringen Bewegung und Dynamik in die Farben und Formen. Ohne sie wären die Fenster vielleicht zu schön, um wahr zu sein. Johannes Schreiter soll auf die Frage, was diese Linien denn bedeuten, einmal gesagt haben, er habe, seit er Kind war, schon immer gern gekritzelt. Das wird stimmen. Und so ist aus ihm, bevor er Maler und Glaskünstler wurde, ein bedeutender Zeichner geworden, und er ist es bis heute geblieben.

Ich sehe in den gekritzelten, gezeichneten, hingeworfen scheinenden Linien die Lebenslinien von Menschen. Ästhetisch sind sie natürlich nicht zufällig und theologisch auch nicht. Menschlich und christlich verstanden zeigen sie jeder und jedem die Aufgabe, mit der eigenen Taufe zu leben, auch bei Brüchen und Abbrüchen.

Dies erinnert uns an die radikale Botschaft des Paulus: Am Anfang das Grab Christi, jetzt die Neuheit des Lebens, am Ende Gottes Herrlichkeit und Liebe, die unser Grab erfüllen und uns alle verwandeln. Das verheißt uns Gott, der Christus von den Toten auferweckt hat. Das zeigt uns das Sakrament der Taufe, das wir jetzt mit Freude feiern. Das stellt uns die Glaskunst in dieser Kirche vor Augen: sie zeichnet unsere Lebenslinien in Gottes Evangelium ein – und wir sollen das auch.

 

 

Gott, bei dir ist die Quelle des Lebens und in deinem Licht sehen wir das Licht. Du bist die Quelle des Wassers, das in das ewige Leben quillt. Lass uns schon jetzt im neuen Leben wandeln. Amen.

 

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Letzte Änderung: 19.07.2011
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