13.01.2013: Universitätsprediger Prof. Dr. Helmut Schwier über die 5. Kantate des Weihnachtsoratoriums

 

„Ehre sei dir, Gott, gesungen“

Predigt zur 5. Kantate des Weihnachtsoratoriums (BWV 248) am 1. Sonntag n. Epiphanias, 13. Januar 2013, in der Peterskirche Heidelberg

 

Universitätsprediger Prof. Dr. Helmut Schwier

 

 

 

Chor:

Ehre sei dir, Gott, gesungen, Dir sei Lob und Dank bereit.

Dich erhebet alle Welt, weil dir unser Wohl gefällt. Weil anheut unser aller Wunsch gelungen, weil uns dein Segen so herrlich erfreut.

 

 

Liebe Gemeinde,

 

„Jauchzet, frohlocket, ... lasset das Zagen, verbannet die Klage“ – so beginnt das Weihnachtsoratorium in der 1. Kantate, geht über in das Gloria der Engel bei den Hirten auf dem Feld in der 2. Kantate und fährt heute fort: „Ehre sei dir, Gott, gesungen, Dir sei Lob und Dank bereitet“. Fröhlich, leicht und heiter, ja tänzerisch musiziert. Sein schneller ¾-Takt, seine schwungvollen Stimmen bringen selbst Nichttänzer in Bewegung. Wundervoll! Seine hohe Tonart – die höchste im gesamten Oratorium – zieht uns in die Höhe, zeigt göttliches Licht.

Das ist das Vorzeichen für alles, was heute noch gesagt und gesungen wird. Fröhlicher Lobgesang, weihnachtliche Freude – sie wecken das Gespür, wie Leben und Glauben von Gott gemeint sind. „Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes“, jubelt Maria im Magnifikat. Alle Welt soll Gott erheben, seinen Namen fröhlich preisen, weil ihm unser Wohl gefällt und uns sein Segen so herrlich erfreut. Gott segnet das Leben – nicht nur das menschliche – und alle Welt, der ganze Kosmos in seiner Bewegtheit, seiner Dynamik, seinen Klängen soll ihn hörbar ehren.

Seit Weihnachten ist unumstößlich wahr: Gottes Wohlgefallen ist sichtbar und gilt uns und aller Welt. Alle Gottesvergiftungen – und die Religions- und Theologiegeschichte und die Lebensgeschichten vieler Menschen sind voll davon – alle Gottesvergiftungen sind schreckliche Verirrungen; sie verkehren Gott ins Gegenteil, machen aus dem Licht trübe Finsternis. Gott aber gefällt unser Wohl, er ist nicht ein kontrollierender Polizist, ein anklagender Staatsanwalt, ein strafender Richter oder ein Autoritätsgarant für schwächliche Figuren. Gott gefällt unser Wohl. Er segnet, schenkt im Überfluss, verschenkt sich selbst. Das ist die Weihnachtsbotschaft. Freue dich, o Christenheit!

Als Antwort darauf Lob und Ehre zu verschenken, ist naheliegend, aber es funktioniert wohl nur theoretisch. Ich sehe die Konsequenz zum Gotteslob zwar ein, aber das Leben und meine Natur und die Umstände kommen nicht selten dazwischen. 20 Tage nach Weihnachten ist die Stimmung eine andere, der Alltag so grau wie das Wetter der vergangenen Wochen. Etwas grundsätzlicher gesagt: Als Mensch bin ich meist zu träge, um zu loben und zu ehren (Gott oder die Menschen), und zu selbstbezogen, um einzusehen, dass Glück und Segen etwas Unwahrscheinliches und Besonderes sind.

Dennoch ist zu loben und zu danken natürlich besser für gelingendes Leben. Das bestätigen jenseits der Religion auch moderne Glücksforscher. Sie haben hierfür die Formel 3:1 ausgegeben: 3x dankbar sein und 1x jammern, dann wird das Leben glücklicher und der Mensch zufriedener. Wenn Sie noch einen guten Vorsatz für das neue Jahr brauchen, wäre dies eine sehr praktische Regel: 3x dankbar sein und nur 1x jammern.

Ob Bach das auch wusste oder ahnte? Seine Lebensumstände waren deutlich härter als die der meisten von uns. Er kehrte beispielsweise zurück von einer Dienstreise und fand seine Frau schon begraben. Er ist verhaftet worden aus Willkür eines absolutistischen Kleinpotentaten, hatte in Leipzig oft unter seinen Vorgesetzten zu leiden, die seine Leistungen nicht anerkannten. Bach hatte eine große Familie, für die er sorgte und stand immer wieder an Gräbern seiner Kinder. Und dennoch: dennoch hat er Musik wie diese geschrieben – um Freude zu geben, um Menschen zu lehren, Freude zu haben – in Glaube, in Hoffnung, in Liebe. Eine bewusste Wahl, ein bewusstes Dennoch?

Immerhin komponiert er hier so, dass der Chor uns immer wieder neu und unablässig auffordert, Ehre zu singen und Lob und Dank zu bereiten – 6x häufiger wird dies gesungen als der zweite begründende Teil des Satzes, obwohl der eigentlich im Textumfang viel größer ist. Ob nun 3:1 oder 6:1 – Lob und Ehre dominieren das Oratorium und konfrontieren uns Jammerer und Meckerer, träge Nichttänzer und selbstverliebte Egoisten, sorgenvolle und bedrückte Mitmenschen mit der Notwendigkeit zu Lob und Ehre.

Hier in der Kantate bleibt es aber nicht bei pragmatischen Lebensratschlägen, sondern es wird begründet, warum und inwiefern zu loben ist. Diese Begründung besteht jedoch nicht aus einer pragmatischen oder theoretischen Einsicht, sondern aus einer Geschichte. Diese Geschichte wird uns nun erzählt, und zwar so, dass wir gleich in sie hinein verwickelt werden mit unseren Fragen, Kommentaren und Einsichten. Doch hören Sie selbst!

 

 

Evangelist:

Da Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande zur Zeit des Königes Herodis, siehe, da kamen die Weisen vom Morgenlande gen Jerusalem und sprachen.

 

Die Weisen:

Wo ist der neugeborne König der Jüden?

Alt:

Sucht ihn in meiner Brust, hier wohnt er, mir und ihm zur Lust!

Die Weisen:

Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenlande und sind kommen, ihn anzubeten.

Alt:

Wohl euch, die ihr dies Licht gesehen, es ist zu eurem Heil geschehen! Mein Heiland, du, du bist das Licht, das auch den Heiden scheinen sollen, und sie, sie kennen dich noch nicht, als sie dich schon verehren wollen. Wie hell, wie klar muss nicht dein Schein, geliebter Jesu, sein!

 

Choral:

Dein Glanz all Finsternis verzehrt,

die trübe Nacht in Licht verkehrt.

Leit uns auf deinen Wegen,

dass dein Gesicht und herrlichs Licht

wir ewig schauen mögen!

 

Arie (Bass):

Erleucht auch meine finstre Sinnen, erleuchte mein Herze durch der Strahlen klaren Schein!

Dein Wort soll mir die hellste Kerze in allen meinen Werken sein; dies lässet die Seele nichts Böses beginnen.

 

 

 

 

Für Text- und Bibelliebhaber ist dies ein wunderbares Stück: Bibeltext und Kommentare ineinander verschachtelt, dramatisch dargestellt durch den Evangelisten, den Chor, die Einzelstimmen Alt und Bass; manchmal repräsentieren sie Personen der Erzählung, manchmal lassen sie eine andere Ebene erklingen.

Die Geschichte, die hier musizierend erzählt wird, ist ein Teil der Weihnachtsgeschichte im Matthäusevangelium. Eine Geschichte des Suchens und Findens, eine Geschichte des Verstehens, Missverstehens und Neuverstehens, eine Geschichte, die in Bewegung bringt!

Die Weisen aus dem Morgenland sind auf der Suche nach dem Königskind. Als Wissenschaftler und Astronomen sind sie zugleich Sterndeuter. Sie deuten den Wunderstern als Hinweis auf einen neuen und besonderen König der Juden. Ihn zu finden, haben sie sich auf den langen und gefahrvollen Weg gemacht. Ihn anzubeten, ist ihr Ziel – wie der Wunderstern ein Hinweis, dass dieser König doch mehr sein muss als ein Mensch.

Möglicherweise ahnen die Sterndeuter etwas von der göttlichen Perspektive. Aber sie können sie noch nicht richtig erfassen und verstehen. Sie tun darauf das, was allzu menschlich ist. Sie denken und glauben Gott in menschlichen Kategorien und suchen ihn daher am Königshof. Total verkehrt! Da ist Gott nicht. Im ‚schönen Fürstensaal’, wie es im Abschlusschoral heißen wird, ist er nicht zu finden. Im Machtvollen, im äußeren Glanz und Glamour sucht man ihn vergebens. Auf roten Teppichen stolziert er nicht. Mit Stars und Sternchen ist er nicht zu verwechseln. Solche menschlichen Kategorien bleiben oberflächlich. Gott ist anders.

Wo und wie ist er dann zu finden? Die Altstimme gibt eine erste Antwort. Es ist die Stimme des Glaubens, die im Alt erklingt; manche denken an Maria, andere an den Glauben, den der Heilige Geist hervorbringt. Der Glaube singt: „Sucht ihn in meiner Brust, hier wohnt er, mir und ihm zur Lust.“ Wer Gott finden will, muss an der richtigen Stelle suchen und sich auf den richtigen Weg machen. Die auch heute richtige Stelle und der richtige Weg heißen: Vertrauen.

Der Weg geht also zunächst nach innen. Denn jeder und jede einzelne ist hier angesprochen, persönlich, unverwechselbar, unvertretbar, existentiell. Das Leben zu verstehen, ist eine wichtige Aufgabe; aber es gelingt wenn überhaupt nur in Ansätzen und nur im Nachhinein. Aber das Leben muss, wie Kierkegaard wusste, nach vorn gelebt werden. Das erfordert Mut und Vertrauen. Ich gehe Lebenswege – auch solche, die ich vorher nicht verstehe, deren Risiken ich nicht kalkulieren kann. Ich gehe mutig Lebenswege und vertraue – wie die Weisen aus dem Morgenland.

Dieses Vertrauen ist keine traurige Angelegenheit; es ist lustvoll. Zu vertrauen, bereitet Lust und Freude, und zwar Gott und uns. „Hier wohnt er, mir und ihm zur Lust.“ Freue dich und vertraue, o Christenheit!

Wo und wie ist Gott zu finden? Die Stimme des Glaubens sagt weiter: Vertrauen ist nicht eine aus uns entstehende Lebenseinstellung, die von Natur aus oder erziehungsbedingt der eine besser und die andere schlechter kann. Vertrauen im christlichen Verständnis braucht Gottes Hilfe, mit den Worten der Kantate: braucht Licht und Erleuchtung. Christlich verstandene Erleuchtung ist nicht eine numinose Ganzheitserfahrung, sondern die Erkenntnis eines persönlichen Gegenübers: Gott ist in Christus der Retter und das Licht für alle Welt.

Die Stimme des Glaubens wird nun durch den Choral der Kirche ergänzt, die Gott anspricht: „Dein Glanz all Finsternis verzehrt, die trübe Nacht in Licht verkehrt. Leit uns auf deinen Wegen, dass dein Gesicht und herrlichs Licht wir ewig schauen mögen.“ Haben Sie noch im Ohr, wie Bach das vertont? Die hohe Tonart und die zahlreichen Zwischennoten in den Unterstimmen lassen zu Beginn den Glanz und die trübe Nacht hörbar werden. Und die letzte Zeile erscheint als leuchtender Höhepunkt (W. Blankenburg), als ein Vertrauen, das Lust und Freude bereitet – schon jetzt und bis in Ewigkeit.

Die Bass-Arie bringt dann eine klare Konsequenz: Weil Gott in Christus das Licht für alle Welt ist, das ich jetzt und ewig schauen möchte, spüre ich meine eigene Finsternis. Hier wird mir keine Sündhaftigkeit angedichtet, sondern es ist eigene Erkenntnis in der Begegnung mit dem fröhlichen Evangelium, die ehrliche Erkenntnis in der Begegnung mit dem Licht der Welt.

So wie der Inhalt dieses Gebetes nicht einfach schön ist, ist auch die Vertonung nicht vordergründig schön. Die Bassstimme singt eindrücklich, aber nicht schmeichelnd, die tiefe Lage betet zurückgenommen. Manche Strahlen und manche Erleuchtung sind musikalisch hörbar, an anderen Stellen führen sie in dissonante Gefilde.

Aber die Bassstimme ist umgeben von der Stimme der Oboe d’ amore, der Liebesoboe. Als Hörer nehme ich das Ganze wahr als Gebet des Basses, also als mein Gebet, das aus der Begegnung mit dem Evangelium der Oboe d’ amore erwächst. Weil die gute und fröhliche Botschaft, dass Gott mein Wohl am Herzen liegt, von Beginn an ertönt und nicht abreißt, auch nicht wenn es dissonant wird, darum wage ich es zu beten: Gott, erleuchte meine finsteren Sinnen, lass mein Herz Vertrauen lernen, lass mich dein Wort verstehen und im Alltag praktizieren.

Freue dich und vertraue, o Christenheit, und lass dich verwandeln!

 

Doch noch ist Gottes Geschichte nicht zu Ende. Sie führt uns dramatisch zurück zu Herodes nach Jerusalem.

 

 

Evangelist:
Da das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm das ganze Jerusalem.

 

Alt:

Warum wollt ihr erschrecken? Kann meines Jesu Gegenwart euch solche Furcht erwecken? O! solltet ihr euch nicht vielmehr darüber freuen, weil er dadurch verspricht, der Menschen Wohlfahrt zu verneuen.

 

Evangelist:
Und ließ versammlen alle Hohepriester und Schriftgelehrten unter dem Volk und erforschete von ihnen, wo Christus sollte geboren werden. Und sie sagten ihm: Zu Bethlehem im jüdischen Lande; denn also stehet geschrieben durch den Propheten: Und du Bethlehem im jüdischen Lande bist mitnichten die kleinest unter den Fürsten Juda; denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk Israel ein Herr sei.

 

 

 

 

Wo und wie ist Gott zu finden? Die Frage erhält nach der existentiellen und persönlichen Zuspitzung nun eine politische Wendung. Herodes erschrickt über diese Frage – so sehr, dass auch wir zusammenzucken und im Alt den Einspruch des Glaubens hören müssen: Nein, Gottes Gegenwart ist nicht zum Erschrecken und Fürchten, sondern zum Freuen.

Die Diktatoren und Gewaltherrscher sollen sich aber fürchten. Sie haben seit je zwei Umgangsformen mit der Religion gepflegt: die Vereinnahmung der Religion zwecks Herrschaftssicherung oder gar Legitimation oder aber, wenn das nicht funktioniert, weil Kirchenleute widerspenstig bleiben, ihre Bekämpfung und Verfolgung. Zentrale jüdische und christliche Traditionen haben jedoch die Herrschaftskritik bewahrt: Kein König, kein Herrscher darf an Gottes Stelle treten, sondern er ist verantwortlich vor Gott; und andererseits: von Gläubigen ist kein blinder Gehorsam einzufordern.

Gott ist nicht im Fürstensaal zu finden – das ist aber nicht nur eine Ortsbestimmung, sondern (via negationis) auch eine inhaltliche Qualifizierung: Gott steht nicht auf der Seite des Unrechts, der Gewalt, der Macht – seien sie politisch, ökonomisch oder auch religiös; Gottes Maßstab ist die Wohlfahrt der kleinen Leute, der Witwen, Waisen und Fremdlinge – wenn Sie wollen: der Alleinerziehenden, Harz IV-Empfänger, der Menschen mit Migrationshintergrund. Da besteht auch in unserer Gesellschaft weiterhin politischer und bürgerschaftlicher Handlungsbedarf. Hier sollen sich Christinnen und Christen aktiv beteiligen. Hier wirkt die Diakonie als ein starker Anwalt der Schwachen mit.

Wo und wie ist Gott zu finden? Herodes ist immerhin so klug, die Schriftgelehrten zu fragen – und erst die 6. Kantate wird zeigen, dass dies ein hinterlistiger und verschlagener Plan war. Die Schriftgelehrten und Hohepriester, die Theologen und Geistlichen kennen die Antwort der Hl. Schrift, geben sie weiter – und glauben sie offensichtlich selbst nicht. Daher lässt Bach auch nicht sie diese Antwort als Chor singen, sondern übergibt sie dem Evangelisten. Die Botschaft der Schrift erklingt als Verheißung Gottes. In wunderbaren, lieblichen Tönen hören wir sie und werden auf Bethlehem verwiesen: Dort ist der Christus geboren worden, dort ist Gott zu finden.

 

Was die weisen Sterndeuter in große Freude versetzt, ist für uns wohl zu altbekannt. Da gleichen wir alle den Theologen und Schriftgelehrten. Doch was geschieht, wenn wir drin bleiben in dieser Geschichte Gottes mit den Menschen?

 

 

Terzett (Sopran, Tenor und Alt):

Ach, wenn wird die Zeit erscheinen? Ach, wenn kömmt der Trost der Seinen?

Schweigt, er ist schon würklich hier! Jesu, ach so komm zu mir!

 

 

 

 

Wenn wir drin bleiben in dieser Geschichte Gottes mit den Menschen, begegnet uns die Sehnsucht: Wann wird die Zeit erscheinen, wann kommt der Trost der Seinen? Vielleicht ist dies besonders eine Aufforderung an uns Theologen, die wir die Schrift zu kennen meinen, aber lieber analysieren als praktizieren? Vielleicht ist dies eine Aufforderung an alle, die so gut Bescheid wissen über den Glauben und das Christentum, seien es Fromme oder Kritiker. Die Aufforderung hieße: Nehmt in euch und in der Welt die Sehnsucht nach Gott wahr; legt sie frei, wenn sie verschüttet ist; facht sie an, wenn sie zu erlöschen droht – die Sehnsucht nach Gott, die Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Frieden, die Sehnsucht nach Lebenserfüllung.

Erst wenn die Sehnsucht Sprache gewonnen hat in den drängenden Fragen des Soprans und des Tenors, der Frauen und Männer, antwortet die Stimme des Glaubens: „Schweigt, er ist schon wirklich hier!“ Gott ist schon hier und lässt sich finden.

Aber was heißt „hier“ und wo ist das? Bei Herodes ist es nicht, und im historischen Bethlehem wohl auch nicht. Bach vertont das Terzett so, dass zum einen die musikalisch Kundigen den Rhythmus des Wiegenliedes wiedererkennen, den der Alt in der 2. und 3. Kantate schon an der Krippe gesungen hat; zum anderen behält die Stimme des Glaubens das letzte Wort in diesem Terzett; am Ende findet sie aber nicht wie bei den vorherigen Sequenzen in die Mittellage zurück, sondern wird unerwartet abwärts, in die Tiefe geführt. Genauso wird auch das „et incarnatus“ im Glaubensbekenntnis der h-Moll-Messe vertont. Gott wird Mensch in Jesus Christus, steigt in die Tiefe herab, wird klein und schutzlos in der Krippe; Gott gerät ins Fleisch, ist verletzlich und berührbar.

Das hat Bedeutung und Auswirkung für alle Zeit. Immer neu und immer wieder verkündet die Kirche Jesu Christi: Gott ist in Christus zu finden. Gott ist ein menschenfreundlicher Gott und verändert dadurch die Maßstäbe: Kleines wie Bethlehem wird groß, Großes wie die Wissenschaftler und Sterndeuter werden klein, wenn sie finden und anbeten und werden dann erhöht, wenn sie zurückkehren; Falsches und Böses wie Herodes hat nur begrenzte Macht; Dunkles wie meine Sinne, mein Herz und Verstand finden zum Licht.

Gottes Licht ist kein verletzender Laserstrahl, sondern ein Strahl der Gnade und so kraftvoll wie viele Sonnen. Wenn er uns erleuchtet, wird die finstere Grube hell und neu, wird Sehnsucht gestillt, wird Träges in Bewegung gesetzt. Gott ist schon hier. Freue dich, vertraue, lass dich verwandeln, o Christenheit, und lobe Gott.

 

 

Alt:

Mein Liebster herrschet schon.
Ein Herz, das seine Herrschaft liebet
Und sich ihm ganz zu eigen gibet,
Ist meines Jesu Thron.

 

Choral:

Zwar ist solche Herzensstube
Wohl kein schöner Fürstensaal,
Sondern eine finstre Grube;
Doch, sobald dein Gnadenstrahl
In denselben nur wird blinken,
Wird es voller Sonnen dünken.

 

 

 

 

Lasst uns gemeinsam Gott ehren und Ihm Lob und Dank bereiten mit dem Bekenntnis des Glaubens:

 

 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde,

 

und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;

von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

 

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten

und das ewige Leben.

Amen.

 

 

Lied: „Ich steh an deiner Krippen hier...“ (V.1-3+9)

 

 

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Letzte Änderung: 14.01.2013
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