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Aktuelles

14.04.2017: Prof. Dr. Martin-Christian Mautner über Jes 53,1-12

Karfreitag – 14. April 2014 (Peterskirche Heidelberg)

Prof. Dr. Martin-Christian Mautner, Pfr.

 

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.

 

Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja im 53. Kapitel (Jes. 53, 1-12 (Lied vom leidenden Gottesknecht)):

 

„Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und wem ist der Arm des HERRN offenbart?

Er schoss auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich.

Er hatte keine Gestalt und Hoheit.

Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte.

Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit.

Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet.

Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen.

Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre.

Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen.

Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.

Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg.

Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn.

Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf.

Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen.

Wer aber kann sein Geschick ermessen?

Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat meines Volks geplagt war.

Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist.

So wollte ihn der HERR zerschlagen mit Krankheit.

Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und in der Länge leben, und des HERRN Plan wird durch seine Hand gelingen.

Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben.

Und seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt meine Sünden.

Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben, und er soll die Starken zum Raube haben, dafür dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.“

 

„Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken,

mich in das Meer der Liebe zu versenken,

die dich bewog, von aller Schuld des Bösen

uns zu erlösen.“

 

 

Liebe am Kreuz versammelte Gemeinde,

 

wie haben wir soeben vernommen: „Fürwahr, er trug unsre Krankheit.“

Unsere Krankheit trug er?

Wie kann das denn sein, dass einer meine Krankheit trägt?

Der Gedanke hat ja etwas:

Die lästige Grippe, die mich jetzt über zwei Wochen geplagt hat – der Kopfschmerz, der Husten, die Bindehautentzündung, die sich dazugesellte...

All das übertragen auf einen andern.

Eigentlich gar keine schlechte Idee!

Soll er daran tragen, wenn es denn so sein soll ...!

 

Ein merkwürdiger Gedanke!

Scheint er zunächst völlig abwegig, so können wir ihm, glaube ich, bei weiterem Erwägen durchaus etwas abgewinnen.

Allerdings nur, um ihn dann doch wieder beseite zu schieben.

Denn: Was nützt ein Arzt, den die Krankheiten seiner Patienten umbringen?

Was hilft es, wenn einer alle Gebrechen auf sich nimmt – nur, um dann unter der Last des Aufgeladenen zusammenzubrechen?

 

Offenbar kommen wir so nicht weiter im Verständnis dessen, was uns gesagt ist.

Wir werden wohl anders fragen müssen, was das heißt: „Fürwahr, er trug unsre Krankheit.“

Meine und Ihre...

 

Wenn jemand zu einem anderen sagt: Du machst mich krank!

Dann meint er gewiss etwas Anderes als: Du steckst mich mit deiner Grippe an...

Du machst mich krank! Das ist vielmehr der verzweifelte Ausruf eines, der mit einem Anderen nicht klar kommt, der leidet hinsichtlich der Beziehung zu dem Andern, dem das Miteinander und Gegenüber zur Qual geworden ist.

Du machst mich krank!

Was an uns kann so ungesund sein, dass einer deswegen krank wird?

 

Nun, da brauchen wir gar nicht lange zu suchen, um entsprechende Beispiele zu finden – leider!

Wenn eine Partnerschaft, voller Zuversicht begonnen, in Missachtung erkaltet, durch Egoismen erstarrt und in Lieblosigkeit und Rücksichtslosigkeit gefriert...

 

Wenn eine einst gute Nachbarschaft durch Misstrauen und Argwohn derart beschädigt ist, dass sie nur noch zu Unterstellungen und Vorwürfen führt – wenn sich eine Begegnung schon nicht ganz vermeiden lässt...

 

Wenn ein kollegiales Verhältnis am Arbeitsplatz durch Konkurrenzgebaren vergiftet ist – und jedes Mittel recht scheint, den jeweils andern schlecht dastehen zu lassen; Ausgrenzung, Intrige, Mobbing  sind die toxischen Ingredienzien einer Beziehungsvergiftung.

 

O ja, auch im Ganzen der Gesellschaft gibt es reichlich krankmachende Lebensbedingungen: Bevölkerungsgruppen werden etikettiert und ausgegrenzt, erhalten keine Teilhabe, werden ignoriert und gemieden...

 

Und zwischen den Völkern sieht es auch nicht besser aus:

Wo wir hinschauen, keimt das Gegeneinander, glimmt Ablehnung, flammt auf im Hass, eskaliert in Gewalt, explodiert zum Bürgerkrieg oder Krieg...

 

„Du machst mich krank!“

Der Weg von einer Störung des Miteinanders zu einem Beziehungsinfarkt ist erschreckend kurz.

Das wissen wir wohl.

 

Der, von dem es heißt, dass er die Krankheit trägt, kennt sie auch alle – diese Beziehungsinfarkte.

Davon weiß der Prophet ein Lied zu singen - vom Allerverachtetsten, dem Unwertesten, dem

Geplagten, dem Geschlagenen und Gemarterten.

 

„Du machst mich krank!“

Mit Blick auf gestörte und zerstörte Beziehungen unter uns Menschen ist uns das klar und plausibel.

Das kennen wir – und wir leiden auch selbst darunter.

 

Aber gilt das nicht ebenso auch und in besonderem Maße  für die Beziehung, die Gott zu uns Menschen hat?

Er hat uns ins Leben gerufen, hat eine Partnerschaft mit uns begonnen, voller Zuversicht.

Und er muss erleben, wie seine geliebten Menschen sich von ihm abwenden – und die herzlich warme Beziehung in Missachtung erkaltet, durch Egoismen, die Angst zu kurz zu kommen, erstarrt, und in Lieblosigkeit, Rücksichtslosigkeit und – fast schlimmer noch – Gleichgültigkeit gefriert.

Die unzähligen Beziehungsinfarkte unter uns in Partnerschaften, zwischen Nachbarn, unter Kollegen, zwischen gesellschaftlichen Gruppen oder auch ganzen Völkern sind letztlich Symptome des Infarkts der Beziehung – nennen wir ihn Sünde - von uns Menschen zu Gott.

 

Das macht Gott krank.

Wundert uns das etwa?

Schließlich ist Gott einer, dem Beziehungen wie nichts sonst wichtig sind – er hat uns als sein Gegenüber geschaffen hat (Gen. 1, 26f.), er will helfend mit uns sein bei allem, was wir tun (Jos. 1, 9), er hat sich eidlich verpflichte bei uns zu sein und zu bleiben alle Tage bis ans Ende der Welt (Mt. 28, 20).

Er bezieht auf sich, was wir den andern antun.

Hat er nicht gesagt: „Was ihr getan habt einem von diesen..., das habt ihr mir getan“ (Mt. 25, 40)

 

Ich erschrecke und frage mit Bangen und Zagen:

Wer kann mich von den Folgen dieses Beziehungsinfarkts heilen?

Wer kann meine Schuld tragen?

Wer kann sie forttragen, wegschaffen, beseitigen aus meinem Leben?

 

Liebe Gemeinde.

 

Gewiss nicht von ungefähr hat die älteste überlieferte christliche Textpredigt gerade den Abschnitt aus dem Buch des Propheten Jesaja zum Gegenstand, den wir gehört haben.

Der Apostel Philippus legt ihn dem Kämmerer aus Äthiopien aus, mit dem er gemeinsam im Reisewagen sitzt (Apg. 8, 26ff.).

Der Kämmerer stellt dieselben Fragen wie wir:

„Von wem redet der Prophet das?“ (Apg. 8, 34)

Wer kann meine Schuld tragen?

Wer kann sie forttragen, wegschaffen, beseitigen aus meinem Leben?

 

Philippus aber tat seinen Mund auf und fing mit diesem Wort der Schrift an und predigte ihm das Evangelium von Jesus (Apg. 8, 35)

Der Weg Gottes in Jesus Christus hin zum Menschen, der sich von ihm abwandte, ist also die Antwort – der Weg vom Stall durch die Straßen und Gassen, über die Plätze der Orte, über Höhen und durch Tiefen, bis hin zum Kreuz...

Der Weg unbeirrter göttlicher Solidarität, die auf sich nimmt, duldet, mitleidet, trägt und erträgt...

 

Mir ist das nirgendwo eindrücklicher gefasst als in der Kreuzigungsszene, die Mathias Grünewald für seinen bertühmten „Isenheimer Altar“ gemalt hat. Den Kranken, die mit den schrecklichen Symptomen des sogenannten Antoniusfeuers, einer Mutterkornvergiftung, in der Klosterkirche vor dem Altar gebettet liegen, zeigt er den ebenso entstellten Körper des mitleidenden Gottes, damit sie wissen: Gott liebt euch auch jetzt, er hat euch nicht verlassen – und wird es niemals tun.

 

„Fürwahr, er trug unsre Krankheit...“

Dieses Tragen, dieses Ertragen bis ans Kreuz schafft - im Wortsinn! - den Neuanfang im Frieden, in dem Schalom, von dem Jesaja spricht.

In diesem Sinne wird das Holz des Kreuzes, dieses Marterinstruments, zum Lebensbaum, der grünt, Blätter treibt und Blüten – und schließlich Früchte trägt.

 

Man möchte seufzen und sagen: Kein Tag vergeht, ohne dass Christus irgendwo auf der Welt noch einmal gekreuzigt wird.

Wohl wahr...

Aber es vergeht auch kein Tag, an dem Menschen nicht erfahren: ER hat unser Leben geheilt.

Unsere Gemeinschaft ist durch ihn genesen. Die Krankheit, deren Ursache wir selbst waren, ist kuriert.

Gott sagt nicht mehr: Du machst mich krank!

Sondern er blickt uns wieder ins Gesicht.

Deshalb brauchen wir uns auch nicht immerfort kränken – selbst und gegenseitig.

Wir sind geheilt uns anzuschauen: uns, den Andern – weil Gott uns ansieht.

 

Der Friede Gottes, der viel größer und schöner ist, als wir denken und sagen können, bewahre eure Herzen, eure Sinne und euren Verstand in Christus Jesus, denn: durch seine Wunden sind wir geheilt..

 

Amen

 

 

EG 96, 1-6

 

 

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Letzte Änderung: 27.02.2018
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