17.02.2013 - Präsident Dr. Johannes Stockmeier über Lk 22,31-34

 

OKR Johannes Stockmeier

Präsident

Diakonie Deutschland – Evangelischer Bundesverband

 

 

 

 

 

Predigt

17. Februar 2013 Invokavit

Peterskirche Heidelberg, 10.00 Uhr

 

 

 

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus,

die Liebe Gottes und

die Gemeinschaft des Heiligen Geistes

sei mit Euch allen.

Amen

 

 

 

 Liebe Gemeinde,

 

den Predigttext zu diesem ersten Sonntag der Passionszeit hören wir aus dem Evangelium nach Lukas im   22. Kapitel, Verse 31-34:

 

Mit diesem Kapitel beginnt in diesem Evangelium die Passionsgeschichte. Nach dem Hinweis auf den Verrat des Judas folgt der Bericht über das erste Abendmahl. Der mündet ein in einen Streit der Jünger und in diesem Wortwechsel zwischen Jesus und Simon Petrus, auf den wir jetzt hören:

 

 

31Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen.

32 Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dereinst dich bekehrst, so stärke deine Brüder.

33Er aber sprach zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen.

34Er aber sprach: Petrus, ich sage dir: Der Hahn wird heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet hast, dass du mich kennst.

 

 

Liebe Gemeinde,

 

welch ein Wortwechsel nach dem Abendmahl. Nichts von ergriffener Hochstimmung oder hoch feierlichen Gefühlen, Freude an Gemeinschaft –

sondern schonungsloser Blick nach vorn. Fast unerträglich – diese Gegensätze, die in diesem Kapitel der Bibel aneinander rücken:

 

Das Mahl – das Wort von Jesus: „Mich hat herzlich verlangt mit euch zu essen, ehe ich leide.“ Mit dem Brot in den Händen: Mein Leib für euch gegeben.

Mit dem Kelch in den Händen: Mein Blut – für euch vergossen.

 

Dann: Zerrissene Gemeinschaft.

 

Petrus – dreimal wirst du sagen „Den kenne ich nicht.“

 

Liebe Schwestern und Brüder,

in diesem Wortwechsel blitzt auf, worum es in der Passionszeit geht.

Um Jünger, die bekennen und verraten.

Um Gemeinschaft, die zerbricht.

Um Frauen und Männer, die nicht halten, was sie versprechen.

 

Um Getaufte, Konfirmierte und Gefirmte, um Gewalt und Ordinierte, die durcheinander gerüttelt werden von der Versuchung, je nach Lage auf dumm dreiste genauso wie auf hoch gebildete kritische Distanz zu dem Jesus zu gehen, der verraten und gequält am Kreuz einen furchtbaren Tod stirbt.

 

Was rüttelt die Christenheit von Anfang an so durcheinander, dass so schnell beliebig wird, was mit Glaube und Gemeinde, mit Bekenntnis und Zeugnis zu tun hat?

Der Wortwechsel – die Warnung vor dem Durcheinanderbringen des Teufels – wird überhaupt noch gehört?

 

Das Bekenntnis aus dem Heidelberger Katechismus (Frage 123 und Antwort darauf), das wir vorhin als Glaubensbekenntnis gesprochen haben, kommt das noch vor in unseren Kirchen? Zerstöre die Werke des Teufels …

 

Welche Chancen hat der Heidelberger Katechismus diesseits des Jubiläums mit solchen Inhalten in Tagesordnungen von Kirchensynoden, Gemeinderatssitzungen in Andachten, in einem Elternabend für Konfirmanden?

 

Wie sieht's aus mit Frage 123 und Antwort darauf als Überschrift und Anstrengung bei Gemeindevisitationen?

 

Was ist da los, wenn in unzähligen Gemeindevisitationen die Ernte von Harmlosigkeiten eingefahren wird?

 

Die Gemeinde ist nett. Pfarrer und Pfarrerinnen sind nett. Die Gottesdienste sind nett. Die Beziehungen zu Vereinen und dem Rathaus sind nett. Und das Verhältnis zwischen Haupt-, Ehren- und Nebenamtlichen in der Gemeinde ist besonders nett.

 

Was ist da los, wenn die Barrieren zwischen Kirchen gepflegt und gehegt werden und die Gemeinschaft am Tisch des Herrn unverändert verweigert wird?

 

Unzählige Fragen finden hier diese Antwort:

„Simon, Simon, siehe der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen!"

 

Hören wir bei dieser Antwort bitte genau hin. Verzichten wir bitte auf allen Hochmut, mit denen wir dieses auf den Namen bringen der Macht des Bösen in der Bibel für überholt erklären.

 

Maßen wir uns doch nicht an, Jesus ins Wort zu fallen:

 

Hör doch auf  mit dem Satan. Den haben wir im Licht der Aufklärung endgültig verabschiedet. Der ist im Jahr 2013 schon längst wegrationalisiert.

 

Haken wir so billig die biblische Rede vom Satan nicht ab und hören wir Jesus wirklich zu, dann kommen wir dem nahe, was Passionszeit  mit uns vorhat.

 

Dann hören wir in diesem Wort von Jesus seine Anspielung auf die Geschichte mit Hiob. Dann holt er unser Leben in diese Geschichte hinein.

 

Direkte Rede im Wort von Jesus: Euch  begehrt der Satan!

Der Nein-Sager zu allem, was Gott tut: Der ist hinter euch her. Der ist  hinter mir her.

 

Hiob und seine Geschichte:

 

Es ist nicht zu begreifen, dass Gott das Prüfbegehren des Satans zulässt. Die Schriftlesung aus dem Anfang der Bibel heute Morgen löst das Rätsel um die Schlange nicht auf, sondern erzählt, dass sie da ist.

 

Im Buch Hiob erfahren wir, dass Gott dem Satan Raum lässt  für sein Durcheinanderbringen. Für dieses Rüttelsieb, auf dem alles durchgerüttelt wird.

 

Dabei des Satans Überzeugung:

Der Glaube – nur ein Geschäft auf Gegenseitigkeit.

Gute Zeiten – guter Gott.

Schlechte Zeiten – schlechter Gott.

Treue Leute im Gottesvolk? – Aber nur wenn sie bestätigt sehen können, dass ihnen dabei nichts Schlimmes widerfährt. Wo dieses Sieb gerüttelt wird?

Eben nicht nur in einer gottlos finsteren Welt  – ja, da auch.

 

Aber bestürzender ist doch, dass dieses Sieb dort steht, wo Petrus richtig stark und feurig und überzeugt ist. Wo Petrus und mit ihm Kirche so richtig von sich selbst überzeugt ist.

 

Bestürzend ist doch, dass dieses Sieb neben dem Abendmahlstisch steht – hier: mittendrin in seiner Gemeinschaft mit Frauen und Männern. Der Verrat des Judas.

 

In dieser Gemeinschaft die Jünger, die seine Angst verschlafen im Garten Gethsemane.

 

An diesem Tisch die Gemeinschaft der Wegläufer: "Sie flohen alle.“

In dieser Tischgemeinschaft der Petrus, dessen Treueschwur die Nacht nach der Verhaftung nicht überlebt.

 

„Der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen.“

 

Mit Petrus sind wir angesprochen und gemeint. Das ist Passionszeit.

 

Oder – woher nehmen wir den Hochmut uns einzubilden, der in dem Buch Hiob, in den Evangelien und den Briefen des Neuen Testaments und dem Heidelberger Katechismus immer wieder zur Sprache kommende Satan mache einen Bogen um unsere Zeit und um mein Leben?

 

Der Heidelberger Katechismus – 14mal kommt er auf den Teufel zu sprechen  - peinlich? Oder: naja, das ist halt historisch.

 

Die bedrohliche Harmlosigkeit von Kirche – hat sie damit zu tun, dass sie zu feige geworden ist, um es mit dem Teufel aufzunehmen? Langt uns das, was im Jahr 2013 in unserer Welt mit mörderischen Folgen durcheinandergeraten ist immer noch nicht?

 

Stehen wir denn mit analytischer Vernunft über den furchtbaren Konflikten, in denen in der Völkerwelt das Töten nicht aufhört?

 

Stehen oder besser: liegen wir mit dem „richtigen Bewusstsein“ ausgestattet über dem Widerspruch zwischen unseren unbezähmbaren Ansprüchen nach mehr Freizeit und Wohlergehen und Lebenslust und Selbstverwirklichung auf der einen – und dem Elend der Armen in Asien auf der anderen Seite, die zu Hungerlöhnen die Sonderangebote bei uns produzieren müssen?

 

Stehen wir „darüber“, dass sich in unserem Land Armut verfestigt und Reichtum verfestigt?

 

Stehen wir „darüber", dass so viele im Zusammenleben mit allernächsten Menschen so durcheinander gerüttelt werden, dass die Wartelisten der Beratungsstellen lang und länger werden?

 

„Simon,  Simon, der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen ..."

 

Lassen wir dieses Wort von Jesus an Simon Petrus an uns herankommen, dann beginnen wir zu ahnen, was es bedeutet,  wenn Jesus in dieses unaufhörliche und undurchschaubare Durcheinander-gerüttelt-werden hinein sagt:

 

"Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre."

 

Er hält, was am Tisch versprochen ist.

Er kündigt die Gemeinschaft nicht auf.

Er lässt sich vom Durcheinanderbringen nicht verwirren.

Er bleibt dran an dieser Welt und an meinem Leben. An seiner Kirche. An Petrus.

 

Wissen wir um dieses Gebiet von Jesus für uns?

 

Leben wir mit seinem Gebet für uns? Nehmen wir dieses Gebet hinein in die Gemeinde und in die Kirche?

 

Welche Kraft dieses Gebet hat und wie weit dieses Gebet reicht – Petrus bekommt es über Verrat und Flucht hinaus zu hören:

 

Wenn du dich dereinst bekehrst, so stärke deine Brüder.

 

Weil Jesus für ihn betet, gibt es diesen Weg nach Verrat und Beschämung und heulendem Elend.

 

Weil Jesus für ihn betet, wird er der Petrus, der nicht mehr leugnet, Jesus zu kennen.

 

Weil Jesus für ihn betet, geht für Petrus der Weg durch das Sieb hindurch weiter.

 

Sehenden Auges und hörenden Ohres  wird er Schwestern und Brüder stärken.

 

 

Passionszeit – mit diesem Wortwechsel aus Lukas 22  kein mental gedämpftes Zwischentief im Kirchenjahresverlauf, sondern neuer Mut zum Hören und Glauben und zum Widerstehen. Neuer Mut, seinem Gebet und den Gaben an seinem Tisch zutrauen, was über meine Kräfte hinausgeht und hinausgehen muss. Damit leben und hoffen, dass sein Gebet die Kirchen verändert und in ihnen folgenlose Nettigkeiten genauso bezwingt wie alle Selbstüberhöhungen.

 

Und der Satan mit seinem Rüttelsieb?

 

Wer  mit dem Wortwechsel aus Lukas 22 unterwegs bleibt hin zum Kreuz auf Golgatha und zum Ostermorgen, der ist nie fertig mit dem, was aus dem Wort Gottes hier zu hören ist. Der belässt das alles nicht in einem Beschweigen, sondern nimmt  auf eigene Lippen, was im Bekenntnis gegen des Teufels Macht ausgesprochen und in Liedern gegen ihn besungen wird.

 

Zum Beispiel mit Frage 123 und der Antwort darauf: „Erhalte und mehre deine Kirche, und zerstöre die Werke des Teufels und alle Gewalt, die sich wider dich erhebt und alle bösen Ratschläge, die wider dein heiliges Wort erdacht werden …“

 

Um weniger geht es nie, wenn wir Gemeinde sind. Wenn wir festhalten an der Gemeinschaft im Glauben und gemeinsames Singen und Beten und Hören. Gegen das Rüttelsieb kommt niemand alleine durch. Schon gar nicht ohne Jesus Christus unseren Herrn.

 

Dafür braucht es Gemeinschaft. Dafür braucht es das gemeinsame Bekenntnis. Und der Teufel – liebe Mitglieder des ESG-Chores - der wird nach einem Hinweis von Luther in Liedern besonders wirksam bekämpft.

 

Nehmen wir den Wortwechsel mit,  wenn wir Gäste sind am Tisch von Jesus Christus und danach mit Gottes Segen zum Stärken der Schwestern und Brüder hinausgesandt sind in alle Welt.

 

Amen.

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Letzte Änderung: 21.02.2013
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