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18.12.2016: Prof. Dr. Rainer Albertz über Hes 17,22-24

Predigt zum 4. Advent

 am 18.12.2106 in der Heidelberger Peterskirche

 

Predigt: Prof. Dr. Rainer Albertz

 

Liebe Universitätsgemeinde,

Wenn wir in einer Woche Weihnachten feiern, dann dürfen wir das, weil Gott seine messianischen Verheißungen, die er über die Jahrhunderte seine Propheten hat verkünden lassen, wirklich wahr gemacht hat. Mit der Geburt seines Sohnes Jesus Christus hat er seiner Zuneigung zu seinen Geschöpfen für viele sichtbar und erfahrbar Ausdruck verliehen und seine rettende Herrschaft über die Welt erkennbar aufgerichtet. Darüber dürfen wir uns, darüber können wir uns alle freuen.

Doch, liebe Gemeinde, haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie schwer wir Geschöpfe es Gott häufig gemacht haben und immer wieder machen, treu zu seinen Verheißungen zu stehen? Davon zeugt die messianische Verheißung aus dem 17. Kapitel des Buches Ezechiel, die uns die neue Perikopenordnung für den heutigen Sonntag zu bedenken ans Herz gelegt hat. Dort heißt es in den Versen 22–24:

22

So spricht Gott, der Herr:
Dann will ich selber vom Wipfel der hohen Zeder nehmen
und einsetzen,
von der Spitze ihrer Sprossen werde ich ein zartes (Reis) abpflücken und werde es selber auf einem hohen und erhabenen Berg einpflanzen.

23

Auf den hohen Berg Israels will ich es pflanzen. Und es wird Geäst tragen und Frucht treiben und zu einer prächtigen Zeder werden.
Unter ihr werden alle Vögel wohnen, alles Geflügelte wird im Schatten ihrer Zweige wohnen.

24

Und alle Bäume auf dem Felde werden erkennen,
dass ich der Herr bin, der ich einen hohen Baum erniedrigt und einen niedrigen Baum erhöht habe,
der ich einen frischen Baum vertrocknen und einen vertrockneten Baum erblühen ließ.
Ich, der Herr habe geredet und führe es aus.

 

Liebe Gemeinde, für sich allein gelesen, klingt diese majestätische, in immer neuen Anläufen dahinrollende Verheißung Gottes erst einmal ganz beruhigend und lässt kaum etwas von dem Schmerz Gottes erkennen, den sie ihn gekostet hat. Gott verspricht, aus einem kleinen, zarten Reis, den er von der Spitze einer Zeder abgepflückt hat, einen Setzling zu ziehen, den er auf dem hohen Berg Israels einpflanzen wird, sodass dieser zu einer prächtigen Zeder heranwächst, die den Vögeln Schutz und Nahrung bietet. Ein schönes Bild, wie Gott aus unscheinbaren Anfängen einen großen, wunderschönen, Leben spendenden Baum schafft. – Hat einer von Ihnen schon einer mal vor oder unter einer Libanonzeder gestanden? Ganz in der Nähe meiner Wohnung in Neuenheim, vor der Johanneskirche wächst eine solche Zeder, an die 20 Meter hoch, die mit ihren starken, nach allen Seiten gewundenen Ästen ein breites Dach über dem Vorplatz bildet und stolz ihre vielen, riesigen Zapfen auf ihren Zweigen trägt. Man kommt sich unter ihr ganz klein, aber auch irgendwie beschützt vor. Dabei ist dieser Baum mit seinen 60–70 Jahren für eine Zeder noch blutjung, eine fast 300 Jahre alte Libanonzeder wächst im Schlosspark von Weinheim, sie überragt die menschliche Lebenszeit schon bei weitem. Hoch im Libanon werden die Zedern sogar bis zu 2000 oder 3000 Jahre alt. So könnte es – unter den durch die Weltkriege stark dezimierten Beständen – noch einige Zedern auf dem Libanongebirge geben, welche die Geburt Jesu miterlebt haben. Ein inspirierender Gedanke! Kein Wunder, dass im Orient die Zeder als der König der Bäume galt und gilt und als Metapher für das Königtum und dessen beständige Herrschaft verwendet wurde.

Als JHWH dem Propheten Ezechiel seine Verheißung offenbarte, konnte von einer beständigen Königsherrschaft im kleinen Staat Juda keine Rede mehr sein. Im Gegenteil, die politischen Verhältnisse in den ersten beiden Jahrzehnten des 6. Jhs. v.Chr. waren ausgesprochen turbulent. Nachdem Juda mit dem Untergang des Assyrerreiches im letzten Drittel des 7. Jhs. wieder mehr Selbständigkeit erlangt hatte, musste sich der König Jojakim kurz vor der Jahrhundertwende der Macht des aufstrebenden Babylonierreiches beugen. Doch weil er leichtsinnigerweise schon nach drei Jahren seinen Vasallenvertrag aufkündigte, provozierte er einen Straffeldzug des Babylonierkönigs Nebukadnezar gegen Jerusalem im Jahr 598 v.Chr. Der junge König Jojachin musste die Schuld seines verstorbenen Vaters büßen. Er fasste in der belagerten Stadt den Entschluss, abzudanken und sich dem König Nebukadnezar zu ergeben, um damit Jerusalem vor der Zerstörung zu retten. Er wurde von Nebukadnezar zusammen mit seiner Familie und vielen Angehörigen der Oberschicht nach Babylonien deportiert (2. Kön 24,1–16). Diese Ereignisse sind gemeint, wenn Ezechiel am Anfang unseres Kapitels die Fabel erzählt, dass ein großer, bunt geschmückter Adler den Wipfel von der Libanonzeder abgepflückt und ins Krämerland Babylonien verschleppt habe (Ez 17,3–4), wie wir in der Lesung hörten. Die Zeder, d.h. das davidische Königtum, dem JHWH einst durch den Propheten Nathan einen ewigen Bestand verheißen hatte, war durch menschliche Schuld schwer lädiert. Der letzte regierende König saß als Geisel in fernen Babylon.

Mochte JHWH über diesen Ausgang der Ereignisse Trauer empfunden haben, so war er über den Fortgang der Geschichte tief enttäuscht. Nebukadnezar setzte den Onkel Jojachins, Zedekia, als Vasallenkönig in Juda ein, den Weinstock in Ezechiels Fabel. Er war bereit ihm vergleichbar gute Startbedingungen im reich bewässerten Saatfeld einzuräumen, dem Kleinstaat Juda eine Überlebensmöglichkeit zu bewahren, sofern ihm Zedekia treu ergeben war. Doch Zedekia wollte sich mit seinem abhängigen Status nicht begnügen. Als ein zweiter Adler, der Pharao Psammetich II., auf der Szenerie erschien, sah er seine Chance, ganz große Politik zu machen. Er schloss ein heimliches Militärbündnis mit Psammetich ab, lieferte ihm judäische Söldner für dessen Nubienfeldzug, um sich dafür im Gegenzug die schlagkräftigste ägyptische Waffe, Rosse und Streitwagen, zu verschaffen und sich der ägyptischen Militärhilfe gegen die Babylonier zu versichern. Derart politisch und militärisch gestärkt, meinte er, den Aufstand gegen die babylonischen Weltmacht wagen zu können und schreckte nicht einmal davor zurück, den persönlich gegenüber Nebukadnezar geleisteten Treue-Eid zu brechen. Würde er mit einer solch riskanten Machtpolitik Erfolg haben, die sogar internationales Recht verletzte, fragt Ezechiel? Ihr furchtbares Scheitern ließ nicht lange auf sich warten. Kaum hatte Zedekia sein Vasallenverhältnis aufgekündigt, starb der starke Pharao Psammetich unerwartet. Nebukadnezar ließ Jerusalem belagern, erobern und brandschatzen und bestrafte seinen untreuen Vasallen im Jahr 587 v. Chr. fürchterlich: seine Kinder wurden vor seinen Augen getötet, er selbst geblendet und in Ketten nach Babylon gebracht (2. Kön 24,17–25,21).

Liebe Gemeinde, nach dem Zeugnis des Propheten Ezechiel war es Gott selber, der Zedekias riskante Aufstandspolitik hat scheitern lassen und den Untergang Judas bewirkt hat. Nach ihm war es besonders der Bruch des Vasalleneides durch Zedekia, den JHWH als Hüter internationalen Rechts nicht hinnehmen wollte, sondern unerbittlich bestrafte (Ez 17,11–21). Mit einem Davididen, der sich in bodenloser Überheblichkeit eine politische Macht und Größe anmaßte, dass er meinte, religiös beeidete Verträge über Bord werfen zu können, wollte Gott nichts mehr zu tun haben. Er erniedrigte ihn tief und gab ihm dem Untergang preis. Dagegen war Gott bereit, dem König Jojachin, der mit seiner Abdankung den Weg der Niedrigkeit gegangen war, sich für sein Volk aufgeopfert hatte und inzwischen in babylonischer Geiselhaft saß (2. Kön 25,27), eine große Verheißung zukommen zu lassen: Er selber würde den Eingriff des großen Adlers Nebukadnezars rückgängig machen, würde ein zartes Reis vom Wipfel des Königtums Jojachins abpflücken und wieder auf einen hohen Berg in Israel einpflanzen. Gott würde mit einem Nachkommen Jojachins einen neuen Anfang machen und aus ihm ein erneuertes, eindrucksvolles davidisches Königtum wachsen lassen, die prächtige Zeder, von der wir in unserem Predigtext gehört haben. Es gab also Hoffnung, dass die Geschichte JHWHs mit seinem Volk auch nach dem Untergang Jerusalems weitergehen konnte. Gott blieb trotz aller Enttäuschung seiner Verheißung treu. Aber er qualifizierte aus seinen Enttäuschungserfahrungen heraus seine Treue in neuer Weise. Die anderen Völker sollten aus seinem Handeln an Jojachin und seinen Nachkommen erkennen, dass er ein Gott ist, der sich gerade den niedrigen, demütigen und scheinbar abgeschrieben Trägern von Herrschaft zuwendet und ihnen eine unerwartete Zukunft verleiht. War er doch seit der Herausführung Israels aus Ägypten eine befreiender und rettender Gott. Sie sollten aber am Schicksal Zedekias auch erkennen, dass JHWH solche Träger von Herrschaft, die sich Größe anmaßen und überheblich gebärden, unerbittlich richten und zu Fall bringen wird. Eine solche Herrschaft hat in Gottes Verheißung keinen Raum mehr.

Liebe Gemeinde, diese Verheißung Gottes hat sich in ihrem ursprünglichen Sinn nicht erfüllt, aber sie hat für alle Zeiten ein Zeichen gesetzt. Zwar erhielt ein Enkel Jojachins, Serubbabel, noch einmal eine wichtige Funktion beim Wiederaufbau des Jerusalemer Tempels, aber dann verschwand er von der politischen Bühne, wohl auch, weil viele Menschen im nachexilischen Juda nach den schlechten Erfahrungen mit den Königen der vorexilischen Zeit kein Königtum mehr wollten. So sehen wir auch schon im Ezechielbuch die Erwartung, dass Gott selber das Hirtenamt des Königs übernehmen wird, um für Gerechtigkeit zu sorgen (Ez 34), und dabei den irdischen Davididen einen Großteil ihrer Königswürde fortnimmt. Sie sollen nur noch als einfache „Fürsten“ (V. 24), ohne jede sakrale Aura, zusammen mit den Priestern und Vertretern der Laien das Gemeinwesen um den Tempel regieren (Ez 43–48). Symbolisiert die prächtige Zeder, die aus dem kleinen Reis erwächst, in diesem neuen Sinn die Durchsetzung der Königsherrschaft Gottes, dann ist auf der menschlichen Ebene eine Begrenzung und Teilung der politischen Macht angesagt. Die Verheißung, dass Gott seine Herrschaft in der Weise durchsetzt, dass er den hohen Baum erniedrigt, führt notwendig zur Depotenzierung und Entsakralisierung menschlicher Herrschaft. Eine politische Herrschaft, die sich selbst überhöht oder gar selbst vergöttlicht hat daneben keinen Raum mehr.

Liebe Gemeinde, es gehört zu den ganz großen Wundern unserer biblischen Geschichte, dass Gott seine einmal aus Trauer und Enttäuschung gegebene Verheißung, die im Ezechielbuch aufbewahrt wurde, nach einem halben Jahrtausend wahr gemacht hat, und zwar auf eine so erstaunliche Weise wahr gemacht hat, wie sie kaum jemand erwartet hätte: Gott ist bei der Aufrichtung seiner Herrschaft selber den Weg der Niedrigkeit gegangen, für den er einst Jojachin seine Treue zugesagt hatte. Er, der Schöpfer der Welt und Herr der Geschichte, ließ seinen Sohn als ein als kleines, verletzliches Kind zur Welt kommen, das sogleich vom irdischen Herrscher bedroht wurde, aber entkam. Der Messias Jesus ist das zarte Reis aus Davids Stamm, das von Gott neu in die Welt eingepflanzt wurde. Jesus verkündete die Nähe des Reiches Gottes, indem er sich gerade den Armen, den Kranken und Ausgestoßenen der Gesellschaft zuwandte. Und er ging diesen Weg der Niedrigkeit bis zum Tod am Kreuz, mit dem er unser aller Schuld auf sich nahm. Darum wurde er von Gott auferweckt und „über alles erhöht und ihm ein Namen verliehen, der über alle Namen ist“, wie es ein alter Christushymnus besingt (Phil 2,9). Jesus wurde zur prächtigen Zeder als Symbol einer Gottesherrschaft, die den Niedrigen aufhilft, aber die Mächtigen erniedrigt.

Liebe Gemeinde, wie grundlegend die beiden Testamente unserer Bibel an dieser Stelle übereinstimmen, sehen Sie daran, dass auch Maria genau dieses, die Rangordnung der irdischen Welt umkehrende Handeln Gottes in ihrem Loblied vor der Geburt Jesu besingt, wie wir in der Evangeliumslesung gehört haben:

 

Luk 1,51

Gewaltiges hat er vollbracht mit seinem Arm,
zerstreut hat er die hochmütig sind in ihrem Herzen.

52

Mächtige hat er vom Thron gestürzt
und Niedrige erhöht.

53

Hungrige hat er gesättigt mit Gutem
und Reiche hat er leer ausgehen lassen.

 

Was in der Verheißung Ezechiels für Israel galt, gilt nun, mit der Geburt Jesu, für die ganze Welt. Dies hat nun aber auch für uns heute einige Konsequenzen: Unser Staunen über das Weihnachtswunder, unser Staunen darüber, dass Gott bei der Aufrichtung seiner Herrschaft den Weg der Selbsterniedrigung gewählt hat, um uns aus unserer Niedrigkeit zu retten, ist nur dann echt, wenn es auf unserer Seite jede Form von Machtanmaßung, Hochmut und Überheblichkeit ausschließt. Zu aller Weihnachtsfreude gehört eine selbstkritische Demut notwendig hinzu, weil der Gott, der sich im Jesuskind als unser Heiland offenbart, zugleich ein Gott ist, der Hochmütigen zerstreut, die Mächtigen vom Thron stürzt und die Reichen leer ausgehen lässt.

Ich habe gerade ein an die Tausend Seiten umfassendes Tagebuch gelesen, das ein gewisser Friedrich Kellner aus Laubach bei Gießen in den dunkelsten Jahren unserer jüngeren deutschen Geschichte, von 1939 bis 1945, geschrieben und dazu viele Zeitungsartikel aus dieser Zeit eingeklebt hat. Es sind vor allem zwei Dinge, an denen dieser aufrechte Justizrat, der selber noch im 1. Weltkrieg mitgekämpft hat, aber in mutiger Opposition zu den Nazis lebt, fast verzweifelt. Da ist erstens die regelrechte Vergötterung des Führers als des genialsten Feldherrn aller Zeiten, die nicht nur durch die gleichgeschaltete Presse betrieben wurde sondern ihm in fast allen Gesprächen, die er in seinem Umfeld führte, in Form einer naïven Heilsgläubigkeit aus der Bevölkerung entgegenschlug. Hitler wird England erobern, Hitler wird Russland auslöschen, Hitler wird uns retten, solche Bekenntnisse waren kaum hinterfragbar, auch dann nicht, als der Untergang sich schon abzeichnete. Ich wage mir kaum vorzustellen, wie enttäuscht und erbittert Gott gewesen sein muss, dass viele, viele Christen in Deutschland während dieser Zeit zu Weihnachten die Ankunft des Gottessohnes in seiner Niedrigkeit feierten und gleichzeitig die politische Herrschaft Adolf Hitlers derart überhöhten, ja, vergötzten. Doch wir wissen: Gott hat auch diesen Tyrann vom Thron gestürzt und uns Christen in Deutschland, auch denen, die immer noch der Monarchie nachtrauerten, eine Lektion erteilt, nämlich die Demokratie als die Form von politischer Herrschaft zu akzeptieren, die Machtanmaßung durch Kontrolle und Gewaltenteilung soweit wie möglich verhindert. Dafür können wir ihm noch heute unendlich dankbar sein. Seltsamerweise regt sich zur Zeit überall, auch bei uns, schon wieder die Sehnsucht nach „dem starken Mann“, einem politischen Führer, der in der Lage wäre, alle uns bedrängenden Probleme mit einem Schlag zu lösen. Die Weihnachtsbotschaft heute, im Jahr 2016 nach Christi Geburt, hören, heißt, dieser Sehnsucht nicht nachzugeben, ihr standhaft zu widersprechen und sie im Vertrauen auf den wahren Gott als Götzendienst zu entlarven.

Doch noch etwas Zweites drückt Friedrich Kellner beim Schreiben seines Tagebuches ständig auf die Seele: Das ist eine scheinbar unausrottbare deutsche Überheblichkeit, die er schon aus dem Kaiserreich kannte und die von den Nazis noch rassistisch unterfüttert und durch ständige Siegesmeldungen jede Woche neu hoch gekocht wurde. Und mir scheint, an dieser Stelle haben wir die Lektion Gottes, die er uns mit dem Sturz des Tyrannen geben wollte, noch nicht wirklich gelernt. Immer noch neigen wir dazu, unser Selbstwertgefühl zu steigern, indem wir andere schlecht machen, andere Nationen wie die Griechen oder die Italiener, Minderheiten in unserer Gesellschaft wie die Einwanderer oder die Flüchtlinge, Gruppen, denen wir nicht angehören, wie die Angehörigen anderer Religion oder Kollegen anderer Fachrichtungen. Diese angemaßte Überheblichkeit behindert nicht nur eine vernünftige, ausgleichende Politik in Europa (z.B. eine faire Kreditvergabe, bzw. einen Schuldenerlass für Griechenland), sondern verhindert auch innerhalb unserer Gesellschaft immer wieder die eigentlich so nötige Solidarität. Solche Überheblichkeit ist mit der Weihnachtsbotschaft, dass Gott sich in Jesus Christus erniedrigt hat, um uns Menschen in unserer Schwachheit aufzuhelfen, schlicht unvereinbar. Am Ende der Adventzeit ist für jede und jeden von uns Gelegenheit, noch einmal darüber nachzudenken, was sie oder er dem Christuskind dieses Jahr schenken möchte. Könnte da nicht der Verzicht auf jede Art von Überheblichkeit ein schönes Geschenk sein, das wir dem Christuskind vor die Krippe legen? Ich meine, es würde sich darüber freuen. Amen.

 

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Letzte Änderung: 22.12.2016
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