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19.02.2017: Ann-Kathrin Knittel über Lk 8,4-8

Predigt zu Lk 8,4 – 8, 19.02.2017 Peterskirche Heidelberg

Ann-Kathrin Knittel

 

4 Als sich aber eine große Volksmenge versammelte und sie aus jeder Stadt zu ihm hinkamen, sprach er in einem Gleichnis:

 5 Der Sämann ging hinaus, seinen Samen zu säen; und indem er säte, fiel einiges an den Weg, und es wurde zertreten, und die Vögel des Himmels fraßen es auf.

 6 Und anderes fiel auf den Felsen; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte.

 7 Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und indem die Dornen mit aufwuchsen, erstickten sie es.

 8 Und anderes fiel in die gute Erde und ging auf und brachte hundertfache Frucht.

Als er dies sagte, rief er aus: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

                               

Liebe Gemeinde,

ist das nicht ein schönes Gleichnis? So lebensnah, so selbsterklärend. Schon riecht man die Morgenfrische, sieht den Tau auf dem Acker glitzern, den Sämann mit festen Schritten und zugleich kräftigen und geschmeidigen Armbewegung durch die Furchen frischer Erde schreiten. Schon sieht man die Sonne am Horizont untergehen, ein leichter, lauer Wind fährt durch die Ähren, die vereinzelten Steine werfen lange Schatten, die Vögel ziehen am Himmel und selbst das Gestrüpp am Wegrand rundet das Gesamtkunstwerk ab. Jesus erzählt von einem Bauer, der das tut, was ein Bauer eben tut. Erzählt von der Erfahrung, die ein Bauer eben macht: nicht alles, was er ausgesät hat, geht auf. Wenn man auch den Eindruck hat, dieser Bauer wirft seinen Samen besonders sorglos durch die Gegend.

Und dann? Tja, „Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ Ebenso wie die Zuhörer Jesu in den Evangelien bleiben wir erstmal mit diesem Gleichnis allein zurück. Keine Erklärung oder Auslegung von Jesus selbst. Ganz drastisch wird das im Mk-Evangelium deutlich. Hier wird direkt erzählt, dass Jesus sich mit seinen Jüngern zurückzieht, nachdem er das Gleichnis von der vierfachen Saat vorgetragen hat. Nur ihnen, dem innersten Kreis erklärt er im Geheimen, was das Bild bedeutet. Auch im Mt-Evangelium fragen die Jünger „Warum redest du ihnen, den Menschenmengen, in Gleichnissen?“ (Mt 13,10) – Und die Antwort ist sinngemäß gleichermaßen irritierend wie verstörend: „Sie verstehen es sowieso nicht.“ In unserem Predigttext aus dem Lk- Evangelium ist die Szenerie nicht ganz so hart. Jesus schickt niemanden weg oder zieht sich zurück. Aber doch müssen ihn seine Jünger erst fragen, was das Ganze jetzt bedeuten soll; eine unaufgeforderte Zusatzlieferung der Auslegung gibt es nicht. Nur wer mehr wissen möchte, wer sich auf ein Gespräch einlässt, erfährt mehr. Jesus riskiert es missverstanden zu werden. Ebenso wie jede Predigt es riskiert, dass jeder von Ihnen sich einen anderen Reim darauf macht, wovon die Predigerin oder der Prediger wohl redet. Hätte Jesus im digitalen Zeitalter gelebt, würden seine Kommentarspalten regelmäßig überquellen und seine knackigen Sprüche und Gleichnisse würden von Interessensgruppen und politischen Richtungen verschiedenster Couleur  als Bildchen geteilt werden. Und so geschieht es, dass einige, wenn nicht gar viele sich wieder auf den Weg nach Hause oder wieder an die Arbeit machen.

„Ja, ja. Er hat schon Recht“, meint eine. „So ist das im Leben. Manches gelingt gut und anderes nicht, obwohl man meint, man hat genau so viel hinein investiert. Manches wird von den Dornen erstickt und anderes fressen die Vögel. Man hat nicht alles in der Hand… da kann man nichts machen.“

„Nein, ich denke, Jesus spricht hier von der Gesellschaft“, wirft ein anderer ein. „Die Samenkörner, das sind wir Menschen. Aber wir füllen unseren Platz eben alle unterschiedlich gut aus. Da gibt es die Destruktiven, die andere klein halten. Dann sind da die, die wie der Weg sind…. Verschlossen für Neues und festgefahren. Das, was auf den Steinen hochschießt, das sind die Trittbrettfahrer. Die können sich zwar empören, aber sind auch wieder ganz schnell weg vom Fenster, wenn sie tatsächlich etwas an machen müssten. Naja, und eben die, die ordentlich wachsen und ihre Aufgabe erfüllen. Wobei ich ja eher sagen würde, dass das wenige sind… die machen die ganze Arbeit. Der Großteil sind doch eher Disteln, Felsen und Trampelpfad.“

„Das ist, glaube ich, zu politisch interpretiert“, mischt sich wieder eine andere ein. „Jesus ist doch kein Politiker, sondern ein spiritueller Lehrer. Der Acker ist unsere Seele und der Samen ist Gottes Segen. Und manchmal sind wir empfänglich dafür, können selbst zum Segen werden. Aber es gibt auch die Teile unserer Seele, die verschlossen sind durch Verletzungen, Verhärtung und Abstumpfung.“

Ein Gleichnis – drei Deutungen. Die eine ganze individuell und vielleicht ein bisschen fatalistisch „Da kann man nichts machen.“ Die zweite geht ganz in der Gruppe, der Gesellschaft, dem Politischen auf. Die dritte will das von Jesus erzählte Beispiel rein geistlich, vielleicht auch ein bisschen psychologisch verstehen.

Und doch decken sie alle nur Teilaspekte der Auslegung ab, die Jesus selbst anbietet.

11 [Jesus sprach:] Dies aber ist die Bedeutung des Gleichnisses: Der Same ist das Wort Gottes.

12 Die aber an dem Weg sind die, welche hören; dann kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihren Herzen weg, damit sie nicht glauben und errettet werden.

13 Die aber auf dem Felsen sind die, welche, wenn sie hören, das Wort mit Freuden aufnehmen; und diese haben keine Wurzel; für eine Zeit glauben sie, und in der Zeit der Versuchung fallen sie ab.

14 Das aber unter die Dornen fiel, sind die, welche gehört haben und hingehen und durch Sorgen und Reichtum und Vergnügungen des Lebens erstickt werden und nichts zur Reife bringen.

15 Das in der guten Erde aber sind die, welche in einem redlichen und guten Herzen das Wort, nachdem sie es gehört haben, bewahren und Frucht bringen mit Ausharren. (Lk 8:11-15)

Von allen Beobachtungen etwas also: die eigene Erfahrung, dass ein und derselbe Einsatz sich je nach Rahmenbedingungen ganz unterschiedlich entwickelt; die richtige Annahme, dass es bei Jesus wohl nicht nur um Innerweltliches geht, aber auch dass es bei dem Gleichnis nicht nur darum geht, was wir tief in uns drin erleben, sondern wie wir in die Welt hinein wirke.

Wer sich mit einem „da kann man nichts machen“ abgibt, verkennt die eigenen Möglichkeiten.

Wer bei allem Aktionismus Gott aus dem Blick verliert, der läuft Gefahr den kleineren über den größeren Rahmen zu stellen. Wer zu schnell die anderen mit den Dornen identifiziert, fragt zu wenig nach sich selbst.

Wer hört, ohne danach zu handeln, hat nicht richtig zugehört.

Schon einmal hat Jesus im Lk-Evangelium vom Frucht-bringen geredet (Lk 6,43–46), unmittelbar im Anschluss an seine große Rede auf dem Feld; Was ist es also, was in uns keimen und wachsen soll? Im Vergleich zu Matthäus Bergpredigt ist es keine lange Rede, eine Rede mit drei Brennpunkten: „Liebt eure Feinde, tut wohl denen, die euch hassen, segnet, die euch verfluchen, bittet für die, die euch beleidigen“ (Lk 7,27f); „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, so werdet auch ihr nicht gerichtet“ (Lk 7,36f) und „ wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch.“ (Lk 7,31) Ergänzen könnte wohl man heute wohl auch noch, „Wie ihr die Erde, die euch anvertraut ist, von euren Eltern empfangen wolltet, so hinterlasst sie euren Kindern“

Die berechtigte Frage, die sich an die Deutung Jesu  anschließt, ist dann wahrscheinlich „Zu welcher Gruppe gehöre ich?“ „Und zu welcher gehört der oder die, die neben mir sitzt?“ „Gehöre ich zur Gruppe der Dornen, der Vögel, der Steine oder doch zu der Gruppe, die  Frucht bringt?“

Doch fragen wir unsere Erfahrung, die Jesus in seine Gleichnisse immer wieder mit einbezieht, dann müssen wir wohl sagen: „so einfach funktioniert das nicht“.

Wir sind nicht immer nur am Zweifeln, wir sind nicht immer  wurzellose Enthusiasten, aber wir sind eben auch nicht immer Lebensspender. Die anderen sind nicht immer nur destruktiv oder Trittbrettfahrer. Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.

Wir haben etwas von allen vier Böden in uns. Von den Büschen und Disteln, in Stunden, an Tagen, Wochen oder gar Jahren, in denen uns alles überwuchert, der Kopf voll mit tausend Dingen. Wenn die kleinen und großen Sorgen des Alltags, aber auch die Fixierung auf das nächste Event, den nächsten Urlaub meinen Horizont begrenzen und ich letztendlich doch nur in meiner kleinen Welt bleibe.

Von den Steinen, wenn manchmal einfach die Ausdauer fehlt; wenn wir schon vor ein bisschen Gegenwind kapitulieren

Von den festgetrampelten Wegen, wenn aufgrund gemachter Erfahrungen oder einmal gefundener Überzeugungen, die Öffnung für Neues unmöglich scheint.

Aber eben auch vom guten Boden. Die Zeiten, wo über uns selbst hinaus oder vielleicht auch einfach in uns hinein wachsen; hineinwachsen in unser volles Potential, das Gott als Sämann schon längst kennt. Das nicht auf Überforderung, sondern Entfaltung hinauslaufen soll.

Indem die Auslegung Jesu nun aber doch in den drei synoptischen Evangelien festgehalten ist, ist sie für uns – anders als für die Volksmenge im Text – nicht mehr verborgen. Sie ist keine Geheimlehre mehr. Das heißt aber auch, sie nimmt uns in die Pflicht. Ein „da kann man nichts machen“ greift da zu kurz. Aber wir können unseren Garten schon ein bisschen kultivieren. Sicher, die Wurzeln mancher Dornen, mancher Sorgen sitzen tief und sie werden immer wieder hochkommen. Anderes Unkraut wiederum nicht; darum können wir uns kümmern - nicht im Unwichtigen zu ersticken; die Steine der Oberflächlichkeit, die es oft so schwer machen, sich wirklich auf ein anderes Leben einzulassen bei Seite schieben und statt auf die festgetretenen Wege auf Wachstum und Verwandlung zu setzen.

Denn schon komm er. Schon riecht man die Morgenfrische, sieht den Tau auf dem Acker glitzern, Der Sämann  schreitetn mit festen Schritten und zugleich kräftigen und geschmeidigen Armbewegung durch die Furchen frischer Erde.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. [Amen]

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Letzte Änderung: 23.05.2018
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