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24.03.2013: Carolin Stalter über Joh 17,1-8

 

Predigt zu Palmsonntag – Joh 17,1-8

in der Peterskirche Heidelberg

Carolin Stalter

 

Gott führt Selbstgespräche. In aller Öffentlichkeit – Laut vor seinen Jüngern.

 

Liebe Gemeinde,

Viele sind peinlich berührt, wenn sie Menschen begegnen, die laut mit sich ins Gespräch vertieft sind – was sie sagen interessiert meistens wenig. Es geht mich ja auch nichts an, betrifft mich nicht.

Der simple Fakt, dass sie es tun, löst hingegen ein Gefühl aus, das mich peinlich berührt, mitleidig sein lässt oder im schlechtesten Fall abschätzig. Ich ertappe mich, wie ich gebannt auf diesen Wirren blicke, ohne wirklich zu hören, was er von sich gibt.

Würde ich auch so reagieren, wenn ich plötzlich höre wie Gott mit sich spricht? Macht das einen Unterschied? – Dass es Gott ist, meine ich. Wahrscheinlich würde ich in der peinlich-berührten Beobachterposition bleiben. Doch trotzdem würde ich in diesem Fall auch genauer hinhören wollen, was er sagt, und mich nicht direkt abwenden.

Wie klingt es, wenn Gott ein Selbstgespräch führt?

 

So redete Jesus, und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach:

Vater, die Stunde ist da: verherrliche deinen Sohn,

 

Stopp – „Verherrliche deinen Sohn“?

Verherrlichen – Ver-Herr-lichen – in die Herrschaft setzen – in Ruhm und Ehre.

Im Alten Testament steht die Herrlichkeit, die Kabod, sogar für Gott selbst. Die Herrlichkeit Gottes, die über der Stiftshütte schwebt (Ex 40,34), die im Jerusalemer Tempel wohnt (1 Kön 8,10-11), die von dort auszieht, als das Volk ins Exil geführt wird (Ez 10) und von der es heißt, dass sie wieder dorthin zurück kommen wird (Ez 43,1-9). – Verherrlichen impliziert Herrschaft.

So eine Bitte erwarte ich vielleicht von einem, der sich des Sieges sicher ist, der weiß: er ist auf der Gewinnerseite.

Und was ist mit der Passion? Was ist mit dem Kreuz, das doch so wichtig sein soll?

Doch Jesus bittet so, gerade weil er weiß, dass er in Kürze in den Tod gehen muss. Die Stunde ist da. Er bittet nicht darum, verschont zu werden.

Anders kennen wir Jesu verzweifelte Stimme aus Gethsemane: „Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber“ (Mt 26,39).

Aber nicht hier – nein – er bittet: „Verherrliche deinen Sohn.“

Und während ich noch darüber nachgrübele, wie Jesus das meinen könnte, ist sein Gebet schon beendet. Den Rest habe ich verpasst.

 

Aber Jesus hat weitergebetet:

So redete Jesus, und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach:

Vater, die Stunde ist da: verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche;

2 denn du hast ihm Macht gegeben über alle Menschen, damit er das ewige Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast.

 3 Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.

 4 Ich habe dich verherrlicht auf Erden und das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tue.

 5 Und nun, Vater, verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.

 6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt.

 7 Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt.

 8 Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, dass du mich gesandt hast.

 

Beeindruckend! Das ist wirklich ein tolles Gebet! … ich habe kein Wort verstanden … Muss ich das überhaupt?

Immerhin ist es Gott, der hier ins Gebet genommen wird.

Ins Gebet nehmen meint in unserem Rededuktus meistens: jemandem ins Gewissen reden, um ihn zu etwas zu bringen.

Wenn wir jemanden ins Gebet nehmen oder von jemandem ins Gebet genommen werden, dann sind das meistens sehr intensive Gespräche, die einen ernsten oder dringlichen Anlass haben.

Es sind persönliche Gespräche, die nur diejenigen etwas angehen, die miteinander sprechen. Letztlich habe ich mich da nicht reinzumischen; und muss es auch nicht.

Hier geht Jesus mit Gott ins Gebet. Die Worte, die er findet, sind eindringlich: er fordert Gott auf zu handeln. Der Anlass ist ernst. Der Auftrag mit dem Jesus in die Welt kam, ist fast vollbracht. Es fehlt nur noch wenig. Nur noch wenige Tage und dann, dann wird Jesus ans Kreuz geschlagen. Die Stunde ist da.

Alle Vorbereitungen sind getroffen. Nun muss er warten …

… und aushalten. Das Aushalten ist schwer. Beten hilft. Und er betet.

 

Verherrliche mich – ist die hervorstechende Bitte, die gleich zweimal ausgesprochen wird.

Dabei findet eine Wechselwirkung statt. Die Verherrlichung des Sohnes ist zwar das, was direkt erbeten wird, aber sie steht in unmittelbarer Verbindung mit der Herrlichkeit Gottes.

Wenn ich das höre, scheint es beinahe, als würde ich einer internen Besprechung zuhören, bei der die Ziele und Argumente noch einmal untereinander ausgetauscht und gebündelt werden.

Ich fühle mich fehl am Platz. Warum stehe ich daneben und höre zu? Das was hier besprochen wird, geht mich überhaupt nichts an.

 

Und trotzdem muss ich irgendwie hinhören, wenn Jesus so redet, seine Augen zum Himmel hebt und spricht:

 

Vater, die Stunde ist da: verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche;

2 denn du hast ihm Macht gegeben über alle Menschen, damit er das ewige Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast.

 3 Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.

 4 Ich habe dich verherrlicht auf Erden und das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tue.

5 Und nun, Vater, verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.

 6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt.

 7 Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt.

 8 Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, dass du mich gesandt hast.

9 Ich bitte für sie

 

Dann, plötzlich merke ich, warum ich dabei stehe, warum ich dieses Gebet hören möchte, ja hören muss:

Mir wird klar: Dieses Gebet geht mich etwas an.; meint mich.

Was mir zuerst anmaßend, unverständlich und abstrakt oder nicht für mich bestimmt vorkam, berührt mich nun.

Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche, damit er allen das ewige Leben gebe“ (Joh 17,1b.2b).

Jesu Bitte um seine eigene Verherrlichung ist im Grunde eine Fürbitte. Er bittet für das Heil der Jünger, für das Heil der Gemeinde.

Gott geht zwar mit sich ins Gebet, doch gleichzeitig nimmt er die Gemeinde ins Gebet mit auf. Schließt sie in die Fürbitte ein.

Das wirklich Bewegende an diesem Gebet erschließt sich mir erst im Zusammenspiel der Ereignisse: quasi rückwärts. Wie sich ein Jünger damals mit solchen Worten gefühlt hätte, bleibt abstrakt und spekulativ. Ich aber höre dieses Gebet und weiß was darauf folgen wird: Die Passion.

Auch Jesus weiß, dass er nicht mehr lange da sein wird. Er muss den Weg in die Passion gehen – allein. Niemand kann ihm folgen.

Doch er sagt: Ich bitte für sie

Ich bitte für sie, obwohl er es doch ist, der in den Tod gehen wird.

Um was er letztlich bittet ist die Beziehung zwischen den Gläubigen und Gott. Er beschreibt sie auf verschiedene Weise.

So spricht er vom ewigen Leben, das allen durch seine Verherrlichung zu Teil wird. Dieses ewige Leben besteht in der wahren Gotteserkenntnis.

 

So ein kognitiver Zugang zum ewigen Leben klingt erst mal sympathisch. Er lässt mir eine gewisse Kontrolle. Über das, was ich begreifen kann, verfüge ich auch – zumindest in einem gewissen Umfang.

Eine so rational verstandene Gotteserkenntnis geht aber von falschen Voraussetzungen aus.

Es geht um die Werke Gottes, die mich Gott erkennen lassen – um ganz konkrete Werke: Zum Beispiel beschreibt die alttestamentliche Prophetie, dass die umliegenden Völker Gottes Gott-Sein erkennen, weil er das Land Israel wie den Garten Eden neu bepflanzt hat (Ez 36,35-36). Auch die Herausführung des Volkes aus Ägypten, das große göttliche Werk, führt in die Gotteserkenntnis: „Sie sollen erkennen, dass ich der Herr, ihr Gott bin, der sie aus Ägypten herausgeführt hat, um in ihrer Mitte zu wohnen, ich, der Herr, ihr Gott“ (Ex 29,46).

 

Auch Jesus verweist auf das Werk, auf sein Tun; er sagt: „Ich habe dich verherrlicht auf Erden und das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tue“ (Joh 17,4).

Jesus wirkte in den Monaten vor diesem letzten Gebet Wunder. Er heilte Kranke und predigte das Wort Gottes. Er offenbarte Gottes Wirklichkeit – Gottes Herrlichkeit – in seinem Handeln.

Und dass es funktionierte, dass Gott im Werk offenbar wurde, lässt die Menschen rufen: Hosianna – Herr hilf!

Sie glauben, dass er der Retter ist, sie rufen ihm Hosianna zu. Bis heute lassen  Menschen diesen Ruf immer aufs Neue erschallen: Hosianna.

Wir wissen und trauen ihm zu, dass seine Herrlichkeit sichtbar wird.

Was hier geschieht ist bereits Nachfolge: die Menschen stimmen ein in das Fürbittgebet Jesu: Und nun, Vater, verherrliche du mich bei dir, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den, den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen – Hosianna.

Die Menschen stimmen ein. Sie unterbrechen sein Selbstgespräch, stören sein Gespräch mit sich selbst. Mit lauten Rufen: Hosianna! Das ist der Ruf des heutigen Sonntags … Hosianna! Gott hilf!

 

Gott führt Selbstgespräche:

Meinetwegen – das kann mir doch egal sein.

Meinetwegen – er betet für seine Jünger, für die Gemeinde, für mich.

 

Gott führt Selbstgespräche – unterbrechen wir das traute Zwiegespräch zwischen dem Vater und dem Sohn: Stellen wir uns dazu – wirklich dazu, nicht nur irgendwie glotzend daneben. Damit dränge ich mich nicht auf, denn Gott selbst will ja die Beziehung.

Ich erkenne Gott in seinen Taten und werde selbst tätig. Ich folge seinem Beispiel. Und meine Antwort? – Hosianna!

 

 

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus - AMEN

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Letzte Änderung: 23.05.2018
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