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Aktuelles

26.02.2017: Prof. Dr. Theo Sundermeier über Röm 11,33-36

Predigt am Sonntag, dem 26. Februar 2017

in der Heidelberger Peterskirche

über Röm. 11, 33 – 36

 

Prof. Dr. Theo Sundermeier

 

 

Der Strom der Flüchtlinge ist für uns eine große gesellschaftliche Herausforderung. Für die Kirchen wird dies zur religiösen Herausforderung: Wie begegnen wir den Menschen  anderen Glaubens, zumal den Muslimen? Sind wir für die Begegnung in unserem Glauben gerüstet? Haben wir der bemerkenswerten Frömmigkeit der Flüchtlinge, die sie rituell sichtbar leben, etwas entgegenzusetzen, das überzeugend und gegründet ist?  Wie bestehen wir den notwendigen Dialog?

Der Dialog muß auf verschiedenen Ebenen geführt werden und wird er auch geführt.

Es gibt den Informationsdialog.  Der ist notwendig, denn man muß sich in seinem Glauben, den Riten und der Ethik kennen, so daß ein erstes Stück Vertrautheit entsteht.

Es gibt den gesellschaftlichen, ethischen Dialog. Er ist für das Zusammenleben  lebensnotwendig. Dabei geht es um den ethischen Konsens in unserer Kultur und unserem Rechtssystem.

Der für uns Christen so brennende Dialog ist jedoch der Glaubensdialog, in dem man sich um eine Annäherung in Glaubensdingen bemüht. Den müssen wir als Christen führen, gerade auch angesichts dessen, dass heute sehr viele Iraner sich dem Christentum zuwenden. Was bestimmt unsern Glauben im Innersten? In dem Dialog darf es nicht um eine wie auch geartete religiöse Schönheitskonkurrenz gehen oder um einen edlen ethischen Wettkampf, wie ihn Lessing propagierte.

Im theologischen Dialog sucht man gern und oft viel zu schnell nach dem Konsens, nach dem Gemeinsamen. Aber gibt es das überhaupt?

Da wird z.B. die Gemeinsamkeit der drei „Abrahamitischen Religionen“ beschworen! Aber was beinhaltet das mehr als den Namen? Meinen wir den Abraham, der nach dem Koran in Mekka (!) seinen Sohn Ismael(!) opfern sollte und später dort in Mekka seine Nebenfrau Hagar besuchte und die verfallene Kaaba zusammen mit Ismael reinigte und wieder aufbaute? Hat Paulus diesen Abraham vor Augen, wenn er ihn als den Vater des Glaubens benennt?

Ich werde nie vergessen, wie vor Jahren ein Kollege von der Hochschule für Jüdische Studien in unserer Systematiker Sozietät gefragt wurde: Müssen die drei Abrahamitischen Religionen  nicht mehr zusammenarbeiten? Er blickte darauf nach rechts und nach links und sagte: „Drei abrahamitische Religionen? Ich kenne nur eine!“

Das ist eine klare Antwort, die auf gegründeter Überzeugung beruht. Solche Klarheit brauchen wir im Dialog.

Aber schauen wir uns die zentralste Gemeinsamkeit an, die im Gespräch gern beschworen wird,  den Glauben an den einen Gott, den Schöpfer Himmels und der Erde. Ja, es gibt nur einen Gott. An ihn glauben wir, ebenso die Muslime. Aber ist solch ein Satz tatsächlich die Grundlage von einem gemeinsamen Glauben? Sind es tatsächlich nur akademische Lehrdifferenzen, die uns trennen? Sind die so wichtig?

 Aber fragen wir zunächst, wie sieht der Gottesglaube moderner Christen bei uns aus? Geprägt durch Aufklärung, Idealismus und Romantik, haben die meisten Christen bei uns ein  höchst vages Bild von Gott, wie  man in Interviews in CHRISMON - der Kirchenzeitung der EKD - nachlesen kann: Der „gestirnte Himmel über mir“, ein mächtiges Wesen über uns, „überm Himmelszelt muß ein guter Vater  wohnen“.  Mit solch einem vagen, aufgeklärten Gottesbild haben wir im Dialog mit den Muslimen sehr schlechte Karten. Werden wir überhaupt damit ernst genommen?

Es geht im Dialog nicht darum, den anderen Glauben herabzusetzen, sondern um die Identität unseres Glaubens. Es ist der Glaube an Jesus Christus, es ist der Glaube an den Gott, der sich unser im Menschen Jesus angenommen hat! Unser Glaube an den dreieinigen Gott hat in Jesus für uns den entscheidenden festen Haftpunkt.

Aber ist der Trinitätsgedanke nicht viel zu kompliziert, um ihn im Gespräch mit dem klaren, fest gefügten  einfachen Gottesverständnis des Islam einzubringen?

Ich werde nie die Situation vergessen, als wir vor Jahren mit einem Seminar eine Moschee hier in Heidelberg besuchten. Ein junger Muslim fragte im Gespräch nach dem Gebet: „Sagt mal, glaubt Ihr an drei Götter? Wie ist es mit der Trinität?“ Darauf die Studenten: „Ach, vergiß es, die verstehen wir auch nicht“. Darauf der junge Muslim: „Das kann doch nicht wahr sein, das ist doch das Zentrum Eures Glaubens, das müßt ihr mir erklären können“. Vor einigen Wochen erinnerte mich ein Pfarrer aus Baden Baden, damals Teilnehmer an dem Moscheebesuch,  an dieses Gespräch und sagte: „Heute wüßte ich, was ich ihm antworten würde!“

Das Geheimnis der Trinität ist das Herzstück unseres Glaubens. Ja, aber müssen wir uns das erst von einem Muslim sagen lassen?

Der Evangelist Markus (sein Evangelium wird oft als „Handbuch für Missionare“ bezeichnet) hat eben diesen Punkt allein schon im Aufbau seines Evangeliums klargestellt: Genau in der Mitte seines Evangeliums steht das Petrusbekenntnis: „Wer sagen, die Leute, dass ich sei?“ fragt Jesus.  „Einige sagen, du seist der Propheten einer“. Das ist die Antwort, die Mohammed und der Koran geben.  Und „wer sagt ihr, dass ich sei?“ „Du bist Christus“. „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Matthäus 16).

Hier wird die tiefe Differenz im Gottesglauben deutlich: Für den Islam ist die Einheit und Einzigkeit Gottes schlechthin zentral. Den christlichen Glauben dagegen interessiert nicht die Einheit Gottes an sich. Dass Gott einer ist,  haben wir von unserer Mutterreligion, dem Judentum, von den Aposteln und von Jesus selbstverständlich übernommen. Zentral ist dagegen, dass Gott und wie Gott sich mit den Menschen verbindet! Gott ist nicht ein absoluter Gott, er bleibt nicht für sich, sondern er ist von jeher ein Gott in Beziehung, der die Vereinigung sucht. Er ist der Gott, der von Ewigkeit her auf den Sohn bezogen ist und der im Heiligen Geist seine dynamische Beziehung zu uns und der Welt lebt. Diese Verbindung ist seine Liebe, seine Liebe zum Sohn, seine Liebe zu uns den Geschöpfen, zu uns, den unwürdigen und sündigen Menschen.

„Gott ist dir näher als deine Halsschlagader“ lautet eine der schönsten Sätze im Koran. Er ist  der Gott, der barmherzig ist, wem und wenn er will, und er ist derjenige, der  bei schlechten Taten der „schnellste Rechner“ ist, wenn er will.

Dagegen ist das Zentrum unseres Glaubens, dass Gott so tief unser Menschsein angenommen hat, dass er unsere Schwachheit selber trägt, unser Leiden auf sich (!)  nimmt und unseren Tod stirbt. Davon leben wir, das ist das Geheimnis unseres Glaubens.

 

Die Einheit Gottes, das ist das letztgültige Prinzip des Islam. Daraus folgt: die eine letztgültige Offenbarung, der eine allein letztgültige Prophet, der eine Koran, die eine Gebetsrichtung nach Mekka, der eine gleiche Gebetsablauf überall und in allen Jahrhunderten, und für alle die gleich gültige Form der Pilgerfahrt nach Mekka - und schließlich als Vision: der eine islamische Staat.

 

Wie aber kommen wir diesem Geheimnis Gottes näher, so daß sein Geheimnis für uns nicht fremd und ein theologisches Denkgebäude und ein Gedankenkonstrukt bleibt?

Unser Text will uns dabei helfen, uns dem Geheimnis der Trinität zu nähern. Paulus ringt in den Kapitel 9 - 11 des Römerbriefes mit dem Gedanken, daß Gott sein Volk Israel nicht verstoßen hat, obwohl es dies herrliche Angebot, durch den Glauben an Christus Rettung und Heil zu finden, nicht annimmt. Paulus kann dieses Dilemma gedanklich nicht lösen. Aber dann scheint er es plötzlich verstanden zu haben und bricht in einen großen Jubel aus. In diesem Lobpreis  kommt das Geheimnis des dreieinigen Gottes zur Sprache. Der Lobpreis ist die angemessenste Form von Gott dem dreieinigen Gott zu sprechen! Nicht spekulativ, nur dankend, lobpreisend können wir angemessen vom Sohn Gottes sprechen. Schauen wir uns dazu den Text des Paulus genauer an. Drei Kernbegriffe gebraucht Paulus.

a) O welch eine Tiefe des Reichtums: Reichtum: Damit wird Gott der Schöpfer gepriesen: Er ist es, der die Erde mit dem Reichtum seiner Gaben ausgestattet hat, so dass alles in ihr sehr gut und unendlich schön ist. Nein, wir haben nichts dazu getan. Wir können diese Gaben der Schöpfung nur dankbar empfangen - oder aber, wie wir heute erleben -  zerstören.

b) Weisheit: Mit diesem Wort preist Paulus das Geheimnis der Inkarnation Jesu. Die Weisheit war immer bei Gott, durch sie hat er die Erde gegründet (Spr. 8, 19). „Weisheit“, das ist der „Logos“, von dem das Evangelium des Johannes spricht: „Das Wort ward Fleisch“, um unsertwillen. Gott sucht die engst mögliche Verbindung zum Menschen durch die Menschwerdung des Sohnes, so dass auch wir die engst mögliche Verbindung zu ihm haben. Das ist unser Heil, unsere Rettung. Wir haben nichts dazu getan, Gott hat es bewirkt. Christus ist uns zur Weisheit gemacht (1. Kor. 1, 30). Im Kreuz Christi sind alle Wege der Weisheit Gottes zusammengefasst.

Darum sollte hier auch unser persönlichstes Bekenntnis gesprochen sein: „Da ich noch nicht geboren war, da bist du mir geboren… Eh ich durch deine Hand gemacht, da hast du schon bei dir bedacht, wie du mein wolltest werden“ (Paul Gerhardt).

c) Erkenntnis: „Wer hat des Herrn Sinn erkannt“? Es ist allein der Heilige Geist, der „Geist der Wahrheit“ (Joh. 16, 13). Den preist Paulus, denn er hilft uns, Gott zu erkennen, an ihn zu glauben, uns ihm anzuvertrauen. Er ist das „Band der Liebe“, wie die Alten gern sagten, denn er ist es, der Gottes Liebe in unsere Herzen gießt. Er ist es, der unsere Herzen in Liebe zum Nächsten führt, so dass wir uns selbst annehmen und lieben können ebenso wie die Nachbarn und Fremden unter uns.

Die Liebe, Gottes und unsere Liebe, ist keine Privatangelegenheit, sondern der Mittelpunkt der Welt! (D. Bonhoeffer)

Paulus entfaltet in unserm Text den Trinitätsgedanken implizit, doch so, dass er für uns höchst relevant ist. Aber wie können wir uns heute diesem Geheimnis des Dreieinigen Gottes so nähern, ohne dass wir uns in abstrakten Begrifflichkeiten verlieren?  Gibt es Wege, ihn überhaupt anschaulich zu machen?

Ich denke bei solcher Frage an den unseren Altar hier in der Peterskirche. Er ist ein Kunstwerk und spiegelt in meinen Augen das Geheimnis Gottes! Wer auf dem Mittelgang sich dem Altar nähert, z.B. auf dem Weg zum Abendmahl, sieht zunächst das verrostete Eisen (was aber kein verrostetes Eisen ist, sondern eine bestimmte Patina, die nicht rostet). Aber im Näherkommen wird das innere Gold des Altars sichtbar. Fällt ein Lichtstrahl hinein, leuchtet das Gold  wundersam auf, wie das Geheimnis Christi :„Licht vom Licht“. Gleiches gilt für den Ambo. Aber auch das Kreuz leuchtet auf, wenn wir ihm ganz nahe kommen. Ohne daß es uns bewußt ist oder wir es merken, werden wir durch das Ensemble der drei Kunstwerke auf das Geheimnis der Trinität visuell vorbereitet.

Die Kirchenväter im Nizänum haben nicht nur mit abstrakten Begriffen, sondern auch mit diesem einfachen Wort sein Geheimnis als Geheimnis benannt, doch so, dass es uns auf- und einleuchtet: Licht vom Licht. Wir haben es vorhin gebetet.

Wenn wir uns umschauen in unserer Kirche finden wir noch weitere Spuren der Trinität. Wir müssen nur dem Fingerzeig der Künstler folgen. Die  Maler oder Architekten sind uns immer ein Stück voraus. Kunst sagt mehr als Worte es vermögen.

Die mittelalterlichen Baumeister waren tief gegründete Theologen. Die drei zentrale Fenster im Altarraum (heute durch historisierende Botschaften verändert), ließen das Licht dreifach verschieden aufleuchten, je nachdem wie die Sonne durch das jeweilige Fenster schien. Es ist das eine Licht, das die Fenster unterschiedlich aufleuchten läßt.

Bis auf das Nebenfenster in der Kapitelkapelle sind alle gotischen Fenster in dieser Kirche dreifach unterteilt. Das ist kein Zufall, auch wenn Kunsthistoriker das anders sehen mögen. In den „Rosetten“ (so werden die gestalteten Spitzen der Fenster genannt, auch wenn keine Rose abgebildet wird)schwingen sich die Fenster  wie in zusammengelegte Händen zum Lobpreis der Schönheit Gottes auf. In der Rosette des zentralen Christusfenster im Altarraum wird zudem das Geheimnis der zwei Naturen Christi sichtbar gemacht. In einem Kreis (er ist ohne Anfang und ohne Ende und darum das Symbol Gottes schlechthin) sind eingebettet zwei aneinander geschmiegte Figuren: Die Kunsthistoriker sprechen - höchst prosaisch - vom Fischblasenmuster, Asiaten würden die Figuren von Yin und Yang darin sehen. Diese zwei Figuren sind nicht eine ohne die andere zu denken. Sie gehören zusammen und bleiben doch getrennt: So sind die zwei Naturen Jesu „unvermischt und ungetrennt“, „wahrer Gott und wahrer Mensch“. Lobpreisend verdichtet sich diese Aussage in der Rosette zum Lobe Gottes.

 

Auch Johannes Schreiter versucht, dieses Geheimnis im Fenster des himmlischen Jerusalem anzudeuten. Das neue Jerusalem braucht kein Licht, denn „die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm“ heißt es in Offbg. 21,23.

In das helle Licht der quadratischen Stadt hat Schreiter ein weiß gestaltetes, dreifach untergliedertes Quadrat eingezeichnet. Weiß ist die Farbe Gottes, die Farbe der Reinheit, des Friedens, des Geistes Gottes. Wir finden diese Farbe auf allen Fenstern von Schreiter in dieser Kirche. Das Weiß wird durch ein rotes Band unterteilt und profiliert. Der Heilige Geist wird gern von den Vätern als das „Band der Liebe“ zwischen Vater und Sohn, aber auch zwischen dem Vater und uns seinen Kindern bezeichnet. Zudem wird hier die Präsenz des gekreuzigten Jesu angedeutet. Das flüchtig hingeworfene Kreuz mit dem roten Punkt am oberen Ende des Kreuzes weist darauf hin.

 Es ist wichtig  wahrzunehmen, dass das Quadrat links nicht geschlossen ist, sondern sein weißes Licht  strömt in den Raum hinein.  Gott ist kein in sich geschlossener „absoluter“, letztlich unnahbarer Gott.  Gottes Liebe, sein Wesen verströmt sich zu uns  hin. Sein Wesen ist Vereinigung, ist Verbindung, Verbindung zum Sohn, zu uns, zur Welt. Sein Licht, seine Liebe, sein Friede teilt sich uns mit.

Es ist kein Grund, dieses Zentrum unseres Glaubens im Dialog mit Menschen anderen Glaubens zu verschweigen. 

„Dem Gott, von dem und durch den und zu dem alle Dinge sind, ihm sei Ehre in Ewigkeit. Amen.“

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Letzte Änderung: 27.02.2017
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