26.05.2013: Prof. Dr. Gerd Theißen über Gal 3,6-14

 

 

Taufgottesdienst am 26.5.2013 in der Peterskirche Heidelberg

Trinitatis

 

Prediger: Gerd Theißen

 

Galaterbrief 3,6-14

 

So war es mit Abraham: „Er hat Gott geglaubt, und es ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet worden“ Erkennt also, die aus dem Glauben sind, das sind Abrahams Kinder. Die Schrift aber hat es vorausgesehen, dass Gott die Heiden durch den Glauben gerecht macht. Darum verkündigte sie dem Abraham: „In dir sollen alle Heiden gesegnet werden.“ So werden nun die, die aus dem Glauben sind, gesegnet mit dem gläubigen Abraham,

Denn die aus den Werken des Gesetzes leben, die sind unter dem Fluch,. Denn es steht geschrieben: „Verflucht sei jeder, der nicht bleibt bei alledem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, dass er’s tue!‘ Dass aber durchs Gesetz niemand gerecht wird vor Gott, ist offenbar; denn ‚der Gerechte wird aus Glauben leben‘. Das Gesetz aber ist nicht ‚aus Glauben‘, sondern: ‚der Mensch, der es tut, wird dadurch leben‘. Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns; denn es steht geschrieben; ‚Verflucht ist jeder, der am Holze hängt‘, damit der Segen Abrahams unter die Heiden komme in Christus Jesus und wir den verheißenen Geist empfingen durch den Glauben.

 

 

Liebe Gemeinde,

 

Abraham glaubte der Verheißung – und das wurde ihm zur Gerechtigkeit angerechnet. Verheißen wurde die Geburt eines Kindes.  Glauben an die Verheißung bedeutet: Abraham vertraute darauf, dass das Kind, dass seine ganze Familie, dass alle Menschen eine Zukunft haben.

 

Wir haben drei Kinder getauft. Über ihnen liegt eine Verheißung. Mit jedem Kind beginnt das Leben noch einmal, auch für die Erwachsenen. Ein Kind aufziehen und erziehen bedeutet: Alles noch einmal von vorne zu durchdenken. Was ist im Leben wirklich wichtig? Was ist unwichtig? Worauf ist Verlass? Je mehr wir Klarheit darüber haben, umso mehr können wir den Kindern helfen, Wichtiges vom Unwichtigen zu unterscheiden.

  • Selbstvertrauen ist wichtiger als Abhängigkeit,
  • Sozialverhalten wichtiger als Gewinnen,
  • Denken wichtiger als Anpassung,
  • Glauben  wichtiger als Geld.

Menschen, die glauben, dass über unseren Kindern eine Verheißung liegt, sind ein Segen für alle. Wir brauchen Glauben an die Zukunft.

 

Aber wir Erwachsene überbieten uns oft in Pessimismus. Werden uns die Finanzmärkte nicht doch noch in Abgründe stürzen? Wird das Klima kippen? Werden Konflikte das Zusammenleben rauer machen? Werden wir auch morgen unsere Kinder ohne Begleitung in die Schule schicken können? Pessimisten haben gute Argumente für ihre Sicht. Wir Menschen sind dabei, unsere Zukunft zu zerstören. Und alle, die dabei mitwirken, meinen, ein Segen für alle zu sein.

 

Das ist auch das Problem bei Abraham. Abraham glaubt an die Verheißung, die über dem neuen Leben liegt, obwohl von Anfang an alles gegen diese Verheißung sprach: sein Alter und das Alter seiner Frau. Sie waren schon jenseits der Jahre, wo man Kinder kriegt. Dieser Abraham der Lebensverheißung ist uns sympathisch.

 

Aber es gibt noch den anderen Abraham: Der war bereit, Isaak zu opfern – seine eigene Zukunft selbst zu zerstören, überzeugt. damit Gottes Willen zu tun. Auch in ihm können wir uns wieder erkennen. Wenn Menschen ihre Zukunft zerstören, werden sie es wahrscheinlich in der Absicht tun, die Welt zu retten. Das ist der Abraham der Lebensgefährdung. Dieser Abraham ist uns unheimlich.

 

Welchen Abraham hatte Paulus vor Augen? Wahrscheinlich beide. Vor seiner Bekehrung hatte war der Abraham der Lebensgefährdung sein Ideal, danach der Abraham der Lebensverheißung.

 

Paulus war vor seiner Bekehrung in einer vorübergehenden Phase seiner Entwicklung ein fundamentalistischer Eiferer für seine Religion gewesen. Er hatte die Anhänger Jesu, eine kleine Gruppe im Judentum, verfolgt, weil sie das Gesetz liberal handhabten und für Fremde offen waren. Sie träumten davon, dass Fremde aus allen Himmelsrichtungen nach Jerusalem strömen und zusammen mit allen Juden den einen und einzigen Gott verehren. Trennende Gebote wie Beschneidung und Speisetabus sollten dann nicht mehr trennen. Gegen diesen Traum einer Öffnung des eigenen Volkes für alle Völker eiferte Paulus. Wenn sich eine Gesellschaft öffnet, gibt es immer einige, die populistische Bewegungen gegen diese Öffnung gründen – und in diesen Bewegungen gibt es dann immer einige wenige, die sich radikalisieren und zu Gewalttaten bereit sind. So einer ist Paulus gewesen. Dabei hatte er zwei Gestalten zum Vorbild: Abraham und Pinechas.

 

Als 200 Jahre vor Paulus einige jüdische Reformkreise das Judentum für alle Völker öffnen sollten, riefen Fundamentalisten zum Widerstand gegen diese Öffnung auf. Ihr Anführer rief: „Jetzt, Kinder, eifert für das Gesetz und gebt euer Leben hin für den Bund unserer Väter!“ (1 Makk 2,50). Er berief sich auf Vorbilder in der Geschichte Israels, als erstes auf Abraham: „Wurde Abraham nicht in der Versuchung (dh., seinen Sohn zu opfern) für treu befunden?“ Heißt es nicht deshalb:  „und  das  wurde  ihm  zur  Gerechtigkeit  angerechnet“ (1 Makk 1,52)? Dann nannte er weitere Vorbilder, vor allem aber Pinechas. Der hatte einmal einen Israeliten umgebracht, weil der durch Heirat einer fremden Frau Götzendienst in Israel eingeschleppt hatte. Pinechas wird dafür in Psalm 106 mit den Worten gelobt: „Das  wurde  ihm  zur  Gerechtigkeit  angerechnet.“  Eifer ist rigoroses Vorgehen gegen Abweichler in den eigenen Reihen – nicht etwa im Bewusstsein, etwas Unrechtes zu begehen, sondern im Bewusstsein, den heiligsten Willen Gottes zu vollziehen. Paulus hatte seine Bibel vor seiner Bekehrung so verstanden: Dieser Eifer war Abraham und Pinechas zur  Gerechtigkeit  angerechnet  worden. Der Abraham der Lebensgefährdung war einst sein Vorbild gewesen, Und das gilt unabhängig davon, ob er und andere Eiferer damit die Abrahamgestalt im Alten Testament richtig verstanden haben.

 

Fundamentalistische Fanatiker haben nicht nur positive Vorbilder, sondern auch negative Hassbilder. Auch Paulus. Sein Hassbild war einst Jesus gewesen. Er sagt über seine Vorzeit, dass er einst Christus „nach der Weise des ‚Fleisches“ gekannt habe, jetzt aber nicht mehr so (2 Kor 5,16). Damit sagt er: Schon vor seiner Bekehrung hatte er ein Bild von Christus. Es war ein Zerrbild, ein Bild „nach Weise des Fleisches“. Das bedeutet in der Sprache des Paulus ein Bild, dass durch Hass, Streit und Konflikt gezeichnet war. Denn „Fleisch“ ist für ihn ein Begriff für die Feindschaft unter Menschen und ihre Feindschaft gegen Gott. Wahrscheinlich hasste Paulus Jesus, weil sich Jesus für Fremde geöffnet und die Gebote liberal ausgelegt hat. Es gibt gute Gründe für die Vermutung, dass sich Paulus für seinen Hass gegen Jesus und die Christen auf Bibelworte berief, die er auch in unserem Predigttext zitiert. Verflucht sei jeder, der nicht bleibt bei alledem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, dass er’s tue!“  (Dtn 27,26). Und vor allem: „Verflucht ist jeder, der am Kreuze hängt“ (Dtn 21,23). Jesus war ja gekreuzigt worden. Das war für ihn einmal der Beweis dafür gewesen, dass Gott ihn verflucht hatte. Man hat dagegen eingewandt, dann wären doch auch die vielen Pharisäer verflucht, die einmal von ihrem Feind, dem sadduzäischen König Alexander Jannaeus, im 1 Jh. v.Chr. gekreuzigt worden waren. Aber wahrscheinlich ließ dieser jüdische König seine religiösen Gegner eben aus diesem Grund kreuzigen, damit sie als von Gott Verfluchte gelten und nicht mehr als Heilige. Er hatte damit Erfolg. In den Qumrantexten gelten nämlich von ihm gekreuzigten Menschen als von Gott verworfen (4QNah 1,6).

 

Alles passt also gut zusammen: Vor seiner Bekehrung verfolgte Paulus gewaltsam Christen und hielt das für ein heiliges Werk, das ihn vor Gott gerecht macht. Er sieht im Gekreuzigten nicht das Opfer von Unrecht und Gewalt, sondern einen mit Recht Verfluchten. Dieser Jesus war sein negatives Vorbild. Abrahams und Pinehas aber waren wegen ihres Eifers seine positiven Vorbilder. Wichtig ist: Paulus betont, dass er mit diesem Eifer alle seine Altersgenossen übertroffen habe. Er sagt damit klar, dass sein Fanatismus eine Einzelerscheinung im Judentum gewesen ist. Seine Bekehrung ist weniger eine Bekehrung vom Judentum zum Christentum, das es damals noch gar nicht gab, sondern von einem jüdischen Fundamentalismus zu einem weltoffenen Judentum – und wie manche vermuten, eine Wiederanknüpfung an ein toleranteres Judentum seiner Kindheit.

 

Durch seine Bekehrung wurde sein Hassbild Jesus zu seinem Vorbild – und noch mehr. Paulus erkannte: Der Gekreuzigte ist zwar Opfer eines Fluchs, aber er wurde nicht wegen seiner eigenen Sünden verflucht, die er begangen hat. Jesus war vielmehr Opfer unserer Unfähigkeit, friedlich zusammenzuleben. Eifer für das Gesetz hatte ihn umgebracht, eben jener Eifer, der in Paulus lebendig war. Jesus trug die Folgen auch seiner Verirrung – Folgen jener Intoleranz, die in ihm einmal lebendig gewesen war und ihn zum Christenverfolger hatte werden lassen. Christus war auch wegen seiner Sünde hingerichtet worden. Aber Gott hatte ihm neues Leben gegeben. Gott hatte die Folgen menschlicher Verirrung aufgehoben und alles zum Guten gewendet. Gott  hatte  Heil  durch  Leben,  nicht  durch  Tod  geschaffen. An die Stelle dessen, der verflucht ist, weil er den Tod verdient hat, tritt für Paulus jetzt der, der unschuldig den Fluch unserer Unfähigkeit zum Zusammenleben trägt. Er trägt ihn, damit wir leben und den Segen für alle Völker erhalten – das heißt: damit wir von diesem Fluch befreit werden, davon, dass wir immer wieder andere zu Sündenböcken und Blitzableitern unserer Unmenschlichkeit machen, vor allem alle die Fremden und alle, die etwas anders sind als wir.

 

Gleichzeitig hat Paulus sein großes Vorbild Abraham neu entdeckt und neu erfunden. Paulus entdeckte nämlich, dass der Glaube Abrahams gar nicht in der Bereitschaft bestand, das Leben seines Kindes zu gefährden, sondern auf dessen Leben zu hoffen – obwohl es mit dem Kinderkriegen bei ihm und Sara schon vorbei war. Er sagt, dass sie beide in dieser Hinsicht schon tot gewesen waren. Auch hier gilt also: Gott  schafft  Heil  durch  Leben,  nicht  durch  Tod. Die meisten jüdischen und urchristlichen Texte sehen den Glauben Abrahams darin, dass Abraham bereit war, seinen Sohn zu opfern und zu töten. Paulus aber sieht seit seiner Bekehrung den Glauben Abrahams darin, dass er an das Leben des Sohnes glaubt. Dieser Abraham sollte für alle Menschen ein Segen werden. Jetzt versteht Paulus ganz neu, was es heißt: Abraham  glaubte  –  und das  wurde  ihm  zur  Gerechtigkeit  angerechnet.  Abraham glaubte an das Leben, glaubte daran, dass er ein Kind bekommen wird – und dass über ihm ein Segen für alle Völker lag.

 

 

Paulus wurde aus einem fundamentalistischen Fanatiker, der er eine kurze Zeit lang war, ein Missionar der Liebe, der die Schranken zwischen den Völkern überwinden wollte. Das war die große Wende in seinem Leben.

 

Paulus hat lange gebraucht, um zu verstehen, was diese Wende bedeutet. Als er als christlicher Missionar schon viele Gemeinden gegründet hatte, traten in seinen Gemeinden Gegenmissionare auf. Sie bekämpft er im Galaterbrief. Diese Gegner setzten seine Gemeinden unter Druck, sie dürften nicht vom Gesetz abweichen: Beschneidung und Speisegebote seien für alle verbindlich, auch für Nichtjuden unter ihnen. Genauso hatte auch Paulus einmal christliche Gemeinden unter Druck gesetzt, das Gesetz ganz zu halten. Seine Gegner erinnern ihn an seine eigene Vorzeit. Wenn er sich mit seinen Gegnern auseinandersetzt, setzt er sich mit seiner eigenen Vorzeit auseinander. Er kann seine Gegner deswegen auch nicht objektiv wahrnehmen. Er projiziert vielmehr die Ablehnung seiner eigenen Vorzeit in ihre vehemente Ablehnung hinein und überschüttet sie mit einer scharfen Polemik.

 

In dieser Auseinandersetzung erst geht ihm auf, was seine Wende bedeutet – und er hat nun einige sehr kühne Erkenntnisse, so kühn, dass manche Exegeten sie ihm nicht zutrauen:

Er erkennt: In der Religion (und das gilt für jede Religion, auch für die christliche) sind zwei Möglichkeiten angelegt. Man kann mit ihr den Tod und das Leben fördern. Überall gibt es aggressiven Fanatismus – und eine zum Leben motivierende Kraft.

Er erkennt: Das Gesetz hat zwei Seiten: Überall gibt es den tötenden Buchstaben – und den Leben schaffenden Geist. Es ist zugleich ein Fluch und ein Segen.

Er erkennt: Das Kreuz hat zwei Seiten. Es ist ein Fluch, weil es uns zeigt: Wir sind bereit, andere für uns zu opfern und sterben zu lassen. Es ist ein Segen, wenn es uns von diesem Fluch befreit.

Er erkennt generell: Der Mensch hat zwei Seiten: Er ist destruktive Natur (oder „Fleisch“, wie Paulus die menschliche Natur nennt) und er ist Leben schaffender Geist.

Er erkennt: Auch die Taufe hat zwei Seiten. Sie ist Verheißung des Lebens. Aber Paulus deutet sie auch als Taufe in den Tod Christi, als Sterben mit Christus.

 

Viele erleben die Taufe nur als Feier des Lebens. Das Leben soll gelingen. Aber die Taufe sagt mehr – und damit rühre ich an eine dunkle Seite der Taufe, die wir nicht ausklammern dürfen, wenn wir ihre helle Seite sehen wollen.

Wir sind zum Leben bestimmt. Aber wir scheitern im Leben, so wie Paulus an seinem religiösen Fanatismus gescheitert ist. Aber jeder weiß: Es gibt viele Formen des Scheiterns.

Wir sind zur Liebe bestimmt. Aber wir scheitern in unseren Beziehungen. Sie enden oft in Trennung und Feindschaft.

Wir sind zum Ebenbild Gottes bestimmt. Wir können wie Gott in der Welt etwas neu schaffen, das ohne uns nicht existierte. Aber wir missbrauchen diese Freiheit.

Wir sind zur Gestaltung unseres Lebens bestimmt. Aber je mehr wir unser Leben als Kunstwerk gestalten wollen, umso mehr erschrecken wir über die Ruinen, die wir dabei zurück lassen.

 

Auch die Taufe zwei Seiten. Sie ist nicht nur Verheißung des Lebens, sondern auch ein Sterben. Durch dieses Sterben hindurch weist sie als Zeichen auf ein neues Leben. Die Taufe ist Verheißung eines neuen Lebens durch unser Scheitern hindurch. Sie sagt. Ihr alle seid dazu geboren, um wiedergeboren zu werden. Ihr dürft im Leben immer wieder neu anfangen hier und jetzt, auch wenn vieles schief ging, wenn viel zerbrochen wurde, auch wenn Ruinen des Scheiterns euren Weg säumen.

 

Der Glaube  hat zwei Seiten. Glaube ist Mut zum Leben, der mit Christus gekreuzigt wird und aufersteht.

Abraham hat zwei Seiten: Er bedeutet Lebensgefährdung und Lebensverheißung. Er steht dafür, dass das Leben mächtiger ist als der Tod.

 

Vom Abraham der Lebensgefährdung können wir lernen: Kein Gott verlangt Selbstzerstörung. Abraham hatte darauf vertraut. Als er sich mit Isaak von seinen Knechten entfernt, um ihn zu opfern, sagt er: Wir werden zurückkommen. Er und Isaak werden zurückkommen. Er weiß nicht, wie das geschehen soll. Aber er wird Isaak nicht opfern. Gott verhindert es durch seinen Engel, der ihm die Augen dafür öffnet, was er schon lange hätte sehen können: Er sollte einen Widder opfern, der sich wie durch ein Wunder im Gestrüpp verfangen hatte. Abraham war bereit gewesen, alles zu geben. Aber er hat in Wirklichkeit alles zurück erhalten. Lernen wir daraus zweierlei, ehe wir uns über diese dunkle Geschichte empören und aus unseren Religionsbüchern entfernen, weil wir nicht wahrhaben wollen, was sie über die dunkle Seite in uns sagt – und gerade deshalb ist sie eine faszinierende Geschichte, die einen mehr packt und fesselt als viele moralisch unproblematischere Geschichten.

 

Erstens liegt in uns eine destruktive Macht, die sich gegen Menschen und sogar gegen unsere Kinder richten kann. Wir sollten sie in uns wahrnehmen und sie bewusst machen, um sie zu überwinden. Wer meint, der Mensch sei ein harmloses Lebewesen, der irrt.

 

Zweitens: Wir können diese Destruktivität in uns überwinden. Dazu hilft, dass wir bereit werden, uns von allem zu trennen, was uns lieb ist – wie Abraham. Gerade dann erhalten wir jeden Tag das Leben als Geschenk aus Gottes Hand zurück – als sei es neu und aus Nichts geschaffen.

 

Gott will nicht, dass wir Leben zerstören. Er will es uns jeden Tag neu schenken. Dann wird aus dem Abraham der Lebensgefährdung der Abraham der Lebensverheißung: Der glaubt an den Gott, der das Nichts ins Sein ruft. Dieser Glaube wurde ihm zur Gerechtigkeit angerechnet. Nach diesem Modell sollen wir glauben. Nach diesem Modell kann sich auch der Glaube an den dreieinigen Gott richten, an den wir an diesem Sonntag Trinitatis denken:

 

Dieser Glaube ist Glaube an Gott den Schöpfer, der aus Nichts schaffen kann. Wir sind verbunden mit seinem Geheimnis der creatio ex nihilo. Man muss ein wenig Nihilist, um das Glück zu ahnen, das darin liegt.

 

Dieser Glaube ist Glaube an Christus – als Lebensmut, der mit Christus gekreuzigt und begraben wird, um immer wieder aufzuerstehen. Man muss die Wege des Scheiterns kennen, um die Freude zu spüren, die darin liegt.

 

Dieser Glaube ist Glaube an den Heiligen Geist, der uns damit tröstet, dass wir geboren sind, um neu geboren zu werden. Man muss den tiefen Unfrieden des Herzens kennen, um den Frieden zu spüren, den er gibt.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christo Jesu. Amen

 

Webmaster: E-Mail
Letzte Änderung: 08.07.2013
zum Seitenanfang/up