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28.02.2010: Pfarrerin Franziska Gnändinger über Röm 5,1-5

Predigt über Römer 5, 1-5

von Pfarrerin Franziska Gnändinger, gehalten am 28. Februar 2010 im Universitätsgottesdienst in der Peterskirche Heidelberg

 

 

Liebe Gemeinde,

ein Thema hat in der vergangenen Woche unsere Herzen und Emotionen bewegt: nach dem ersten Schock gab es Sorge, Hoffnung, dann Enttäuschung und Trauer. Das Prinzip Käßmann hat gesiegt: Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland hat sich die Herzen der Menschen erworben durch ihre menschliche Nähe, Klarheit, Offenheit und durch ihren Einsatz für Randgruppen und ihren Mut, unbequeme Themen öffentlich anzusprechen. Am Samstagabend allerdings machte sie einen Fehler: Sie überfuhr unter Alkoholeinfluss eine rote Ampel. In ihrer Art gab sie ihren Fehler gleich offen zu. Obwohl der Rat der EKD ihr das Vertrauen aussprach und sie von vielen Seiten Unterstützung bekam, übernahm sie die Verantwortung für ihren Fehler und trat von ihren beiden Ämtern als EKD-Ratsvorsitzende und als Bischöfin der größten Evangelischen Landeskirche in Deutschland zurück. Viele Menschen sind traurig und enttäuscht, weil Margot Käßmannn in der kurzen Zeit als EKD-Ratsvorsitzende viel bewegt hat. Noch nie bin ich so oft auf ein kirchliches und zugleich öffentliches Thema angesprochen worden. Es bewegt uns alle.

Wir alle machen Fehler. Wir sind alle Sünder und können vor uns selbst, vor unseren Mitmenschen und vor Gott nicht bestehen. Wir alle bedürfen der rechtfertigenden Gnade Gottes. Diese ist dem reumütigen Sünder gewiss. Das ist Kernpunkt der evangelischen Theologie. Das ist Thema des Römerbriefes und darauf baut unser heutiger Predigttext auf. Die rechtfertigende Gnade Gottes steht am Anfang.

Aus ihr ergibt sich Friede mit Gott und den Menschen. Ich denke mir, dass Margot Käßmann durch ihren Schritt Frieden mit Gott und den Menschen und eine große innere Freiheit erworben hat, auch wenn ich es persönlich sehr bedauere, dass sie zurückgetreten ist.

„Da wir nun gerecht geworden sind im Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus.“

Gott wirkt an uns im Glauben. Er macht uns gerecht. Ohne unser Tun, ohne Leistung erkennt er uns an als seine geliebten Kinder. Dies macht uns frei von diesem ganzen Stress, uns beweisen zu müssen:

zu zeigen wie gut wir sind
was wir können
dass wir es recht machen wollen
dass wir anerkannt sein wollen
dass wir vor Gott bestehen wollen.

GOTT handelt an uns. Er hat schon längst für uns gehandelt durch Jesus Christus. Lange vor uns. Das befreit uns von diesem Druck, unter dem schon kleine Kinder stehen und der sich fortsetzt bei uns allen und der bei Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, geradezu unerträglich groß ist. Gott hat uns durch das Wirken von Jesus Christus, durch seinen Tod und seine Auferstehung schon längst befreit. Wir sind erlöst, befreit. Wir haben freien Zugang zu Gott – durch ihn. Wann und wo auch immer: Gott ist für uns da.

Dieser Friede mit Gott,
diese geschenkte Freiheit, wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus. Dies wird in den folgenden Versen ausgeführt, in denen sich Christus einerseits der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit Gottes rühmt, andererseits aber auch der Bedrängnisse. Mit dem Rühmen haben wir als Protestanten ja schon so unsere Probleme. Was gibt es denn zu rühmen, wenn es überall menschelt? Wenn wir alle Fehler machen? Aber Paulus rühmt sich ja nicht selbst, sondern er rühmt sich der Hoffnung und der Nöte. Er steht Rede und Antwort über das, was ihm wichtig ist, was den Grund seines Glaubens berührt.

Gott loben und preisen, Rede und Antwort stehen über unseren Glauben, vielleicht sind wir da manchmal zu zaghaft und überlassen das anderen, den so genannten Halleluja-Christen. Diese Kritik habe ich auch schon in der Evangelischen StudierendenGemeinde zu hören bekommen. Warum singt ihr so traurige Lieder? Warum so viel in Moll und wenig in Dur? Mich stimmt das nachdenklich, weil ich es anders empfinde. Ich finde unsere Kirchenlieder sehr tröstlich. Sie machen mich froh, aber das ist offensichtlich bei vielen jungen Menschen anders. Ich finde es wichtig, dass wir als Kirche das, was uns wichtig ist, kommunizieren. Positiv. Fröhlich. Mit Freude. Denn was Gott in Jesus Christus für uns getan hat, ist Grund zu größter Freude, zu Jubel, zu Begeisterung, das müssen wir uns gegenseitig abspüren, weiter geben, hinausrufen. Darin können wir uns nicht genug bestärken. Zumal diese Freude nicht der Not des Alltags ausweicht. Diese Freude beschränkt sich nicht auf individuelle Innerlichkeit oder vertröstet auf das Jenseits. Diese Freude, dieses Gotteslob gilt für gute wie für schwere Zeiten. Sie umfasst das ganze Leben.

Deshalb können wir uns mit Paulus der Hoffnung wie auch der Trübsal rühmen. Aus den Betrübnissen entwickelt sich die Hoffnung als Ziel des Glaubens.

Wie wir an Abraham, dem Vater des Glaubens, sehen, besteht Glaube an Gott im Vertrauen auf die Erfüllung der Verheißungen gegen allen Augenschein. Abraham und Sarah sind längst zu alt, um Kinder zu bekommen, doch Abraham hält fest an der Verheißung, ein großes Volk zu werden und glaubt der Ankündigung, im hohen Alter noch einen Sohn zu bekommen.

Glaube ist das Festhalten an Gottes Verheißungen. Jesus selbst ist der Verheißene, lebt als Jude mit den Verheißungen Gottes. Auch seine Jünger und die Evangelisten beschrieben in den Kategorien von Verheißungen und Erfüllung die Geschichte Gottes mit seinem Volk. Glaube ist der Weg, die Geschichte, mit Gottes Verheißungen. Diese Geschichte hört nicht auf. Sie ist nach vorne offen. Sie bleibt überraschend. Glauben ist, als ein Vertrauen auf Verheißungen, die sich erst noch erfüllen werden, ein Hoffen. Somit ist Glaube an Jesus Christus, den Verheißenen, von seinem Inhalt her Hoffen.

Das Christusheil bringt uns den Anfang eines befreiten Hoffen könnens. Christus hat uns aus Leuten ewig unerfüllten Hoffens und unerfüllbarer Erwartungen ans Leben zu Leuten gemacht, die erfüllt hoffen können. Dies zeigt sich in unserem Abschnitt als Geschichte von der Not zur Geduld. Wer in Not geduldig bleibt, der bewährt sich. Geduld, hypomone (υποµονη), heißt Drunterbleiben, Aushalten, Durchstehen. Es ist ein wichtiges Stichwort bei Jesaja. Er rät angesichts der Bedrohung durch die Assyrer zu Geduld:
„Durch stille sein und hoffen werdet ihr stark sein“, rät er den Politikern.

Hoffen ist in sich die Wende der Not. Schwer errungen, der Not und ihrer Erfahrung abgepresst. Aber nun ist Hoffen können die Freiheit selbst.

„Hoffnung hält. Sie bleibt. Sie lässt nicht zuschanden werden.“ Hier finden wir einen Anklang an Psalm 22, 6:
„Israels Väter hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.“ Wir können auch sagen: „Auf dich hofften sie und wurden nicht beschämt.“ Sie hatten sich vor niemandem, auch sich selbst nicht, darüber zu schämen, dass sie Gott trauten. Und sie wurden nicht enttäuscht. Der Psalm 22 beginnt mit dem Ruf der Gottverlassenheit: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Ihn hat Jesus am Kreuz gebetet. Mit Israel und seinen Vätern gehen wir Christen den Weg, den Jesus am Kreuz ging:

von der Not zur Hoffnung hin,
die hält und nie zuschanden werden lässt.
Das heißt auch, dass wir vor der Angst
und vor der Zukunft, von der wir nicht wissen, was sie bringen wird
nicht zu kapitulieren brauchen.

Margot Käßmann hat dies selbst am Mittwoch in die Worte gefasst:
Wir können nicht tiefer fallen als in Gottes Hand.

Daraus spricht Glaube, Zuversicht, Friede.

Glauben, Hoffen und Lieben bleiben, sie hören nicht auf, sie reichen bis ins ewige Leben. Sie sind, wie wir gesehen haben, innerlich miteinander verbunden und ergänzen sich:

Glaube beschreibt die Beziehung zu Gott,
Liebe die Beziehung zu Gott und den Menschen und
Hoffnung die Offenheit für Gottes Verheißungen.

Als Christen glauben, hoffen und lieben wir als allseits entfaltete Persönlichkeiten, aber nicht alleine. Dies ist uns gegeben, geschenkt durch den Heiligen Geist, der über alle Getauften ausgegossen ist:
Wir alle sind berufen zu glauben, zu hoffen und zu lieben.

Solange wir Christen glauben, hoffen wir auch. Solange wir leiden und mitleiden mit Menschen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, solange hoffen wir, indem wir die Stimme erheben für die, denen Gottes Verheißung gilt. Dies ist uns aufgetragen.

Diese Stimme ist weiterhin hörbar. Der amtierende Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider kündigte an, die Themen, die Margot Käßmann angestoßen hat, wie die Afghanistan-Debatte und die soziale Frage in unserem Land, aufzugreifen. Er kritisierte Äußerungen, die Hartz IV-Empfänger in ein schlechtes Licht stellen. Auch die Vorsitzende der EKD-Synode, Katrin Göring-Eckardt, erklärte, die Evangelische Kirche in Deutschland werde weiter politisch unbequem bleiben.

Wir sind miteinander unterwegs, durch Jesus Christus befreit zur Hoffnung, zu dem zukunftsoffenen und manchmal überraschenden Weg mit Gottes Verheißungen.

Und der Friede Gottes
halte unseren Verstand wach,
unsere Hoffnung groß
und stärke unsere Liebe.

Amen

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Letzte Änderung: 23.05.2018