Bereichsbild
Veranstaltungen

Mi, 21.11.2018

19:00 Uhr

Universitätsgottesdienst / Buß- und Bettag

Predigt: Ökumen. Prediger Liturgie: Christliche Wohnheime

So, 25.11.2018

10:00 Uhr

Universitätsgottesdienst

Prof. Dr. Fritz Lienhard

Mi, 28.11.2018

07:00 Uhr

Abendmahlsgottesdienst mit anschl. Frühstück

Mi, 28.11.2018

17:15 Uhr

Öffentlicher Seminargottesdienst mit Kirchenmusik- und Theologiestudierenden

Orgel: Till Otto und Byungyong Yoo; Liturgie & Predigt: Salomo Steiger

So, 02.12.2018

10:00 Uhr

Universitätsgottesdienst

Prof. Dr. Helmut Schwier

Alle Termine & Veranstaltungen

Aktuelles

28.06.09: Predigt Prof. em. Dr. theol. Dr.h.c. Gerd Theißen

Predigt am 3. Sonntag nach Trinitatis, den 28. Juni 2009 in der Peterskirche Heidelberg

Predigttext: Die Gleichnisse vom Verlorenen (Lk 15, 1-32)

Prediger: Prof. em. Dr. theol. Dr.h.c. Gerd Theißen

 

Für das Lk-Evangelium ist das Wesentliche des Christentums die Suche nach dem Verlorenen. Deshalb stellt es das Gleichnis vom verlorenen Schaf, vom verlorenen Groschen und verlorenen Sohn ins Zentrum. Mit Recht. Die Suche des Verlorenen ist das Zentrum – nicht nur des Christentums, sondern jeder menschlichen Kultur. Wo immer Menschen über ihre Vorfahren unter den Primaten hinauswachsen, folgen sie dem Programm, Leben auch dort zu ermöglichen, wo es in der Natur verloren ginge. Wir ermöglichen es durch Wissenschaft und Technik, Recht und Politik, Ethik und Religion. Jesus macht in seiner Botschaft von der Suche des Verlorenen dieses Programm bewusst. Aber noch mehr: Er verpflichtet dazu, ihm gegen Widerstände zu folgen. Denn wir stehen in Versuchung, es ständig zu verraten und in sein Gegenteil zu kehren. Jesus versichert darüber hinaus: Ihr habt einen Verbündeten – in einem Programm, das sich in der Evolution aller Dinge zeigt. Ein Leben, das nicht mehr auf Kosten anderen Lebens lebt, ist Gottes Wille. Ihr seid gewürdigt, an seinem Programm mitzuarbeiten. Ihr betretet die Schwelle einer neuen Welt, die nicht mehr vom struggle for life geprägt ist. Am Ende wurde Jesus selbst in die Rolle des Verlorenen gedrängt. Er wurde gekreuzigt, aber seine Botschaft war stärker als der Tod. Gott hat den am Kreuz Verlorenen erwählt und zur Mitte seiner Botschaft des Lebens gemacht. Diese Botschaft von der Suche nach dem Verlorenen brachte Jesus schon vorher. Er verpackte sie in Gleichnisse. Denn zu ihr gehört die Einsicht: Dass wir selbst zu den Verlorenen gehören. Das hört keiner gerne, es sei denn, man unterläuft den Widerstand gegen diese Einsicht durch ansprechende Bilder.

Beim Gleichnis vom Schaf dachten die Hörer unwillkürlich an das Urbild aller Gleichnisse: die Nathanfabel. David hatte einen Soldaten in den Tod geschickt, um ihm die Frau auszuspannen. Der Prophet Nathan konfrontiert ihn mit seinem Verbrechen,  indem er die Geschichte vom reichen Mann erzählt, der dem Armen sein einziges Schaf wegnimmt. David wird zornig und erklärt: Dieser Mann ist des Todes! Darauf sagt der Prophet: Du bist der Mann. Du hast dem Uria die Frau genommen. Du hast ihn in den Tod geschickt. Jesus trat mit seinen Gleichnissen nicht vor Könige, sondern vor einfache Menschen. Er ist weniger konfrontativ als Nathan. Seine Gleichnisse unterlaufen etwas sanfter unsere Widerstände gegen seine Botschaft. Warum aber sind sie so sanft? Auf diese Frage gebe ich drei Antworten.

Die erste Antwort: Jesus macht es uns leicht, dass wir uns mit den Verlorenen identifizieren. Die Verlorenen sind bei ihm Sympathieträger. Das verlaufene Schaf erregt Mitleid. Wir können uns sogar sagen: Wir sind keine Könige, die anderen Schafe wegnehmen. Wir sind selbst ein Schaf, das sich verlaufen hat. Wir sind Opfer, nicht Täter. Ein kuscheliges Schaf möchten wir alle sein – und von jemandem auf den Schultern getragen werden. Wer möchte da nicht ein klein wenig verloren sein!

Im zweiten Gleichnis vom verlorenen Groschen wird Jesus deutlicher: Als Münze irgendwo in den schmuddeligen Ecken des Hauses verschwunden zu sein, ist keine edle Rolle. Aber auch dieses Bild ist sanft. Auch hier hat das Verlorene einen Wert. Es ist ein Edelmetall, das noch einmal nützlich werden kann – wenn es jemand findet. Vielleicht sind auch wir so eine Münze, deren Wert noch keiner entdeckt hat!

Als Höhepunkt folgt das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Da wird Jesus direkt: Wie viel besser ist es, sich in der Wüste zu verirren als in jenem halbseidenen Milieu, in dem sich der Sohn verloren hat. Wie viel besser ist es, eine Münze zu verlieren, als alles Geld zu verprassen. Was für ein sozialer Abstieg ist das: vom Prostituiertenfreund zum Schweinehüter zu avancieren. In den Augen der damaligen Hörer war das ein totales Scheitern. Aber der verlorene Sohn ist nicht unsympathisch. Er kehrt von alleine um. Er kehrt zu seinem Vater zurück.

 

Jesus enthüllt in sanften Bildern von Schaf, Münze und Söhnen die Verlorenheit des Menschen. Er konfrontiert nicht so hart wie Nathan. Er spricht zu einfachen Menschen. Bei denen muss man andere Sperren überwinden als bei den Mächtigen. Einfache Menschen fühlen sich moralisch oft besser als die Reichen. Heute sagen viele von ihnen mit Recht: Wir haben nicht mit Finanzspielen die Welt ruiniert und hinterher gefordert, dass die Allgemeinheit dafür Milliarden bezahlt. Wie gut, dass wir nicht zu diesen Reichen gehören! Wer so unbestreitbar Recht hat, ist in Gefahr, selbstgerecht zu werden. Die Bilder Jesu über die Verlorenheit des Menschen müssen die Selbstgerechtigkeit der kleinen Leute durchbrechen. Er macht es ihnen leicht, sich in den Verlorenen wieder zu erkennen, weil er ihnen in seinen Bildern Sympathieträger anbietet, in denen sich alle wiederfinden.


Meine erste Antwort auf die Frage, warum uns die Gleichnisse vom Verlorenen sanft erscheinen, ist daher: Über diesen Verlorenen liegt das Licht der Liebe. Sie werden mit Sympathie dargestellt. Das lässt sie weniger verloren erscheinen…

Meine zweite Antwort stellt sich zunächst die Frage: Woher kommt das Licht dieser Liebe? Es kommt daher, dass Gott das Verlorene sucht. Jesus spricht von der Freude Gottes, wenn er das Verlorene findet und Umkehr geschieht. Das kommt vor allem in den Deutungen nach den Gleichnisbildern zum Ausdruck. Da heißt es: Es ist mehr Freude im Himmel über einen Sünder, der umkehrt, als über 99 Gerechte, die keine Umkehr brauchen.

 

Diese Umkehr ist ein Geschenk. Das zeigt der verlorene Groschen. Kann der etwa umkehren? Nein! Eine Münze kann nur gefunden werden. Sie kann von sich aus gar nichts dazu tun. Sie bleibt passiv. Dennoch deutet Lk auch diese Münze auf die Umkehr. Lk hat eine Liebe zum Verlorenen vor Augen, die unabhängig davon ist, ob die Verirrten diese Liebe wollen oder nicht, ob sie von sich aus umkehren oder nicht.

Das verlorene Schaf kann immerhin seine Richtung ändern. Wie leicht hätte Jesus erzählen können: Als das Schaf den Hirten sah, freute es sich und kehrte um. Aber das Gleichnis sagt davon nichts. Das Schaf wird gefunden und getragen. Bedingungslos wird es gesucht, bedingungslos gefunden. Unabhängig von seinem Wohlverhalten wendet sich der Hirt ihm zu. Dahinter steht die Erfahrung: Dass Gott Menschen einen unbedingten Wert zuspricht, mögen sie sich auch noch so sehr verirrt haben.

 

Erst beim verlorenen Sohn wird die Umkehr im Bild dargestellt: Der jüngere Sohn kehrt in der Fremde um. Er will zu Hause nur noch ein bezahlter Tagelöhner sein. Als aber der Vater ihm entgegeneilt und umarmt, bringt er nur sein Schuldbekenntnis über die Lippen: „Vater ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir, Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße.“ Dann müsste eigentlich die Bitte folgen, dass er Tagelöhner sein darf. Sie bleibt unausgesprochen. Denn die Umarmung des Vaters hat ihn schon weit über einen Tagelöhner hinaus gehoben. Damit alle es sehen, erhält er ein Festtagsgewand und einen Ring. Man fragt sich: Wäre es nicht klüger gewesen, der Vater hätte ihm erst nach einer gewissen Bewährungszeit zum Geburtstag Festtagskleider und Ring geschenkt? Wäre es nicht eine gute Idee gewesen, den älteren Bruder anzustiften, ihm diese Geschenke zu überreichen? Aber der Vater vertraut darauf, dass seine Freude den wiedergefundenen Sohn verändert. Er vertraut auf die motivierende und verändernde Kraft der Freude.

Dass Jesus durch Freude zur Verhaltensänderung motiviert, ist nicht selbstverständlich. Sein Lehrer Johannes der Täufer hatte durch Todesangst zur Umkehr aufgefordert. Die Axt sei schon an die Wurzel der Bäume gelegt. Jesus aber sagt: Gott gibt den Menschen eine Chance. Er gibt ihnen Zeit. Der Himmel freut sich darüber, wenn jemand umkehrt. Diese Umkehr ist keine finstere Bußzeremonie, sie ist ein Freudenfest – wie im Himmel also auch auf Erden.

Meine zweite Antwort auf die Frage, warum uns die Gleichnisse vom Verlorenen so sanft erscheinen, ist daher: Diese Verlorenen wirken weniger verloren, weil eine bedingungslose Liebe ihr Leben erhellt. Das ist die Liebe Gottes. Aber ist es nicht auch die Liebe von Menschen?

Damit komme ich zu meiner dritten Antwort: Die Gleichnisse vom Verlorenen strahlen Licht und Wärme aus, weil sie aus Verlorenen solche Menschen machen, die andere verlorene Menschen suchen. Sie machen aus Verlierern Gewinner, aus Hilfesuchenden Helfer. Mit ihnen können wir uns leicht identifizieren. Auch deshalb fällt die Identifikation mit denen leicht, die in den Gleichnissen das Verlorene suchen, weil sie nicht über jeden Tadel erhaben sind. Hat nicht auch der Hirte beim Hüten versagt? War nicht die Frau schlampig, als sie die Drachme verlor? War es weise, dass der Vater dem jüngeren Sohn sein Erbe auszahlte? Liegt das Problem nur beim Schaf, beim Groschen und beim verlorenen Sohn? Müssen nicht auch der Hirten, die Frau und der allzu nachgiebige Vater umkehren? Als unvollkommene Menschen können wir uns leichter mit ihnen identifizieren. Auch wenn Jesus sie zweifellos als Bilder für Gottes Suche nach dem Verlorenen  eingeführt hat.

 

Dass Jesus hier eindeutig Menschen einlädt, in diese Rolle Gottes einzusteigen und wie Gott das Verlorene zu suchen, geht aus Folgendem hervor: Er appelliert an Männer und Frauen. Wir finden bei Jesus oft ein Bild für Männer und eins für Frauen nebeneinander: erst das Bild vom Hirten, dann das von der Frau mit dem Groschen. Die Mahnungen der Weisen richten sich sonst nur an junge Männer. In den Sprüchen Salomos oder bei Jesus Sirach findet man nirgendwo dieses nebeneinander von Mahnungen für beide Geschlechter. Das ist auch leicht erklärbar: Bei einem Wanderprediger wie Jesus,  der auf offenen Plätzen lehrte, war es kein Problem, dass Frauen unter den Zuhörern waren. Etwas Besonderes aber ist: Jesus hat bewusst Bilder für beide Geschlechter formuliert wie hier das Bild von einem Hirten und von einer Hausfrau.

 

Der gute Hirte wurde das beliebtere Bild. Aber eigentlich handelt die Frau nachhaltiger. Sie zündet ein Licht an und räumt im Haus auf. Am Ende ist nicht nur der Groschen gefunden, das Haus ist aufgeräumt. Der Hirt holt dagegen das Schaf aus der Wüste, ohne die Wüste zu verwandeln. Er handelt risikoreich, wenn er 99 Schafe unbewacht zurücklässt. Man kann fragen, ob er sie eingepfercht hat: Denn wie soll er sonst registrieren haben, dass ein Schaf fehlt. Beim Weiden einer Herde auf offener Wiese kann man Schafe nicht zählen. Sie verändern ständig ihre Position. Erst wenn man die Schafe in ihre Hürden treibt, kann man entdecken, dass von 100 Schafen eins fehlt. Aber all das ist dem Erzähler nicht wichtig. Für ihn ist entscheidend: Der Aufwand für nur 1 % einer Herde oder für 10% eines Besitzes lohnt sich! Diese Gleichnisse sind nicht utilitaristisch am größtmöglichen Glück der größtmöglichen Zahl orientiert, sondern an dem einen Menschen, der verloren geht. Es geht um seinen unendlichen Wert, den man nicht mit Glück und Unglück anderer Menschen statistisch verrechnen darf.

 

Dieser unverrechenbare Wert existiert nicht nur in den Augen Gottes, sondern auch der Menschen. Denn die Hörer sollen in die Rolle Gottes im Gleichnis einsteigen. Obwohl auch sie zu den Verlorenen gehören, sind sie dazu bestimmt, Verlorene zu suchen. Darum sind diese Gleichnisse ohne dunkle Bußstimmung. Denn Verlorene erhalten die größte Rolle, die sie sich denken können. Sie retten andere. Das ist der beste Weg, um Verlorenheit und Sinnlosigkeit im eigenen Leben und in der Welt zu bekämpfen. Etwas für andere zu tun und dabei jeden einzelnen ernst zu nehmen. Sonst lässt man sich allzu schnell von Überlegungen beeindrucken wie der: Was hilft es, in dieser Welt einem einzelnen zu helfen? Das ist doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Statistik von Glück und Unglück ist demotivierend. Aber wenn wir uns selbst einmal als Verlorene erlebt haben, dann wissen wir: Wenn es einem schlecht geht, tröstet es wenig, dass es gleichzeitig 99% der Menschen in der Welt gut geht. Wer Hilfe braucht, ist darauf angewiesen, dass er für einen Augenblick wichtiger ist als 99 andere Menschen. Die Zuwendung zu ihm ist dann kein verdampfender Tropfen auf einen heißen Stein, sondern ein Tropfen Ewigkeit, der in ein einzelnes Leben fällt und dort ein Licht anzündet. Wenn auf einen einzelnen Menschen so ein unendlicher Akzent fällt, ist er gerettet: Dann hat er Kontakt mit Gott gewonnen. Denn Gott ist in sich Wert und Sinn und Freude – wie das Gleichnis im Bilde sagt. Und das gilt auch dann noch, wenn gleichzeitig viele Menschen von Gott weit entfern sind. Ein einzelner Mensch, ein einziges verlorenes Schaf, dem sich so der Himmel geöffnet hat, ist ein von keiner Statistik erfasster Wert.

Meine drei Antworten enthalten Widersprüchliches: Erstens gehören wir zu den Verlorenen. Zweitens erfahren wir Gottes Suche nach dem Verlorenen. Drittens werden wir motiviert und verpflichtet, diese Suche nach dem Verlorenen mitzumachen. Wenn uns nun tatsächlich beide Rollen zugedacht sind, die Rolle der Verlorenen und die der Suchenden – dann ist beides zugleich in uns. In uns steckt das verlorene Schaf, in uns steckt der Hirte, der ihm nachgeht. In uns steckt der verlorene Groschen, in uns gibt es eine Frau, die seinen Verlust beklagt. Was heißt das?

 

Es heißt: Wir dürfen uns eingestehen, dass in unserem eigenen Leben viel verloren gegangen ist. Unsere Lebenspläne gehen in die Brüche. Unsere Beziehungen scheitern. Versöhnung mit Eltern misslingt. Kompetenzen kommen nicht zur Entfaltung. Sehnsüchte stranden. Und meist geht nicht nur ein Groschen verloren, sondern sehr viel mehr Geld. Das Geld könnte man verschmerzen, aber das viele Gute und Schöne, das man damit machen wollte, ist dennoch ein Verlust. Aber ganz unabhängig davon: Wir bleiben in jedem Fall Fragment.

 

Das heißt aber auch: Das Verlorene im eigenen Leben zu suchen und es heilen zu wollen, ist nicht Egoismus. Heilung besteht manchmal darin, dass man das Verlorene „loslässt“, dass man innerlich bejaht, es ist unwiederbringlich dahin. Oft kann man es erst dann in der Erinnerung annehmen als ein Teil seiner selbst. Wer sich das Verlorene in seinem Leben eingesteht und es Teil seines Lebens zurückholt, wird auch für die Hilferufe verlorener Menschen in seiner Umgebung sensibler. Er weiß: Wir sind alle weit weg von uns selbst. Wir sind alle auf der Suche nach uns selbst. Wir alle haben etwas von uns verloren. Wer es bei sich wahrnimmt, sieht es auch bei anderen und kann ihnen helfen.

 

Verlorenheit ist in den Gleichnissen Einsamkeit, das Finden der Verlorenen aber gemeinsame Freude. Das hören wir in unserer Zeit ganz anders als in der Antike. Viele sind heute so einsam wie ein verlorenes Schaf in der Wüste – auch wenn sie alles haben: Geld, Essen, Wohnung, Erfolg und sogar Anstand und Moral. Viele leben so allein wie der verlorene Sohn in der Fremde entfernt von ihrer Familie. Wo immer aber das Verlorene gefunden wird – das, was in unserem eigenen Leben, das, was in unserer Gesellschaft und was in der ganzen Welt verloren ging, da wird nicht nur im Himmel, sondern auch auf Erden Freude sein. Dann fällt in das Leben ein Funke Ewigkeit. Dann haben wir mit einem Fuß eine neue Welt betreten, in der die Verlorenen nicht verloren gehen. Dann erfüllen wir gemeinsam mit anderen das verborgene Programm aller menschlichen Kultur. Dann tun wir den größten Schritt in unserem kleinen Leben: wir vollziehen in uns den Übergang zu einer neuen Phase der Evolution. Wir betreten die Schwelle zum Reich Gottes. In ihm gilt: Gott will, dass das Verlorene nicht verloren geht. Er will, dass wir die Freude darüber teilen. Er will die Einsamkeit derer überwinden, die der Lebenskampf vereinzelt hat. In Jesus wird diese neue Welt erkennbar – mitten in der alten Welt, in der wir leben und die uns in vieler Hinsicht gefangen hält. Jesus ging verloren, damit wir in ihr nicht verloren gehen und damit wir zusammen an seiner Statt helfen, dass keiner verloren geht.

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christo Jesu. Amen

Webmaster: E-Mail
Letzte Änderung: 23.05.2018
zum Seitenanfang/up